In 2.000 Metern Höhe – Rettung am Predigtstuhl

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MIL OSI – Source: Bundesministerium Der Verteidigung –

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Mittenwald, 24.10.2016.Geht nicht, gibt´s nicht! – Angehende Heeresbergführer lernen beim zweiten binationalen Heeresbergführerlehrgang in Mittenwald, wie man eine Rettung im Hochgebirge auch unter schwierigsten Umständen erfolgreich durchführt.

Der Weg zum Heeresbergführer: Insgesamt zwölf deutsche Soldaten stellen sich der Herausforderung. (Quelle: Bundeswehr/Thiel)Größere Abbildung anzeigenIhr Leben hängt an einem dünnen Seil. Nur elf Millimeter ist es dick. Oberfeldwebel Franz Wagner und Oberfeldwebel Christoph Gülich schweben zusammen mit einem Verletzten frei in der Luft unter einem Felsvorsprung in der oberbayerischen Seinsbachklamm. Auf dem Weg ins Gebirge war ein Patrouillenfahrzeug vom Weg abgekommen und in die Schlucht gestürzt. Die Soldaten hatten Hilfe angefordert, da sie das steile Gelände weder einsehen noch selbst hinunter gelangen konnten. Ein Team des zweiten binationalen Heeresbergführerlehrgangs eilte herbei und ließ die beiden Retter 170 Meter zum Verletzten ab. Zentimeter um Zentimeter werden sie nun mit einer Faserseilwinde von ihren Kameraden per Hand mühsam heraufgezogen. Mit dem Universellen Tragesystem 2000, dem Verletzten und einschließlich des Gewichtes des 200 Meter langen Seiles sind es rund 300 Kilogramm, die zunächst bis zur Geländekante geschafft werden müssen. Nach 30 Minuten ist der schwerste Teil bewältigt. Die letzten 20 Meter geht es dann die Böschung hinauf zur Straße. Dabei hilft ein Zugseil, das in einer Flaschenzugkonstruktion an einem Baum befestigt wurde. nach obenZweiwöchiger Lehrgang in MittenwaldOrganisierte Rettung: So lautet das Thema des zweiwöchigen Abschnitts, den der Lehrgang unter österreichischer Führung am Ausbildungsstützpunkt Gebirgs- und Winterkampf in Mittenwald absolviert. In der ersten Woche wurden die Grundsätze und Techniken vermittelt. Sofort nach einer Alarmierung soll eine Gruppe sehr schnell zur Einsatzstelle verlegen, um zeitnah die Verletzten zu erreichen und die sanitätsdienstliche Erstversorgung zu leisten. Sie erkundet den Weg und macht ihn gegebenenfalls durch den Bau von Sicherungsanlagen überhaupt erst gangbar. Per Funk werden die nachfolgenden Hauptkräfte über die Lage informiert und führen zusätzliches Material heran.In der zweiten Woche stellt das elfköpfige binationale Ausbildungsteam des Lehrgangskommandanten Major Philipp Egele nun in schneller Folge immer wieder neue Lagen. „Geht nicht, gibt´s nicht!” So lautet seine Devise. Die 24 angehenden Heeresbergführer werten den Auftrag aus, fassen ihren Entschluss, planen und führen die Rettung selbständig durch. Die Ausbilder greifen nur ein, sollten Sicherheitsbestimmungen verletzt werden. Nicht einfach: Die Rettung von Verletzten im Hochgebirge wird oftmals unter schwierigsten Umständen durchgeführt. (Quelle: Bundeswehr/Thiel)Größere Abbildung anzeigennach obenRettung am BergAm späten Nachmittag geht es in die Arzbergklamm oberhalb von Mittenwald. Die enge Schlucht hat eine Höhe von 350 Metern und ist rund eineinhalb Kilometer lang. „Rettung von oben nach unten” lautet die anspruchsvolle Aufgabe. Und das Ganze auch noch bei Dunkelheit. Eine