Korvette Braunschweig: Das „schwimmende Netzwerk”

By   /  October 21, 2016  /  Comments Off on Korvette Braunschweig: Das „schwimmende Netzwerk”

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MIL OSI – Source: Bundesministerium Der Verteidigung –

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In See, 20.10.2016.Die Korvette „Braunschweig“ gehört zu den modernsten Schiffen der Deutschen Marine. Mit hellblauer UN-Flagge patrouilliert sie derzeit im östlichen Mittelmeer. Ihre Soldaten sorgen im Rahmen des Einsatzes vor dem Libanon für Stabilität in der Region. Die Korvette ist mit neuester vernetzter Computer- und Radartechnologie ausgestattet. Als „schwimmendes Netzwerk“, erfüllt die Besatzung mit ihrer Korvette einen Teil des internationalen Auftrages – die Seeraumüberwachung. Aufgrund ihrer Technik kommt sie mit einer kleineren Besatzungsstärke aus. Es bedarf lediglich 60 Marinesoldaten auf dem schwimmen „Netzwerk“. Die Soldaten sind stolz auf ihr Boot und stellen die Besonderheiten ihrer „Braunschweig“ vor.

Viel Hightech auf der Brücke. Das große Steuerrad gibt es nur noch in Piratenfilmen (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)Größere Abbildung anzeigenWir befinden uns auf der Brücke der Korvette. „Die Brücke ist wie ein Cockpit. Von hier aus wird das Boot über die Weltmeere navigiert”, erklärt Oberleutnant zur See Markus J., der als Wachoffizier auf der Brücke steht. Er ist gleichzeitig der Navigationsoffizier. Eine große Fensterfront sowie eine übersichtliche halbrunde Brückenkonsole mit Monitoren, Hebeln und Knöpfen prägen das Bild der knapp 30 Quadratmeter großen Brücke. Auf den ersten Blick fällt auf, dass sie hochmodern aussieht und eher mit einem zivilen Schiff vergleichbar ist. „Neueste Technologie ist hier verbaut und erleichtert die Seefahrt erheblich‘“, führt Oberleutnant zur See Bettina L. weiter aus. Sie ist der Decksoffizier der Korvette. nach obenDrei Seewächter reichen aus für die Seefahrt Decksoffizier Oberleutnant zur See Markus J. und Navigationsoffizier Oberleutnant zur See Bettina L. auf der Brücke (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)Größere Abbildung anzeigenLediglich drei Mann reichen aus, um die „Braunschweig“ durch die Ozeane navigieren zu können. „Ein Wachoffizier navigiert das Boot im Auftrag des Kommandanten“, betont Oberleutnant zur See Markus J. Als weiteres Brückenpersonal steht ein Rudergänger zur Verfügung, der auf Befehl des Wachoffiziers das Schiff auf Kurs hält. Der Rudergänger darf das Steuerrad bedienen. Die dritte Person wird entweder als Ausguck oder Unterstützungspersonal in der Navigation eingesetzt. „Bei den älteren Schiffsklassen ist deutlich mehr Brückenpersonal erforderlich“, erklärt Oberleutnant zur See Bettina L.„Durch den rundlichen Aufbau der Brückenkonsole haben wir alles im Blick und in Reichweite, schildert der Navigationsoffizier. „Auf den verschiedenen Monitoren können wir uns Seekarten, Lagebilder oder auch schiffstechnische Informationen anzeigen lassen“, erklärt Oberleutnant zur See Bettina L. weiter.Aufgrund der modernen Brückentechnologie könnte die „Braunschweig“ per Autopilot völlig autark über die Weltmeere fahren. „Das wird aber nicht gemacht. Auch wenn die Korvette auf Autopilot fährt, ist der Rudergänger auf seinem Sitzplatz. Es könnte ja immer etwas passieren“, betont der Navigationsoffizier. nach obenDie Operationszentrale – das taktische GehirnGeschützt, tief im Schiffsinneren befindet sich die Operationszentrale (OpZ). Es ist kühl. Es ist nicht still, aber ruhig. Von dieser Schaltzentrale aus wird das sogenannte „äußere Gefecht“ geführt. Also der Kampf gegen äußere Bedrohungen außerhalb des Schiffes. Zum Beispiel gegen anfliegende Flugkörper. Riesige Bildschirme, Anzeigetafeln, unzählige Knöpfe, Schalter und Computerkonsolen mit Drehsesseln füllen den fensterlosen Raum. „Ein großer Vorteil ist, dass wir im Hellen arbeiten können. Bei den älteren Schiffsklassen arbeitet man in einem abgedunkelten Raum“, betont Hauptbootsmann Andreas K. Er ist der Radarmeister in der OpZ und kennt sich bestens aus.