Marktstimmung: “Zurück in die neutrale Zone”

By   /  October 6, 2016  /  Comments Off on Marktstimmung: “Zurück in die neutrale Zone”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Marktstimmung: "Zurück in die neutrale Zone"

Zusammenfassung


Nicht nur der Optimismus der institutionellen Marktteilnehmer hat sich auf den Stand von vor vier Wochen abgeschwächt – auch bei den Privatanlegern konnten wir, wenn auch nicht in gleicher Stärke, einen Rückgang des Börse Frankfurt Sentiment-Index feststellen. Der Grund dafür dürfte jedoch nicht nur beim deutlichen Rücksetzer des DAX zu suchen sein, auch wenn dadurch mit Sicherheit einige Engagements ausgestoppt worden sind. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass der gestern veröffentlichte Bloomberg-Bericht zur Europäischen Zentralbank eine grundlegende Stimmungsänderung hervorgerufen hat. Ganz zu schweigen von den Sorgen um die Zukunft des Bankensektors. Oder den Folgen eines möglicherweise harten Brexit, einem schnellen Austritts Großbritanniens aus der EU ohne Rücksicht auf Verluste – gerade letztere Bedrohung, hat sich im Aktienmarkt noch nicht wirklich niedergeschlagen.5. Oktober 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt. Betrachtet man die Entwicklung des DAX im Wochenvergleich, so kommt einem der Wertzuwachs von einem Prozent auf den ersten Blick eigentlich recht harmlos vor. Man kann ihm schließlich nicht ansehen, dass etliche mittelfristig orientierte Investoren unseres Panels zwischenzeitlich einen deutlichen Wertverlust ihrer Engagements hatten hinnehmen müssen. Dabei dürfte weniger der temporäre Einbruch des Börsenbarometers von mehr als 3 Prozent per se die Akteure beeindruckt haben, sondern vielmehr die Art und Weise, wie er zustande kam. Aber nicht nur die dahinter stehende Schwäche im Bankensektor und die anschließende deutliche Erholung zum vergangenen Wochenende dürfte einige Händler wachgerüttelt haben. Denn diese Achterbahnfahrt stand im Kontrast zum bisherigen Verlauf des Septembers, der sich mit einer Bandbreite von rund 5,5 Prozent als ruhigster Monat dieses Jahres erwiesen hatte.

Und so wundert es nicht, dass die institutionellen Investoren unserer Befragung ihren vor Wochenfrist zur Schau gestellten Optimismus wieder zurückgenommen haben, so dass der Börse Frankfurt Sentiment-Index um ganze 17 Punkte auf einen Stand von +13 gefallen ist. Dabei ist es eigentlich egal, ob die zu Grunde liegenden bullishen Engagements mit einem kleinen Gewinn oder als Folge einer disziplinierten Verlustbegrenzung glattgestellt wurden. Im Ergebnis haben fünf Prozent aller Befragten ihre Engagements um 180° gedreht und sind direkt ins Bärenlager gewechselt. Aber auch vormals neutral eingestellte Akteure haben ihre vor einer Woche aufgelösten bearishen Absicherungen wieder aufgebaut. Dazu passt auch der gestrige, bislang allerdings offiziell noch nicht bestätigte Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, demzufolge innerhalb der Europäischen Zentralbank angeblich Konsens darüber herrschen soll, dass die EZB ihr quantitatives Lockerungsprogramm nach dessen Beendigung in Schritten von jeweils 10 Milliarden Euro pro Monat zurückfahren wird. Auch wenn gleichzeitig betont wurde, dass das Anleihekaufprogramm von derzeit monatlich 80 Milliarden Euro auch über das bislang für März 2017 geplante Ende hinaus verlängert werden könnte, dürfte mancher Investor ins Grübeln gekommen sein. Zumindest die mancherorts gehegte Hoffnung auf eine mögliche Ausweitung des derzeitigen quantitativen Lockerungsprogramms der EZB auf Aktienkäufe dürfte sich damit vorerst erledigt haben.
Privatanleger reagieren langsamerAuch die Privatanleger haben sich von den Ereignissen der vergangenen Handelstage beeinflussen lassen. Allerdings ist bei diesem Panel der Optimismus, gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index, lediglich um 10 Punkte auf einen Stand von +30 zurückgegangen. Ähnlich wie bei den institutionellen Pendants haben per Saldo 5 Prozent aller Befragten ihre Meinung von bullish auf bearish gedreht.
Umfrage bei Twitter und Facebook

Höher: 62% (+0,02)Tiefer: 31% (-0,02)Neutral: 6% (+0,01)

Auch wenn der Optimismus bei den Privatanlegern derzeit noch nicht spürbar zurückgegangen ist, kann man bei den institutionellen Investoren von einer Marktbereinigung sprechen. Denn mit einem Wert von +13 Punkten befindet sich deren Sentiment-Index fast genau auf dem Sechsmonats-Durchschnitt, weshalb wir in der relativen Betrachtung der Stimmungsentwicklung derzeit von einer verzerrungsfreien Marktwahrnehmung und einer geringen Zahl von Schieflagen heimischer Investoren ausgehen. Damit sind die Chancen für einen ausgeprägten DAX-Trend ohne die Mitwirkung neuer langfristiger Kapitalströme relativ begrenzt. Gleichzeitig erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass der DAX seine Konsolidierung zwischen rund 10.200 und 10.800 Zählern zunächst fortsetzen wird.
Börse Frankfurt Sentiment-Index
Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutralTotal48%35%17%ggü. letzter Erhebung-5%+12%-7%DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.550 (+100 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +13 Punkte (Stand Vorwoche: +30 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum
Private Anleger

BullishBearishNeutralTotal56%26%18%ggü. letzter Erhebung-5%+5%0% DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.550 (+100 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +30 Punkte (Stand Vorwoche: +40 Punkte)

von: Joachim Goldberg
05. Oktober 2016, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.deÜber den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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