Rede von Kulturstaatsministerin Grütters bei der jazzahead!-Soirée

By   /  October 1, 2016  /  Comments Off on Rede von Kulturstaatsministerin Grütters bei der jazzahead!-Soirée

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MIL OSI – Source: Deutschland Bundesregierung –

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Kulturstaatsministerin Grütters hat weiter Unterstützung für die Jazzmusik in Aussicht gestellt. “Deutschland hat eine bemerkenswerte, international beachtete Jazz-Szene”, so Grütters. Als einzigartige Mischung aus Fachmesse und Festival biete die “jazzahead!” eine Bühne für die ganze Vielfalt des Jazz und ihrer Künstler. Grütters fördert das Genre mit Geldern aus verschiedenen Fonds, Programmen und Initiativen.
Die Jazz-Begeisterten unter Ihnen werden es bestimmt wissen: In Bremen wird immer einmal wieder Jazzgeschichte geschrieben: Eines der ersten – und vielfach ausgezeichneten – Jazz-Alben des damals gerade 28-jährigen Keith Jarrett zum Beispiel wurde bei Solokonzerten 1973 in Bremen und Lausanne aufgenommen. Eben diese Platte war es, die den Jazzmusiker Brad Mehldau im Teenageralter entdeckten ließ, dass man am Klavier nicht nur Brahms und Beethoven spielen kann.

Im Sommer habe ich Brad Mehldau live erleben können – das Vergnügen bei einem Keith Jarrett-Konzert hatte ich auch – so wiederholen sich echte Highlights – und ganz ehrlich – auch Glückserlebnisse.

Jazzgeschichte haben in Bremen auch Musikenthusiasten geschrieben, die “ihrer Musik” ein Zeichen setzen wollten: die “jazzahead!” – eine einzigartige Mischung aus Fachmesse und Festival. Längst hat sie ihren festen Platz im Kalender der deutschen und internationalen Szene gefunden; sie ist globaler Branchentreff für Austausch, Kontakte und Kooperationen – und zugleich Bühne für die ganze Vielfalt der deutschen Jazzszene und für ihre vielseitigen Künstlerinnen und Künstler. Vor allem holt sie den Jazz, der in verrauchten Clubs und auf späten Sendeplätzen oft dann doch ein buchstäbliches Schattendasein fristet, ins verdiente Rampenlicht.

Der Erfolg der “jazzahead!”, die national wie international als große Bereicherung des Kultur- und Musiklebens gilt, wäre ohne Ihr Engagement, liebe Sybille Kornitschky, nicht möglich gewesen – herzlichen Dank an Sie und Ihr Team! Auch den beiden langjährigen künstlerischen Leitern, Uli Beckerhoff und Peter Schulze, ist es zu verdanken, dass die Messe jedes Jahr unvergessliche Jazzerlebnisse für ihre Besucherinnen und Besucher bereithält. Ich freue mich, dass Sie alle heute ein Stück Jazz-Begeisterung nach Berlin mitbringen und danke Ihnen für die Einladung zur Jazz-Soirée!

Deutschland hat ja eine bemerkenswerte, eine international beachtete Jazzszene – das wird nicht zuletzt einmal im Jahr in Bremen sichtbar: In unserem Land leben und arbeiten herausragende Musikerinnen und Musiker, Hochschulen bilden kontinuierlich hoch qualifizierten Nachwuchs aus, es entstehen äußerst vielfältige Formationen und Ensembles. In vielen Städten gibt es traditionsreiche und innovative Festivals und eine lebendige Clubszene, oft getragen vom persönlichen Enthusiasmus öffentlich geförderter Veranstalter oder sogar vom ehrenamtlichen Engagement. Um diesen Einsatz zu würdigen, werden die engagiertesten Clubs jährlich im Rahmen des mit insgesamt einer Million Euro ausgestatteten Spielstättenprogrammpreises “Applaus” von mir gewürdigt.

