Retten und Befreien: 20 Jahre Kommando Spezialkräfte

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MIL OSI – Source: Bundesministerium Der Verteidigung –

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Calw/Baden-Württemberg, 19.10.2016.Am Anfang der Geschichte des Kommandos Spezialkräfte (KSK) steht ein Ereignis, das leicht zu einem Trauma hätte werden können: Afrika, 1994. Aus dem Konflikt zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi in Ruanda wird ein blutiger Bürgerkrieg. Acht Mitarbeitern der Deutschen Welle und ihren drei Familienangehörigen wird das nahe der Hauptstadt Kigali zum Verhängnis. Einzige Option: die Evakuierung. Und die Bundesregierung? Sie prüft – und zögert.

Es gab Bedenken – sowohl zum möglichen Einsatz der GSG 9 als auch zur Entsendung der seinerzeit recht neuen Kompanien B1 (Kommando) der drei Fallschirmjägerbrigaden. Noch während die Regierung überlegte, erreichten in Kigali eingesetzte belgische Para-Commandos die Station der Deutschen Welle und evakuierten die Eingeschlossenen zum umkämpften Flughafen.Geburtsstunde des KommandosDie Gründe für das Zögern waren vielschichtig. Es gab starke rechtliche Bedenken, aber wohl auch teilweise mangelndes Vertrauen in die Fähigkeiten der Kräfte der Bundeswehr. Das führte zu zwei richtungsweisenden Ereignissen: Zum einen zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das fortan humanitäre und militärische Einsätze der Bundeswehr außerhalb des Bündnisgebiets unter streng definierten Bedingungen zuließ. Zum anderen zur Äußerung des damaligen Verteidigungsministers Volker Rühe: „Die Fähigkeit, im Notfall eigene Staatsbürger im Ausland aus Gefahr für Leib und Leben retten zu können, gehört zur grundlegenden Verantwortung eines jeden Staates.“ Ersteres machte die Bundeswehr von einer Verteidigungs- zu einer Einsatzarmee. Letzteres war der Startschuss für die Aufstellung des KSK am 20. September 1996 in Calw.Die Anfangsjahre: Unterstützung und ImprovisationDen personellen Grundstock des Kommandos bildeten die B1-Kompanien und die Fernspähkompanien. Für diese ersten Generationen standen Improvisation und Learning by Doing an oberster Stelle. Die Fähigkeiten, sich unbekanntes Terrain zu erschließen und Ziele zu definieren sowie die Bereitschaft, auch die scheinbar unmöglichsten Wege zu gehen, kennzeichnen letztlich jeden Kommandosoldaten. Die Geburt aus dem Nichts ist deshalb vielleicht die selbstverständlichste für einen Verband, der mit außergewöhnlich fähigen Soldaten außergewöhnlich schwierige Aufgaben zu erfüllen hat.Die GSG 9, der britische SAS, die US 10th Special Forces Group und weitere befreundete Spezialeinheiten halfen dem frisch geschlüpften KSK bei den ersten Schritten: Sie öffneten eigene Lehrgänge und Ausbildungen für die angehenden deutschen Kommandosoldaten, zeigten ihnen am eigenen Leib, welche Fähigkeiten für diese Arbeit zu entwickeln und zu trainieren sind. Und die ersten KSK-Männer sogen das Wissen begierig auf, übernahmen, was gut passte, transformierten, wo sie eigene Wege gehen wollten.Diese Anfangsjahre müssen den speziellen Geist des Verbands tief geprägt haben. Das Bewusstsein, dass ein „Das geht nicht“ nicht Ende, sondern Anfang eines Vorhabens ist, kommt aus dieser Zeit. Schon am 1. April 1997 – also nicht einmal ein Jahr nach seiner Aufstellung – meldet das KSK für den ersten Zug „Retten und Befreien“ mit 20 Mann volle Einsatzbereitschaft zur Rettung deutscher Staatsbürger im Ausland. Reifeprüfung im ehemaligen JugoslawienEs folgten die ersten Einsätze auf dem Balkan. Zugriffe gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher. Gleich die erste Aktion wurde ein voller Erfolg und zeitigte das bis heute im KSK legendäre Zitat eines US-Special-Forces-Kommandeurs: „Welcome to the club.