Link 16 – das Wi-Fi für Flugzeuge

By   /  October 21, 2016  /  Comments Off on Link 16 – das Wi-Fi für Flugzeuge

    Print       Email

MIL OSI – Source: Bundesministerium Der Verteidigung –

Headline: Link 16 – das Wi-Fi für Flugzeuge

Uedem, 20.10.2016.Wi-Fi für Flugzeuge: Auf diese einfache Formel könnte man Link 16 runterbrechen. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Wir erklären was und wie komplex Link 16 ist.

Was zu Hause funktioniert, sollte ja auch in modernen Kampfflugzeugen, Fregatten oder Gefechtsständen funktionieren: Die Rede ist von Wi-Fi, einem drahtlosen Netzwerk. Wenn die Endgeräte keine Smartphones, Tablets oder Heimcomputer sind, sondern militärische Waffensysteme oder Einsatzgefechtsstände, dann sprechen wir in der NATO von Link 16. Doch was genau verbirgt sich dahinter?nach obenDatenaustauschMilitärischen Flugzeugen, Schiffen, Fahrzeugen und Bodenstationen ermöglicht Link 16 den Austausch komplexer und großer Datenmengen, die sonst zeitaufwändig, und mit dem Risiko von Fehlübermittlungen per Sprechfunk übermittelt werden müssten. Bodenstationen, Luftfahrzeuge, Schiffe und Gefechtsfahrzeuge an Land: Alle sind miteinander vernetzt und tauschen Daten aus. Link 16 ist ein Führungsmittel der Luftwaffe. (Quelle: Luftwaffe/Marco Parge)Größere Abbildung anzeigennach obenDrei Voraussetzungen: ‚TLC‘Drei Voraussetzungen müssen die Teilnehmer dafür mitbringen: Time – Location – Crypto (TLC). „Time“, das heißt, dass alle Teilnehmer im Netzwerk mit der gleichen Netzwerkzeit arbeiten müssen – beim Netzeinstieg mit einer maximalen Abweichung von bis zu 96 Sekunden. Das Link 16-fähige Funkgerät muss also auf die korrekte Zeit eingestellt sein. Hinter „Location“ verbirgt sich der Raum, innerhalb dessen sich die Teilnehmer eines Netzwerkes bewegen können. Die größte Reichweite, innerhalb der alle noch problemlos miteinander kommunizieren und Daten austauschen können, liegt bei rund 200 Nautischen Meilen, etwa 370 Kilometer. Die dritte Voraussetzung ist der korrekte Krypto-Schlüssel. Dieser ist im Prinzip vergleichbar mit dem WLAN-Passwort eines normalen Routers, so wie ihn die meisten zu hause haben. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, beginnt der Teilnehmer seine feste Kennung – die ‚PPLI‘ – zu senden. Diese Information, ausgeschrieben ‚Precise Position Location Information‘, enthält die geographische Position, Höhe und Geschwindigkeit. Primär wird die PPLI zur sicheren Identifizierung innerhalb des Netzwerkes genutzt. Sie kann aber auch der Positionsbestimmung dienen. nach obenAlle Daten auf dem BordrechnerAm Beispiel „Verstärktes Air Policing Baltikum“ (VAPB) – das im Moment durch deutsche Eurofighter von der estnischen Air Base Ämari aus durchgeführt wird – lässt sich der Sinn und vor allem der große Mehrwert von Link 16 für alle Beteiligten am besten aufzeigen. Aktuell sind deutsche Eurofighter beim Verstärkten Air Policing Baltikum und überwachen dort den NATO-Luftraum mit der QRA. (Quelle: Luftwaffe/Archiv)Größere Abbildung anzeigenDas für die Überwachung des Luftraumes verantwortliche Control and Reporting Center (CRC) identifiziert ein unbekanntes Flugzeug über der Ostsee. Es strahlt keine Kennung ab und fliegt nahe den Grenzen zu den baltischen Staaten. Die Alarmrotte – zwei Eurofighter in ständiger Bereitschaft – steigt auf. Nach dem „Take off“ sind beide Jets sofort mit dem Link 16-Netzwerk verbunden und haben auf ihren Bordrechnern die für die Auftragserfüllung relevanten Daten: Lagebild, Abfangvektoren, Anweisungen, die Positionen anderer Flugzeuge im Luftraum und vieles mehr. Beide Kampfjets können die Position des Flugzeugs sehen, obwohl sie es mit ihrem eigenen Radar noch nicht erfassen können. Das E-3A AWACS Flugzeug kann mittels des Radars auf dem Rumpf großräumig den Luftraum unter sich überwachen. (Quelle: Luftwaffe/Susanne Hähnel)Größere Abbildung anzeigenWenn das CRC nun – beispielsweise aufgrund eines Radarschattens – das Ziel nicht mehr verfolgen kann, könnte auch ein NATO E-3A-Aufklärer einspringen. Diese „fliegende Radarplattform“ kann hoch in der Luft steigen, das Ziel weiterhin erfassen und mittels Radar verfolgen. Sämtliche Daten können dann zeitgleich an das CRC als auch die Alarmrotte weitergeleitet werden: Die E-3A liefert über Link 16 die nötigen Informationen in das Netzwerk, um die beiden Abfangjäger direkt an das Ziel heranzuführen. Umgekehrt sieht der zuständige Offizier im Gefechtsstand oder in der E-3A jederzeit automatisch den Status der Alarmrotte – Position, Richtung, Geschwindigkeit, verbleibende Bewaffnung und Treibstoff. Mit Hilfe von Link 16 können die Soldaten im CRC viele Informationen der Flugzeuge auslesen, die nicht mehr über Sprechfunk abgefragt oder mitgeteilt werden müssen. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigennach obenVollständiges LagebildKomplexer ist dies natürlich bei großen Übungen und Einsätzen, wenn mehrere Dutzend Kampf- und Aufklärungsflugzeuge in der Luft sind, Schiffe der Marine und linkfähige Bodentruppen die Operation unterstützen. Die Gefechtsstände, die solch komplexe Operationen führen, haben trotzdem ständig alle nötigen Informationen für ein taktisch aussagekräftiges Lagebild verfügbar. Fehler, zum Beispiel durch undeutlich übermittelte Funksprüche, sind dadurch nahezu ausgeschlossen. Im nationalen Lage- und Führungszentrum Sicherheit im Luftraum arbeiten Bundesbehörden eng zusammen. Einen Teil ihrer Informationen erhalten sie über Link 16. (Quelle: Luftwaffe/Matthias Seegers)Größere Abbildung anzeigennach obenEindringen praktisch ausgeschlossenFür die Link 16-Koordination ist in Deutschland die „Tactical Data Link Management Cell“ (TDLMC) der Luftwaffe als Teil des Zentrum Luftoperationen verantwortlich. Sie achtet auf die Einhaltung der Regeln innerhalb des Netzwerkes und ist für dessen sicheren und störungsfreien Betrieb verantwortlich. Das Link 16-Netzwerk wird allgemein als äußerst sicher angesehen. Ohne die Kenntnis des korrekten Krypto-Schlüssels ist ein Eindringen in das Netzwerk, und damit ein Abgreifen sensibler Daten, praktisch unmöglich. Daten wie das Flugplatzwetter, Treibstoff- und Waffeninformationen können zwischen dem Flugzeug und den Bodenstationen ausgetauscht werden. Sogar Chat-Nachrichten sind möglich. (Quelle: Luftwaffe/Sebastian Wilke)Größere Abbildung anzeigennach oben

    Print       Email

You might also like...

Acht Medaillen am dritten Wettkampftag in Baku

Read More →