Börse Frankfurt Magazin: “Candlesticks – Kursprognose bei Kerzenschein”

By   /  October 27, 2016  /  Comments Off on Börse Frankfurt Magazin: “Candlesticks – Kursprognose bei Kerzenschein”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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7. November 2016. MÜNCHEN (menthamedia). Einen “hängenden Mann” sieht niemand gern. Zeigt er sich jedoch zur richtigen Zeit im Chart, warnt er vor Verlusten, weshalb Charttechniker auf seine Aussagekraft schwören. Für die allermeisten Anleger sind Candlestick-Charts (Kerzencharts) mit ihren oftmals grotesk klingenden Formationsnamen ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei gilt die Candlestick-Analyse als eine der ältesten Charttechniken überhaupt, deren Wurzeln bis zu den japanischen Reismärkten des 16. Jahrhunderts zurückreichen. Wie im heutigen Futures-Handel war es damals bereits üblich, den Reis noch vor seiner Ernte zu verkaufen, was bei der Frage der Preisgestaltung zu Problemen führte. Um zukünftige Preise besser abschätzen zu können, setzten die Händler vor allem auf die Stimmung des Marktes und zeichneten die tägliche Preisentwicklung penibel genau nach. Auch heute spielen Marktverfassung und Stimmung an der Börse eine große Rolle – Börsenguru André Kostolany meinte einst, die Börse würde zu 90 Prozent aus Psychologie bestehen.
Aus den Candlestick-Charts lassen sich Rückschlüsse auf die Stimmung des Marktes ziehen, bieten sie gegenüber anderen Chartdarstellungsformen doch viel mehr Informationen. Einfache Liniencharts beispielsweise werden ausschließlich aus den jeweiligen Schlusskursen eines Wertpapieres gebildet, während die Entwicklung über den Handelstag hinweg unberücksichtigt bleibt. Bei einem Candlestick-Chart hingegen wird die Handelsperiode, die neben einem einzigen Tag auch eine Woche oder einen Monat umfassen kann, in Form einer Kerze dargestellt, deren Körper vom Eröffnungs- und Schlusskurs begrenzt wird. Weiße Kerzenkörper signalisieren dabei, dass der Schlusskurs über dem Eröffnungskurs des Wertpapieres lag, bei einer schwarzen Kerze ist der Schlusskurs im Beobachtungszeitraum hingegen niedriger als zur Eröffnung. Vom Kerzenkörper ausgehende Striche, der sogenannte obere und untere Schatten, verbinden das Candle mit dem höchsten beziehungsweise niedrigsten Kurs während der dargestellten Handelsperiode. Eine einzige Kerze liefert somit viele wertvolle Informationen, anhand derer ein Analyst die Tendenz eines Wertpapieres leicht ablesen kann.
Formationen deuten lernen
Grundsätzlich haben bei weißen Kerzen die Bullen die Oberhand, ist das Wertpapier doch fester aus dem Handel gegangen, konnte per saldo während der Handelsperiode also zulegen. Ist der “Docht” einer Kerze auch noch sehr kurz, liegt der Schlusskurs also in unmittelbarer Nähe des Höchstkurses, bestehen gute Chancen für weiter steigende Notierungen. In der Candlestick-Theorie finden sich zahlreiche, teilweise komplexe Formationen, aus denen sich die Wahrscheinlichkeit der weiteren Kursentwicklung ablesen lässt. Fallen etwa Eröffnungs- und Schlusskurs mehr oder weniger zusammen, verschwindet der Kerzenkörper fast vollständig und ist nur noch als waagrechter Strich dargestellt. Diese Formation wird als Doji bezeichnet und signalisiert eine Unsicherheit der Marktteilnehmer – vor allem dann, wenn Höchst- oder Tiefstkurs noch vergleichsweise weit auseinander liegen und eine hohe Volatilität im Handelsverlauf zeigen. Tritt ein solcher Doji im Anschluss an eine längere Aufwärts- oder Abwärtsbewegung eines Wertpapieres auf, ist er häufig ein erstes Signal für eine bevorstehende Trendwende.
Etwas komplizierter, dafür aber aussagekräftiger ist die Analyse mehrerer aufeinanderfolgender Kerzen. Gute Chancen auf den Beginn eines Aufwärtstrends bekommt ein Wertpapier beim Auftreten eines Morning Stars zugebilligt. Hierbei eröffnet das Wertpapier nach einem Handelstag mit einer langen schwarzen Kerze unterhalb des letzten Schlusskurses und geht in etwa auf dem gleichen Niveau aus dem Handel. In der darauffolgenden Handelsperiode startet der Kurs höher und legt im Handelsverlauf weiter zu, sodass sich eine große weiße Kerze bildet, die signalisiert, dass die Bullen das Zepter wieder übernommen haben.
Als Gegenstück sollten Anleger beim Auftreten eines Evening Stars einen Bogen um das Wertpapier machen, wenn sich nach einer Phase steigender Kurse über der letzten weißen Kerze ein Stern bildet, dem eine größere schwarze Kerze folgt.
Auch der eingangs bereits erwähnte Hanging Man mahnt zur Vorsicht. Wird nach einem längeren Aufwärtstrend eine kleine Kerze mit langem unterem Schatten erkennbar, sollten Anleger auf der Hut sein. Ähnlich wie der “Gehängte” tritt auch ein Gravestone am Ende einer Aufwärtsbewegung auf. Ein Kursanstieg während der Handelsperiode, die das Wertpapier dann allerdings nur auf dem Ausgangsniveau beendet, ergibt einen kleinen Kerzenkörper mit einem langen oberen Schatten – der Hausse geht allmählich die Luft aus. Fällt die Notierung in der darauffolgenden Handelsperiode dann zurück, steht in den meisten Fällen eine Trendumkehr bevor.
Eine Garantie gibt es nicht
Egal ob eine Formation für sich allein steht oder sich über zwei bis drei Handelszeiträume erstreckt, sollte sie von der nachfolgenden Kerze noch einmal bestätigt werden. Wie andere Analysemethoden auch sind Candlestick-Charts aber nicht unfehlbar und liefern mitunter auch falsche Signale. Richtig und im besten Fall bei umsatzstarken Wertpapieren angewandt, liefern die Kerzen hilfreiche Signale bevorstehender Trendwenden.
von: Ralph Stemper

© Oktober 2016 – menthamedia/finanzparkDas Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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