Bergefahrzeug Bison: Power, die Erfahrung braucht

By   /  October 18, 2016  /  Comments Off on Bergefahrzeug Bison: Power, die Erfahrung braucht

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MIL OSI – Source: Bundesministerium Der Verteidigung –

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Zwei paar Bundeswehrstiefel sind noch zu sehen, dazu ein wenig Flecktarnuniform, mehr aber auch nicht. Der Rest der zwei auf dem Boden liegenden Soldaten verschwindet unter einem liegengebliebenen, geländegängigen Bundeswehr-Krankenwagen. Das Fahrzeug steht mitten auf dem Truppenübungsplatz Altmark im Gefechtsübungszentrum (GÜZ) des Heeres und muss abgeschleppt werden. An manchen Tagen vielleicht ein Problem – heute nicht, denn das Logistikbataillon 461 aus Walldürn in Baden-Württemberg übt für die kommenden Einsätze und hat einen „Bison“ ganz real im Gepäck.

Eigentlich sind Stabsunteroffizier Andy Herrmann (30) und Stabsgefreiter Maximilian Huhn (22) gerade auf dem Weg zu einer Lehrausbildung zum Thema „Sprengfallen und Verhalten in Gefahrenlagen“, als sie die Meldung zum liegengebliebenen Sanitätsfahrzeug des Gefechtsübungszentrums bekommen. Die beiden Soldaten gehören zum Logistikbataillon 461 aus dem süddeutschen Walldürn. Im GÜZ üben sie mit über 500 Soldaten eine Woche lang für die geplanten Einsätze in Mali, bei Resolute Support in Afghanistan, bei KFOR auf dem Balkan und für die „Stand by“ – Einsätze im Rahmen von NATO und EU. Für den Nachmittag stand eine Theorieausbildung im „Feld-Hörsaal“ auf dem Programm. Erst am nächsten Tag steht das Handlungstraining mit dem Duellsimulator AGDUS auf dem Dienstplan – Angriff aus dem Hinterhalt. Jetzt aber ist die Fachexpertise der beiden Soldaten gefragt. Die von langer Hand geplante Übung wird kurzfristig zum Ernstfall. Der Sanitäts-LKW springt nicht mehr an, muss so schnell wie möglich abgeschleppt werden. Zügig und eingespielt steigen die Zwei von ihrem Fahrzeug, dem Bison, sichten die Lage und fangen an, den LKW mit Gurten an der Vorderachse zu verschnüren. Herrmann und Huhn kennen sich schon länger. Sie sind ein eingespieltes Team. Es wird kaum geredet, sondern Hand angelegt. Ein orangener Gurt hier, ein anderer da, verbunden mit der Abschleppvorrichtung des Bison. Die Jungs arbeiten schnell, aber sicher – jeder Handgriff sitzt. nach obenEin Kraftpaket, für das Erfahrung benötigt wirdSechs Wochen dauert die Ausbildung für das Fahrzeug, das in der Vorschrift als schweres, geschütztes Berge- und Abschleppfahrzeug Bison genannt wird. Vier Achsen, 10,60 Meter lang und 35 Tonnen schwer. Ein echtes Kraftpaket, das bis zu 35 Tonnen abschleppen kann. Wer aber Bison-Bediener und Kraftfahrer werden will, muss vorher in die Vorausbildung für das Transportfahrzeug LKW Multi, den Bergepanzer oder für den Kranbedienerschein. Grundlage für die Beschaffung des Bison waren Erkenntnisse aus dem Afghanistan-Einsatz. Er dient zum Bergen und Abschleppen von im Einsatz liegengebliebenen, schweren, geschützten Radfahrzeugen wie zum Beispiel dem Transportpanzer Fuchs oder dem Gepanzerten Transportkraftfahrzeug (GTK) Boxer. Zum Umladen von Material eines zu bergenden Havaristen ist das Fahrzeug zusätzlich mit einem Hilfskran ausgestattet.nach obenErst Fachwissen weitergeben – dann AuslandseinsatzStabsunteroffizier Herrmann, seit 2007 bei der Bundeswehr, hat alle drei Scheine. Dazu ist er Systemtechniker für den Panzer Leopard 1 und 2 sowie der Truppführer der zwei Mann starken Besatzung. Stabsgefreiter Huhn, der seit 2013 in der Bundeswehr als Zeitsoldat (SaZ) dient, hat zwar auf dem Bison dasselbe Fachwissen wie Herrmann, aber nicht die Erfahrung, “Von meinem Truppführer lerne ich das eigentliche Fachwissen, das man sich nur im aktiven Einsatz mit dem Fahrzeug aneignen kann.” Herrmann war bereits dreimal im Einsatz, am Ende des Jahres endet seine Dienstzeit. Bevor viele Kameraden in den Einsatz gehen, heißt es also, Fachwissen weitergeben. Im Ernstfall ist dies entscheidend.nach obenDieser Bison frisst kein GrasIm Fall der Fälle kann jeder der Beiden das Fahrzeug bedienen, fahren und notfalls alleine andere Fahrzeuge bergen. Was treibt einen dazu, Logistiker zu werden? “Ich bin seit 2013 dabei. Am Anfang war ich in einer anderen Funktion”, erklärt Huhn, während er über eine übergroße Fernbedienung den LKW mit dem Hubarm des Bison zurück auf die Erde zurück lässt. “Dann hab ich das Logistikbataillon kennengelernt und ich dachte, ‘Das ist mein Ding!’” Die Arbeit ist körperlich anstrengend, aber das macht ihm nichts. “Es ist irgendwie ein Ausgleich. Außerdem macht man immer etwas anderes — Abwechslung pur! Ich möchte nichts anderes machen bei der Bundeswehr. Wer kann schon sagen, er hat einen Bison als fahrbaren Untersatz?”nach obenMit dem Bison und gelerntem Handwerk nach AfghanistanIm Februar 2017 wird Huhn zum ersten Mal in den Einsatz für die Bundeswehr nach Afghanistan gehen. Als Bison-Kraftfahrer und Bediener. Seinen neuen Partner kennt er schon. Er kommt ebenfalls aus dem Logistikbataillon 461. Vier Monate wird der Einsatz wohl mindestens dauern. Die Möglichkeit, dass er das Lager verlässt, um liegengebliebene Fahrzeuge zu bergen, ist gegeben. Wie ist das Gefühl dabei? Huhn überlegt kurz, “Gut, ich kann ja mein Handwerk.” Dann verlegen beide schnell zum Unterricht, wo sie längst überfällig sind. Sie haben gute Gründe. nach oben

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