Devisen: Pfund im Taumel

By   /  October 6, 2016  /  Comments Off on Devisen: Pfund im Taumel

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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5. Oktober 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Am Devisenmarkt blickt alles auf das Pfund: Während der britische Aktienmarkt die Verluste nach dem Brexit-Entscheid längst hinter sich gelassen hat, ist das Pfund weiter auf Talfahrt. Nach den jüngsten Äußerungen der britischen Premierministerin Theresa May fiel das Pfund gegenüber dem US-Dollar sogar auf den tiefsten Stand seit 1985.
May hatte auf dem Parteitag der Konservativen in Birmingham einen “harten” Brexit angedeutet, der könnte das Land unter Umständen den Zugang zum europäischen Binnenmarkt kosten. Auch gegenüber dem Euro hat das Pfund weiter verloren: Ein Euro kostet aktuell 0,88 Pfund – immerhin ein Fünfjahrestief für die britische Währung. Vor einem Monat waren es noch 0,85 Pfund, vor dem Brexit-Votum sogar nur 0,76 Pfund. Die DekaBank geht davon aus, dass sich das Pfund noch weiter abschwächen wird, prognostiziert werden auf Dreimonatssicht 0,90 Pfund zum Euro und auf längere Sicht 0,92 Pfund. “Die Parität erwarten wir nicht”, erklärt Devisenanalystin Marina Lütje. Sollte die Entwicklung weiter in Richtung “harter” Brexit gehen, seien aber auch 0,95 Pfund möglich.
US-Dollar: Warten auf Leitzinsschritt
Das Wechselkurspaar Euro/US-Dollar bewegt sich weiter seitwärts, am Mittwochmittag kostet ein Euro 1,12 US-Dollar und damit so viel wie vor vier Wochen. Am gestrigen Dienstag gab es Unterstützung für die Gemeinschaftswährung durch Spekulationen um eine schrittweise Verringerung der EZB-Wertpapierkäufe, kurz “Tapering”. Bloomberg hatte berichtet, die Notenbank könne vor Ende ihres milliardenschweren Wertpapierkaufprogramms die Käufe schrittweise verringern.
Nach Ansicht von Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank dürfte der US-Dollar seine Seitwärtsbewegung gegenüber dem Euro fortsetzen.
“Um ihm Rückenwind zu geben und aus dieser ausbrechen zu lassen, bedarf es der klaren Evidenz für die nächste Leitzinsanhebung der Fed.” Solange der US-Präsidentschaftswahlkampf nicht entschieden sei, werde es diese aber keineswegs geben.
Auch die DekaBank rechnet vorerst noch mit einer “holprigen Seitwärtsbewegung”, auf mittlere Sicht aber mit einer klaren Abwertung des Euro. “Wir sehen den Euro in drei Monaten bei 1,10 und in zwölf bei 1,03 US-Dollar, auf Zweijahressicht gehen wir von einer Parität aus”, erklärt Christian Melzer. Hintergrund ist die Divergenz in der Geldpolitik: In den USA würden die Leitzinsen schon bald steigen, einen ersten Schritt werde es im Dezember geben. Die EZB werde das Anleihekaufprogramm voraussichtlich über den März hinaus verlängern und die Ankaufskriterien lockern. “Das diskutierte Tapering ist nicht unmöglich, aber eher unwahrscheinlich.”
Kaum Veränderung beim Yen
Im Handel mit Devisen-ETNs stand einmal mehr das Währungspaar Euro/US-Dollar im Mittelpunkt. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen vier Wochen ganz oben finden sich der ETFS 5x Long US-Dollar Short Euro (WKN A12Z31) und der ETFS 5x Short US-Dollar Long Euro (WKN A12Z32).
Umsatzstark zeigten sich auch Euro/Yen-ETNs, etwa der ETFS Short Yen Long Euro (WKN A1DFSF) und der ETFS 5x Short Yen Long Euro (WKN A12Z30), mit denen auf einen schwächeren Yen spekuliert werden kann, sowie der ETFS Long Yen Short Euro (WKN A1DFSJ) für die umgekehrte Richtung.
Dabei gibt es vom Yen wenig Neues: Aktuell liegt die Notierung bei 115 Yen zum Euro nach 114 vor einem Monat. “Wir gehen von einer weiterhin volatilen Seitwärtsbewegung aus”, berichtet Melzer. “Es ist ein Schneckenrennen von EZB und Bank of Japan, auch die japanische Notenbank wird die Geldpolitik nochmals lockern.”
Norwegische Kronen: Hoffen auf Ölpreisanstieg
Die norwegische Währung beflügelt hat die Entscheidung der Opec Ende September über die Drosselung der Fördermenge, wie Lütje außerdem feststellt. Für einen Euro mussten erstmals seit vergangenem Sommer wieder weniger als 9 Kronen gezahlt werden. “Allerding glauben wir nicht, dass durch die OPEC-Entscheidung das Angebot tatsächlich sinkt, andere Länder werden die Lücke schließen.”
SNB begrenzt Frankenanstieg
Nicht mehr ganz so gesucht wie nach dem Brexit-Entscheid ist der Schweizer Franken. Aktuell müssen 1,10 Franken für einen Euro gezahlt werden, vor einem Monat waren es 1,09, nach dem Brexit-Votum war der Kurs zwischenzeitlich auf 1,07 Franken gefallen – Anleger hatten auf den “sicheren Hafen” Franken gesetzt. “Das von der Schweizer Nationalbank aufgelegte Deviseninterventionsprogramm zeigt seine Wirkung”, kommentiert die HSH Nordbank. Die SNB kaufe ausländische Währungen in Milliardenhöhe, um den Wechselkurs zu stabilisieren. “Bis auf weiteres ist mit einer Änderung der geldpolitischen Strategie der SNB nicht zu rechnen, und somit erwarten wir keine nachhaltigen Kursausbrüche.”
von: Anna-Maria Borse

5. Oktober 2016, © Deutsche Börse AG

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