Ruhr 4.0: Das Ruhrgebiet – eine Herzensangelegenheit

By   /  October 8, 2016  /  Comments Off on Ruhr 4.0: Das Ruhrgebiet – eine Herzensangelegenheit

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MIL OSI – Source: Konrad Adenauer Stiftung –

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Was der Strukturwandel ganz individuell für ein Unternehmen bedeuten kann, berichtete Dr. Pieper dem Publikum sehr anschaulich anhand der Geschichte der AHAG Group. Dies zeigte gleichzeitig, wie wichtig Initiative und Unternehmergeist in Verbindung mit verantwortungsvollen Entscheidungen für die Entwicklung eines Unternehmens gerade in solchen Zeiten sind.

Denn auch wenn der Blick sich momentan hauptsächlich auf die Herausforderungen und Probleme richtet, denen sich die Region gegenübersieht, gibt es doch auch viele positive Aspekte. Betrachtet man beispielsweise den Veranstaltungsort Bochum, so belegt dieser im Städteranking 2015 der IW-Consult Platz 6 von 69 wenn es um die Anzahl der MINT-Absolventen geht und Platz 16 bei den angemeldeten Patenten – eigentlich gute Voraussetzungen für eine positive Entwicklung. Allerdings fehle es dem Ruhrgebiet derzeit an einer Idee für die Zukunft, die von der breiten Masse der 5 Millionen Menschen dieser Region im Herzen Europas getragen wird. Steffen Kanitz MdB betonte hier ausdrücklich, dass diese Idee keine Kopfgeburt der Politik sein dürfe – die Metropole Ruhr müsse eine Herzensangelegenheit aller ihrer Einwohner werden.

Wahre Schönheit kommt von innen

Nachdem Prof. Schmidt unter der Überschrift „Die Wahrheit is auf’m Platz“ einen Blick auf die wirt-schaftliche Situation Nordrhein-Westfalens geworfen hatte (Nullwachstum im Jahr 2015, Bedeu-tungsverlust des Verarbeitenden Gewerbes, schwache Investitionstätigkeit sowohl öffentlich wie auch privatwirtschaftlich etc.) ging es um die Gegebenheiten und Möglichkeiten des Ruhrgebietes. Hier stellte sich die Frage „Jeder für sich oder doch mehr für alle?“. Es müsse ein Weg zwischen Ruhrstadt und Kirchturm-Denken eingeschlagen werden. Eine Form der Kooperation nach dem „bottom-up-Prinzip“, zeitlich begrenzt, mit festem Umfang und klaren Zielen identifizierte Prof. Schmidt hier als beste Variante. Die unabdingbare Aufgabe der Politik sei es dabei klare und effektive Anreize zu setzen. Frei nach dem Motto „Wahre Schönheit kommt von innen“, müssen die Akteure in der Region aktiv die Zukunft des Ruhrgebiete¬s gestalten. Es gehe darum wirtschaftlichen Erfolg aktiv anzustreben und nicht nur zu tolerieren – Aufbruchstimmung statt ewige Suche nach dem Bail-Out!

Baustellen sind etwas Tolles

Mit der Aussage, er freue sich über jede Baustelle, sorgte Ulrich Grillo definitiv für Unruhe im Publi-kum. Diese folgte auf die Analyse der Stärken der nordrhein-westfälischen Wirtschaft. Viele der ansässigen Unternehmen (und dies sind vor allem Mittelständler) seien im nationalen und internationalen Vergleich in der Spitzengruppe vertreten. Es gäbe also keinen Grund den Kopf in den Sand zu stecken: „Das knirscht dann auch so beim Kauen“, so Grillo. Stattdessen müssen die notwendigen Voraussetzungen für den Erhalt und die Weiterentwicklung geschaffen werden und ganz oben steht hierbei die Infrastruktur. Und jede Baustelle sei ein Zeichen, dass sich etwas bewegt.

Was das Ruhrgebiet von Europa lernen kann

Bundestagspräsident Prof. Dr. Nobert Lammert MdB sagte über seine Heimatregion, dass sie wie keine andere den Strukturwandel als Zumutung empfinde und von der Politik erwarte, diesen abzuwenden. Aber welche Rolle kann (und muss) die Politik hier spielen? Es gibt verschiedene systemrelevante Faktoren – zwei, auf die die Politik direkten Einfluss hat, sind hier die Infrastruktur und die Administration. Und letztere sei im Augenblick nicht hinreichend effektiv und in ihrem derzeitigen Zuschnitt auch nicht zukunftsfähig. Um seine Vision für die Zukunft zu erläutern nahm der Bundestagspräsident Bezug auf Europa und brachte gleichzeitig seine Überzeugung von der Europäischen Union zum Ausdruck – ein Projekt, das unglaublich mutig, innovativ und in unserer Geschichte einmalig sei. Denn indem sich die Nationalstaaten – trotz all‘ ihrer Unterschiede – entschieden haben, in gewissen Bereichen auf ihre Souveränität zu verzichten und diese auf die EU zu übertragen, sei es ihnen möglich gewesen gemeinsam das Meiste für den Einzelnen zu erreichen. Übertragen auf die zukunftsfähige Gestaltung des Ruhrgebietes bedeute dies unter anderem die Schaffung eines Regionalverbandes und seine Ausstattung mit entsprechenden Kompetenzen.

Olympische Sommerspiele im Ruhrgebiet?

Die Teilnehmenden beschäftigten in den zahlreichen Redebeiträgen und Fragen aus dem Publikum vor allem drei Aspekte: die Bedeutung von Bildung, das Fehlen von Unternehmergeist in den jüngeren Generationen und die Frage, wie man mehr gemeinsame Identität im Ruhrgebiet schaffen könnte. Positiven Einfluss auf den letzten Punkt hatte vor einigen Jahren das Projekt Europäische Kulturhauptstadt gehabt (RUHR.2010) – auch die Idee Olympischer Sommerspiele im Ruhrgebiet fand Zuspruch bei den Anwesenden. Dieses Projekt, so eine Einschätzung, würde nicht nur Identität stiften sondern auch wirtschaftliche Entwicklung mit sich bringen. Skeptisch wandte Norbert Lammert hierzu ein, dass sich die Städte im Ruhrgebiet erfahrungsgemäß wohl eher darauf einigen würden, dass keiner von ihnen seinen Hut in den Ring wirft, als dass man sich auf einen gemeinsamen Kandidaten verständigen könnte. Wer wollte, konnte an dieser Stelle eine gewisse Herausforderung heraushören.

Das Gebot der Stunde

Trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten, die an diesem Abend angesprochen wurden, konnte Philipp Lerch, Leiter der KommunalAkademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, zum Ausklang feststellen, dass das Gebot der Stunde, wie das eines jeden Bergsteigers, Optimismus und Aufbruch lautete. Immerhin sei der Strukturwandel seit jeher Normalzustand im Ruhrgebiet und so komme es darauf an, diesen immer wieder neu zu gestalten und auf die Zukunft auszurichten. Das Angebot und Versprechen der Konrad-Adenauer-Stiftung laute, der Region auch in Zukunft ein dauerhaftes Forum mit adäquaten Denk- und Debattenorten zu bieten.

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