Trotz allem entsteht doch immer noch der Eindruck, dass der Jazz sein volles Potential nicht überall entfalten kann, dass er nicht die öffentliche Aufmerksamkeit und Unterstützung erfährt, die anderen Genres der Musik zuteilwerden. “Wenn keiner singt, muss es wohl Jazz sein: Das glauben eine Menge Leute”, hat der Jazz-Saxophonist Branford Marsalis kürzlich in einem Interview gesagt. Jazz gilt eher als Nische für ausgewiesene Kenner und Liebhaber-  ihn aus dem Schatten etablierter Gattungen ins Scheinwerferlicht zu holen und noch mehr Menschen dafür zu begeistern – dafür engagiert sich der Bund mit verschiedenen Projekten:

So hat mein Haus beispielsweise eine Studie mitfinanziert, die sich vor allem mit den sozialen Bedingungen der Jazz-Musikerinnen und -Musikern befasst: Die “jazzstudie2016” macht auf die schwierigen Arbeits- und Lebensbedingungen der Jazzer aufmerksam. Sie werden nach außen nämlich selten sichtbar.

Doch trotz unsicherer finanzieller Zukunft entscheiden sich nach wie vor viele junge Menschen für eine professionelle Jazz-Ausbildung – vielleicht auch deshalb, weil Jazz – wie es der Schweizer Journalist Peter Rüedi einmal formuliert hat – ich zitiere: “[…] kein Handwerk [ist], sondern eine Lebensform, also eine existentielle Angelegenheit.“ Selbst wenn Jazzmusiker mehr eine Berufung denn ein Beruf ist, sollten Trompeter, Pianisten, Sänger und Bassisten von ihrer Musik leben – und nicht nur knapp überleben – können! Ich hoffe deshalb, dass die Studie Diskussionen darüber anregt, wie sich die Arbeits- und Lebensbedingungen professioneller Jazzmusikerinnen und -musiker verbessern lassen.

Der Bund jedenfalls trägt seinen Teil dazu bei. Wir verstehen den nicht-kommerziellen Jazz bewusst als Teil zeitgenössischer Musik und öffnen ihm damit die Chance auf Mittel aus dem vor wenigen Tagen gegründeten Musikfonds. Für diesen neuen Musikfonds stellt die Bundesregierung jährlich 1,1 Millionen Euro zur Verfügung. Die von meinem Haus geförderte “Initiative Musik” unterstützt darüber hinaus bereits seit 2008 viele Jazzmusiker und -projekte, so zur Zeit zum Beispiel den Trompeter und Pianisten Sebastian Studnitzky, das Berliner Jazzquartett Cyminology, das Peter Protschka Quartett oder das New German Art Orchestra.

Und vielleicht wird bald neben Bremen nun auch in Berlin eine neue Jazzgeschichte geschrieben: Der Musiker Till Brönner will hier ein “House of Jazz” errichten, das dem Genre zu mehr Sichtbarkeit und zu einer breiteren öffentlichen Aufmerksamkeit verhelfen soll. Die Initiative klingt verlockend – und wurde kürzlich in einer vom Bund mitfinanzierten Machbarkeitsstudie untersucht. Ohne den Ergebnissen der Studie – die demnächst veröffentlicht wird – vorzugreifen: Überlegenswert und reizvoll finde ich diese Idee in jedem Fall!

Duke Ellington hat einmal über den Jazz gesagt: “Es ist wie ein Mordakt. Du spielst mit Vorsatz, um etwas zu begehen.” Ob die Musiker des heutigen Abends – die großartige Anke Helfrich und ihr Duopartner, der Australier Adrien Mears – ähnliche Gelüste antreibt, verraten sie uns vielleicht später. In jedem Fall verspricht dieses Jazz-Geständnis spannende Unterhaltung und zeigt, dass der Jazz durchaus Prime-Time-fähig ist: Ich jedenfalls werde mich weiterhin dafür stark machen, dass die Musik, die Künstlerinnen und Künstler mit so viel Leidenschaft und mit Vorsatz – hochqualifiziert und talentiert wie sie sind – antreibt, um uns – ihr Publikum – mit in ihre Welt zu entführen, dass diese Musik eben auch die verdiente Anerkennung erhält. Und dass die ganz eigene Welt des Jazz zunehmend unsere gemeinsame wird – und mindestens eine “existenzielle Angelegenheit”!

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