Gruppe soll den verletzten Soldaten suchen und finden. Nach einer Erstversorgung beginnt sie mit dem Abtransport nach unten. Die zweite Gruppe geht von unten in die Schlucht, macht das Gelände gangbar und bereitet den schnellen Abtransport vor. Dazu müssen verschiedene Transportbahnen, Schleuseile und Seilsicherungsanlagen gebaut werden. Erst weit nach Mitternacht ist die komplexe Aufgabe erfüllt.Nur vier Stunden Schlaf, dann die nächste Alarmierung. Eine Sicherungsgruppe meldet, dass am Predigtstuhl oberhalb von Mittenwald zwei Soldaten durch einen Steinschlag verletzt wurden. Sie sind abgestürzt und im schwierigen Gelände für die Gruppe nicht erreichbar. Der Lehrgang bildet zwei Rettungsteams mit jeweils drei Gruppen. Führer sind Oberleutnant Peter Lamprecht vom Jägerbataillon 26 aus Spittal an der Drau und Oberfeldwebel Julian Conrad vom Hochgebirgszug des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall.Sorgfältig wird das Material für die Steilwandbergung zusammengestellt, von verschiedenen Statikseilen, die bis zu 30 Kilonewton (drei Tonnen) tragen können, bis hin zu professionellen Bohrhammern mit 18 Volt-Akkus zum Bau der Sicherungsanlagen im Fels. Im Eilmarsch erreichen die Vorkommandos nach einer Stunde die 1.667 Meter hoch gelegene Dammkarhütte. Lamprecht und Conrad lassen die Sicherungsausrüstung anlegen und steigen mit jeweils vier Soldaten weiter durch ein Geröllfeld auf. Eine halbe Stunde später stehen sie auf dem Gipfel des 1.920 Meter hohen Predigtstuhl und weisen per Funk die nachfolgenden Hauptkräfte ein.nach obenDie Bergung des VerletzenZwei Stunden nach Alarmierung beginnt die Bergung. Zunächst werden wieder zwei Retter mit dem UT 2000 herabgelassen. Über Funk halten sie engen Kontakt und sprechen das Tempo des Ablassens ab. Das muss außerhalb der Falllinie geschehen, um den Verletzten nicht durch Steinschlag zusätzlich zu gefährden. Auf einem Felsgrat in Mitte der 300 Meter hohen Wand finden sie die beiden „Verletzten“ und bergen einen nach oben zum Gipfel. Danach wird eine zweite Variante angewandt: Ein einzelner Retter wird herabgelassen. Zunächst schnallt er den zweiten Verletzten auf seinen Rücken und lässt sich dann rund 50 Meter hinunter. Dann wechselt der Verletzte in eine sitzende Position, der Retter schwebt frei neben ihm. So geht es dann die letzten hundert Meter hinunter.nach obenEinzigartig: Der Weg zum HeeresbergführerDer Sommerteil des unter österreichischer Führung stattfindenden zweiten binationalen Heeresbergführerlehrganges begann im Juni mit acht Wochen Basis und Felsausbildung, gefolgt von vier Wochen im vergletscherten Hochgebirge des Großglockner und im französischen Chamonix.Sieben Wochen dauerte die Ausbildung im Bau von Sicherungsanlagen, der organisierten Bergrettung und der einsatzorientierten Gebirgskampfausbildung. Ein besonderer Höhepunkt: Die Luftretterausbildung mit Hubschraubern. Der Winterteil beginnt im Januar und endet Ostern. Im April soll die offizielle Ernennung zum Heeresbergführer erfolgen.Von den gestarteten 30 Teilnehmern sind jetzt noch 22 dabei. Hinzu kommen zwei Wiederholer. Neben acht Soldaten aus Österreich, zwei aus Schweden und zwei aus Großbritannien stellen sich zwölf Soldaten der Bundeswehr der einzigartigen Herausforderung.nach oben

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