Hilfe zur Selbsthilfe: So stärken wir geflüchtete Frauen in Deutschland

By   /  October 7, 2016  /  Comments Off on Hilfe zur Selbsthilfe: So stärken wir geflüchtete Frauen in Deutschland

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MIL OSI – Source: Deutschland Bundesregierung –

Headline: Hilfe zur Selbsthilfe: So stärken wir geflüchtete Frauen in Deutschland

Die Freiheit des einzelnen Menschen endet bekanntlich dort, wo die des anderen beginnt. Für Geflüchtete in den Notunterkünften bedeutet das oft: außerhalb von knapp vier Quadratmetern. Der Kampf um jeden Zentimeter Selbstbestimmung stand im Mittelpunkt einer von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration geförderten Fachveranstaltung zum Schutz geflüchteter Menschen vor geschlechtsspezifischer Gewalt.

Maggie Merhebi, trans*-Künstlerin, trans*-Aktivistin und Vorstandsmitglied von Gladt e.V. (Referentin Workshop)
Foto: Integrationsbeauftragte/Franquesa

Die Flucht nach Deutschland war für Maggie Merhebi nicht nur ein Schritt in Richtung Sicherheit – sondern auch in Richtung geschlechtliche Selbstbestimmung. Als Transsexuelle im Libanon hat Merhebi ihre weibliche Identität ihr halbes Leben lang verstecken müssen. Nachdem sie in einer TV-Show unwillentlich geoutet wurde, verlor sie ihren Job und stand plötzlich im Zentrum öffentlicher Anfeindungen. Deutschland steht für sie für Sicherheit und Aufgeklärtheit, sagt die 27-Jährige. “Aber Transphobie begegnet mir auch hier.” So gäbe es gerade in den Flüchtlingsheimen häufig entsprechende Konflikte. Wie solche Probleme eingedämmt werden können, war Thema einer Fachtagung in Berlin.

Im Zentrum der von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration geförderten Fachveranstaltung stand die Frage, wie geflüchtete Menschen besser vor geschlechtsspezifischer Gewalt geschützt werden können. Diskutiert wurden etwa der Mangel an Privatsphäre und die Diskriminierung und Gewalt begünstigenden Strukturen in den Notunterkünften, wo Frauen und LSBTI*-Personen besonders häufig von Übergriffen betroffen oder bedroht sind.
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Amal Abdul Wahab, von der Organisation “Women in Exile”, Potsdam (Referentin Vortrag)
Foto: Integrationsbeauftragte/Franquesa

Komm mir nicht zu nah

So fordern Elisabeth Ngari und Amal Abdul Wahab von der Organisation “Women in Exile” die Abschaffung der zentralen Notunterbringung in Gemeinschaftsunterkünften. Die aus Somalia stammende Amal ist aus Saudi-Arabien nach Deutschland geflüchtet und kennt die Lebensbedingungen von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern. “Die Leute sind gezwungen auf engstem Raum miteinander auszukommen – Menschen unterschiedlicher Herkunft, verschiedenen Alters und Geschlechts”, sagt Wahab. “Ebenso Leute mit körperlichen und geistigen Krankheiten. Die wenigsten dieser Menschen haben eine Aufgabe in Deutschland, weshalb es oft zu Konflikten kommt.”
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Tatjana Leinweber, Frauenhauskoordinierung e.V. (Organisatorin)
Foto: Integrationsbeauftragte/Franquesa

Gewalt gegen Frauen, Kinder und Menschen, die in Deutschland unter LSBTI zusammengefasst werden, müsse als kulturübergreifendes Problem verstanden werden, das leider auch in Deutschland immer alltäglicher werde, sagt Veranstalterin Tatjana Leinweber von der Frauenhauskoordination e.V.. Um sich dieser Herausforderung zu stellen, sind von der Integrationsbeauftragten gesonderte Mittel zur Verfügung gestellt worden.

Das bundesweite Förderpaket unterstützt mehr als 100 Organisationen, die sich durch gezielte Unterstützungs- und Empowermentangebote für die Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt einsetzen. Auch wichtige Stellen konnten durch die Förderung geschaffen werden, wie beispielsweise die von Leinweber.
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Mariam Puvogel, BORA e.V. (Teilnehmerin)
Foto: Integrationsbeauftragte/Franquesa

Hilfe zur Selbsthilfe

Das zentrale Thema der Veranstaltung war das Empowerment von Frauen und LSBTI*, womit Maßnahmen gemeint sind, die die Selbsthilfepotentiale stärken und ein selbstbestimmtes Leben fördern. Dabei ist der Zugang zum Spracherwerb genauso wichtig wie mehrsprachige Angebote, die Teilhabe vom ersten Tag der Ankunft ermöglichen, erklärt Mariam Puvogel vom Verein BORA. Zudem sei die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung des Zusammenlebens für sie wichtig. “Ich lehne es ab, generalisierende Aussagen über Personengruppen in einer Unterkunft zu machen und dann zu entscheiden, was für sie richtig ist”, sagt sie. “Wenn man stattdessen gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Lösungen erarbeitet, werden sie selbst stärker sowie auch wir als Organisation.”

Die durch die Bundesintegrationsbeauftragte geförderte Veranstaltung fand am 23.September 2016 in den Räumen der Diakonie Deutschland in Berlin statt. Sie wurde von der Frauenhauskoordination e.V. gemeinsam mit den sechs Spitzenverbänden der Wohlfahrtspflege organisiert.

*Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle
Freitag, 7. Oktober 2016

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