Marktstimmung: “Zuviel Zuversicht kann schaden”

By   /  October 20, 2016  /  Comments Off on Marktstimmung: “Zuviel Zuversicht kann schaden”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Marktstimmung: "Zuviel Zuversicht kann schaden"

Zusammenfassung

Obwohl sich der DAX immer noch in der von Goldberg seit Wochen als ziemlich klein bezeichneten Handelsspanne bewegt, steigt der Optimismus der hiesigen Anleger weiter an. 5 Prozent der professionellen und 8 Prozent der privaten Investoren haben seit vergangenen Mittwoch Aktien gekauft, obwohl der DAX auf Wochensicht gerade mal 10 Punkte Boden gut gemacht hat. 5, bzw. 4 Prozent sind aus ihren Short-Engagements herausgegangen. Das hebt den Sentiment-Index für Profis um 10 auf +29 Punkte und den für Private mit +43 Punkte sogar auf ein Jahreshoch.
Der verhaltensorientierte Analyst hält diesen Optimismus für hausgemacht, es gebe keine Anzeichen, dass die Nachfrage internationaler Investoren, die stärkeres Gewicht hat, anziehen könnte. Goldberg erwartet deswegen ab einem erhöhtem Kursniveau bei ca. 10.800 Punkten Gewinnmitnahmen. Auch an der Unterseite hätte sich das Nachfragepotential verringert, was deutsche Aktien ab 10.200 Punkten verwundbarer gemacht habe. Sein Fazit: Ohne frisches Kapital von draußen geht es weiter seitwärts.19. Oktober 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Erwartungsgemäß hat sich der DAX, abgesehen von einem kleineren Rücksetzer, seit unserer vergangenen Stimmungserhebung weiterhin seitwärts entwickelt und konnte sich im Wochenvergleich nur geringfügig um gerade einmal 0,1 Prozent festigen.
Diese relative Ruhe spiegelt sich jedoch nicht in den Erwartungen der Marktteilnehmer wider. Betrachtet man alleine, wie sich die Stimmung unserer mittelfristig orientierten institutionellen Investoren entwickelt hat, ist zu konstatieren, dass mittlerweile nicht einmal ein Fünftel der Befragten von einem weitgehend unveränderten Kursverlauf in der nahen Zukunft ausgeht. Andererseits hat sich die Stimmung der professionellen Anleger, wie sie im Börse Frankfurt Sentiment-Index spiegelt, trotz der niedrigen Volatilität im Kursverlauf weiter verbessert und konnte mit einem Zuwachs von 10 Punkten nunmehr einen Stand von +29 Punkten markieren. Das ist der höchste Wert der vergangenen vier Monate.
Offensichtlich haben vormals pessimistisch eingestellte Akteure den erwähnten Rücksetzer des DAX auf rund 10.350 Zähler zu Rückkäufen und zu einer 180-Grad-Wende ihrer Positionierung genutzt. Aus Bären wurden Bullen.
Dieser im internationalen Vergleich doch recht hohe Optimismus ist bemerkenswert. Denn wie die gestrige Fondsmanagerumfrage von BofA Merrill Lynch ergab, scheint die Angst vor einem zum Befragungszeitpunkt noch wahrscheinlich aussehenden radikalen Austritt Großbritanniens aus der EU, einem sogenannten “hard Brexit”, zwar Investoren in den USA und hierzulande kalt zu lassen. Und das, obwohl das britische Pfund während jener Zeit in einen geradezu dramatischen Abwärtstrend hineinrutschte, der bislang bestenfalls temporär aufgehalten werden konnte. Der Umfrage zufolge befürchten die internationalen Investoren vielmehr, dass es zu einem Crash am Anleihemarkt kommen könnte. Zumindest erwarten netto 76 Prozent der Befragten eine steilere Renditekurve bei US-Anleihen. Die Mehrheit der Fondsmanager geht sogar davon aus, dass die Anleiherenditen in den kommenden sechs Monaten zum wichtigsten Einflussfaktor für die Aktienmärkte werden dürften. Eine Befürchtung, die sich in unseren Sentiment-Umfragen der vergangenen Wochen nicht niederschlägt.
Privatanleger hoffen vermehrt auf goldenen OktobeAber auch der Optimismus der Privatanleger konnte noch einmal zulegen. Gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index bedeutet dies einen Zuwachs um 12 Punkte auf einen Stand von +43 Punkte, was ein neues Jahreshoch bedeutet. Auch bei dieser Anlegergruppe fällt auf, dass sich die Anzahl an neutral gestimmten Akteuren mit einem Anteil von 15 Prozent aller Befragten trotz der anhaltenden Seitwärtsbewegung des DAX eher im unteren Bereich befindet.
Umfrage bei Twitter und Facebook

Höher: 54% (+1)Tiefer: 31% (-14)Neutral: 2% (+0)

Der wachsende Optimismus der von uns befragten Akteure gibt uns zu denken. Zumal die BofA Merrill Lynch-Umfrage kein Indiz dafür liefert, dass Aktien der Eurozone – diese sind im Vergleich zum Vormonat unverändert leicht übergewichtet – von internationalen Kapitalzuflüssen profitiert hätten. Damit ist der Optimismus unserer Investoren eher hausgemacht, verhindert jedoch, dass der DAX aus der jetzigen Position heraus Flügel verliehen bekommt. Vielmehr würden auf erhöhtem Kursniveau (bei ca. 10.800 Punkten) Gewinnmitnahmen einer stärkeren Bewegung zumindest temporär Sand ins Getriebe streuen. Gleichzeitig hat sich die Nachfragesituation an der Unterseite durch die jüngsten Aktienkäufe verschlechtert, womit der DAX gegen Rückschläge (gegebenenfalls nun auch unter 10.200 Zähler) verwundbarer geworden ist. Mit anderen Worten: Ohne frisches (internationales) langfristiges Kapital geht es für den DAX bestenfalls in die Richtung, die die wenigsten erwarten: seitwärts
Börse Frankfurt Sentiment-Index
Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutralTotal55%26%19%ggü. letzter Erhebung+5%-5%+0%DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.600 (+10 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +29 Punkte (Stand Vorwoche: +19 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum
Private Anleger

BullishBearishNeutralTotal64%21%15%ggü. letzter Erhebung+8%-4%-4% DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.600 (+10 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +43 Punkte (Stand Vorwoche: +31 Punkte)

von: Joachim Goldberg
19. Oktober 2016, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

Über den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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