„Das Führungs- und Waffeneinsatzsystem – CDS (Combat Direction System) ist das Herzstück der Operationszentrale. Hier werden die Daten der Sensoren und Effektoren zu einem Lagebild zusammengeführt, das die Grundlage für den Waffeneinsatz ist. Mit dem Hochleistungsradar TRS 3D werden alle Flugzeuge und Schiffe im Umkreis von mehreren hundert Kilometern erfasst. Per Mausklick kann ich mir alle Informationen von Kontakten anzeigen lassen. Zusätzlich habe ich unterschiedliche Lagekarten und Daten im System integriert“, sagt der Portepeeunteroffizier begeistert. „Durch die Automation können wir auch hier mit viel weniger Personal auskommen. Im UNIFIL Einsatz befinden sich bis zu vier Operateure in der OpZ. Ein Wachleiter, zwei Unteroffiziere als Bediener und ein ‘Eloka‘, der für die elektronische Kampfführung verantwortlich ist“, sagt er. Elektronische Kampfführung beinhaltet militärische Maßnahmen, die elektromagnetische Strahlungen nutzen, um den Gegner zu beeinflussen (zum Beispiel Störung des Radarbildes). nach obenSchräge Bordwände – sie machen die „Braunschweig“ kleinerEinen weiteren Vorteil bietet die „Stealth-Technik“ der „Braunschweig“. Die Schiffswand ist angewinkelt und mit einer glatten Oberfläche versehen. Dadurch wird die Reflexion fremder Radarstrahlen minimiert. Der graue Stahlkoloss erscheint auf dem gegnerischen Radar somit lediglich als ein kleines Objekt. „Die Radarsignatur wird reduziert“, erklärt Hauptbootsmann Andreas K.nach obenSchiffstechnischer Leitstand – der „Arbeitsmuskel“„Wir sind jetzt im Schiffstechnischen Leitstand“ (STL). Das ist der ‘Arbeitsmuskel‘ der Korvette. Von hier aus wird die gesamte Schiffsbetriebstechnik gesteuert und überwacht“, erklärt der Schiffstechnische Offizier Oberleutnant zur See Philipp W. Seine Fachleute haben den Zustand der Anlagen rund um die Uhr im Auge. Dazu gehören Antrieb, Energie, Frischwasser und Abwasser. Auf den älteren Marineschiffen läuft die schiffstechnische Wache regelmäßig durch die Betriebsräume und prüft die Anlagen an Ort und Stelle. Hier übernimmt das „viele Laufen“ das Integrated Monitoring and Control System (IMCS). Es überwacht alle schiffstechnischen Anlagen. „Jeder Fehler wird auf den Monitoren angezeigt. Oft kann ich ihn mit einem Knopfdruck beheben. Dadurch können wir mit weniger Personal auskommen und müssen nur alle sechs Stunden eine „Ronde“ durchführen. So nennen wir an Bord den Kontrollgang“, sagt Kapitänleutnant Philipp W.Vier Elektro-Aggregate sorgen für den notwendigen Strom. Sie haben eine Leistung von jeweils 570 Kilowatt. Mit Hilfe von Frischwasseraufbereitungsanlagen werden bis zu 400 Liter Frischwasser pro Stunde erzeugt. Im Schnitt verbraucht die Besatzung der „Braunschweig“ bis zu sechs Kubikmeter Wasser pro Tag für die alltäglichen Dinge des Lebens. „Bei einer Besatzungsstärke von 60 Mann sind das pro Tag etwa 100 Liter pro Nase“, erläutert der Schiffstechnische Offizier. nach obenEntgegengesetzter AntriebEine Besonderheit der Korvetten der Klasse K130 ist, dass die Antriebswellen entgegengesetzt angetrieben werden. Die eine Schraube dreht nach rechts, die andere nach links. Beide Schiffsschrauben drehen somit nach innen. „Dadurch erhalten wir eine bessere Manövrierfähigkeit und Kursstabilität“, erklärt der Oberleutnant zur See. nach obenDie Nase macht eben den Unterschied Die wulstförmige Nase am Bug der “Braunschweig” sorgt neben der Stabilität auch für eine höhere Geschwindigkeit (Quelle: Bundeswehr/Markus J.)Größere Abbildung anzeigenFür weitere Fahrstabilität sorgt eine wulstförmige „Nase“ unterhalb der Wasserlinie am Bug der „Braunschweig“. So ist das Boot künstlich verlängert und das Wellenbild (Bugwelle) des Schiffs verbessert. Damit ist die Korvette noch ein Stück schneller.Zwei Antriebsmotoren sorgen dafür, dass die Korvette durch die Meere pflügen kann. Die zwei Diesel-Maschinen haben jeweils 10.000 PS und zehn Turbolader. Damit kann die „Braunschweig“ bis zu 26 Knoten (circa 50 Km/h) schnell fahren.So patrouilliert die Korvette „Braunschweig“ als eines der modernsten Schiffe der Deutschen Marine vor dem Libanon und kann sich zu Recht als schlagkräftiges Instrument und „schwimmendes Netzwerk“ bezeichnen. nach oben

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