“ Bei einem anderen Einsatz zeigten sich jedoch auch die Risiken dieses speziellen Berufs. Eine Zielperson zündete während des Zugriffs eine Handgranate. Mehrere Soldaten des KSK wurden verwundet, einige zum Teil schwer. Der 11. September 2001 hatte enorme Auswirkungen auf das KSK. Im Zuge der „uneingeschränkten Solidarität“, die Bundeskanzler Gerhard Schröder den USA damals zusagte, gingen bis zu einhundert Mann des Kommandos in ihren ersten Kampfeinsatz unter Mandat OEF (Operation Enduring Freedom). Gemeinsam mit anderen Spezialeinheiten kämpften sie im und um das Höhlensystem Tora-Bora, unterstützten die Jagd auf Osama Bin Laden, waren an vorderster Front beim Sturz des Taliban-Regimes.Bis 2005 nahmen Soldaten aus Calw immer wieder Aufgaben im Rahmen von OEF wahr. Danach stellten sie stets Kräfte für die Missionen ISAF (International Security Assistance Force Afghanistan) und Resolut Support, bei denen sie im Schwerpunkt afghanische Spezialkräfte ausbildeten und in Operationen begleiteten. In Afghanistan zeigten sich wieder die Forderungen und Gefahren für Spezialkräfte. Eine Reihe von KSK-Soldaten bekamen das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit, aber im Mai 2013 fiel mit Hauptfeldwebel Daniel W. im Raum Baghlan auch der erste Soldat der Einheit im Gefecht. Die Gegenwart: In der Weltspitze angekommenIm September 2016 feierte das KSK seinen 20. Geburtstag. Der Verband ist schon lange erwachsen und heute fraglos eine der besten militärischen Spezialeinheiten der Welt. Das Aufgabenspektrum ist immens, die Forderungen an die Soldaten enorm. Das Eignungsfeststellungsverfahren (EFV) in Calw gehört wohl immer noch zum „Äußersten, was man jungen Menschen in einer Demokratie zumuten darf“, wie ein früherer Kommandeur des Verbandes einmal sagte. Hinter Höllenwoche und zweijähriger Kommandoausbildung wartet auf die, die es geschafft haben, eine der forderndsten und – wenn man den einhelligen Aussagen von aktiven und ehemaligen Angehörigen folgt – auch erfüllendsten und spannendsten Verwendungen in der Bundeswehr. In diesem Sinne: Happy Birthday, KSK!1989/1990Aufstellung der ersten Kommandokompanien in den Luftlandebrigaden der Fallschirmjägertruppe und Einrichtung eines Kommandoführerlehrgangs an der Luftlande-/Lufttransportschule in Altenstadt. 1994Die Rettung und Evakuierung deutscher Staatsbürger durch belgische Fallschirmjäger aus dem Bürgerkriegsgebiet Ruanda gilt allgemein als Anlass für die Überlegungen zur Aufstellung des Kommandos Spezialkräfte. Mitte 1994 werden vom Führungsstab des Heeres konzeptionelle Grundlagen für deutsche Spezialkräfte erarbeitet.1994 bis 1996Erste Ausbildung von Soldaten in enger Zusammenarbeit mit amerikanischen und britischen Spezialkräften sowie mit der GSG 9 des Bundesgrenzschutzes (heute Bundespolizei). September 1996Am 20. September 1996 wird das KSK offiziell in Dienst gestellt und beginnt mit dem Ausbildungsbetrieb. April 1997Der erste Einsatzzug „Retten und Befreien“ meldet am 1. April 1997 mit 20 Mann volle Einsatzbereitschaft. September 1997Vom 1. bis 12. September 1997 läuft auf dem Truppenübungsplatz Baumholder die Heeresübung Schneller Adler, bei der das KSK erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wird. Im Rahmen einer Evakuierungsoperation erfüllt der erste Einsatzzug seinen Auftrag: Retten und Befreien. 26. September 1997Verleihung des neuen Barettabzeichens an das KSK: Kommandoschwert im Eichenlaub.ab 1998Das KSK beginnt mit der Durchführung von Aufträgen weltweit. Das Kommando hat dabei unter anderem Anteil an den Einsätzen der Bundeswehr im ehemaligen Jugoslawien. November 2001Der Einsatz des KSK zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus im Rahmen der Operation Enduring Freedom in Afghanistan wird im Bundestag beschlossen. 2005Ende der Teilnahme an der Operation Enduring Freedom.2005 bis heuteEinsatz des KSK im Rahmen des ISAF-Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan.

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