Börse Frankfurt Magazin: “George Soros – Der Super-Spekulant”

By   /  October 27, 2016  /  Comments Off on Börse Frankfurt Magazin: “George Soros – Der Super-Spekulant”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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2. November 2016. MÜNCHEN (menthamedia). Auch in diesem Sommer sorgte George Soros mit einer bemerkenswerten Spekulation für reichlich Gesprächsstoff unter den Börsianern. Der Meisterspekulant hatte mit rund 100 Millionen Euro eine Leerverkaufsposition auf die Deutsche Bank eröffnet und mit seiner Soros Fund Management LLC damit auf weiter fallende Kurse des größten deutschen Finanzinstituts gewettet – zu einem Zeitpunkt, als die Deutsche Bank-Aktie bereits auf ein neues Allzeittief gefallen war.
Die Bank of England bezwungen
Derart schlagzeilenträchtige Deals ziehen sich wie ein roter Faden durch das Börsenleben von Soros. Legendär ist seine Wette gegen das britische Pfund 1992, als er in der tiefen Überzeugung, das Pfund Sterling sei überbewertet, mit gewaltigen und weitestgehend geliehenen 10 Milliarden US-Dollar gegen die Währung in Stellung ging. Zu dieser Zeit gehörte das britische Pfund noch zum Europäischen Währungssystem, weshalb die Bank of England die Währung in einem engen Korridor gegenüber den übrigen europäischen Währungen halten musste. Da sich die britische Wirtschaft in einer tiefen Rezession befand und die Bank of England nicht über ausreichend Devisenreserven verfügte, sprengte Soros sprichwörtlich die Notenbank. Großbritannien musste daraufhin seine Währung abwerten und das Europäische Währungssystem verlassen, Soros verdiente an seinem Coup über Nacht geschätzte 1,4 Milliarden US-Dollar. Aufgrund ähnlicher Spekulationen wird dem Großspekulanten auch der Zusammenbruch der malaysischen und thailändischen Währung 1997 zugeschrieben, was damals nicht weniger als der Auslöser der Asienkrise und eines weltweiten Börsenbebens war.
Erfolgreich war George Soros aber bereits vor den Neunzigerjahren. In dem 1969 mit einem Startkapital von 4 Millionen US-Dollar zusammen mit Jim Rogers gegründeten Quantum Fund verbuchte Soros von 1973 bis zum Jahr 2000 trotz hoher Schwankungen einen durchschnittlichen jährlichen Wertzuwachs jenseits der 30-Prozent-Marke. Als der Quantum Fund das Jahr 1981 mit einer negativen Performance beendete, trennte sich Soros von seinem langjährigen Partner Jim Rogers und suchte einen Psychologen auf, weil er den ersten Jahresverlust als Demütigung empfand. Sein gutes Näschen stellte der Super-Spekulant wieder im Jahr 2000 unter Beweis, als er exakt zum Hochpunkt der New-Economy-Blase seinen Rückzug aus US-amerikanischen Aktien bekannt gab.
Dass sich Märkte mitunter irrational verhalten und clevere Spekulanten dies ausnutzen können, wurde Soros schon zu Studentenzeiten in London gelehrt, wohin er 1946 geflüchtet war, nachdem er als Sohn jüdischer Eltern im Zweiten Weltkrieg nur knapp der Verhaftung durch die deutschen Besatzer entkommen war. In der britischen Hauptstadt hielt sich György, wie George Soros ursprünglich heißt, zunächst mit Aushilfsjobs als Tellerwäscher, Kellner und Bademeister über Wasser, bevor er bis 1952 an der London School of Economics studierte, wo ihn vor allem die Gedanken seines Lehrers und Philosophen Karl Popper zu einer offenen Gesellschaft beeindruckten.
Dienst an der Allgemeinheit
Durch die Leitmotive Poppers und die eigenen Erfahrungen geprägt, tritt Soros seit über 40 Jahren als Philanthrop auf und hat in dieser Zeit geschätzte 8 Milliarden US-Dollar für diverse Projekte gespendet. Vor allem in den osteuropäischen Staaten zeigte sich der Gründer der Open Society Foundation besonders engagiert, zahlreiche Universitäten in Osteuropa verfügen über einen George-Soros-Lehrstuhl. 2007 kündigte Soros bei einer Konferenz in Kopenhagen ein Investment von 1 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien an, 7 Milliarden US-Dollar stellte der inzwischen 86-Jährige im Jahr 2010 “The Giving Pledge” zur Verfügung – einer Initiative von Microsoft-Gründer Bill Gates und Investmentlegende Warren Buffett, bei der die Superreichen der USA mehr als die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellen. “Viele Menschen träumen zwar davon, die Welt zu verbessern. Aber ich bin in der glücklichen Lage, es zu tun”, sagte er einst.
In den vergangenen Jahren mischte sich Soros zunehmend in die globale Politik ein. Bereits 2004 investierte er 50 Millionen US-Dollar in den US-Präsidentschaftswahlkampf, um eine Wiederwahl des damaligen US-Präsidenten George W. Bush zu verhindern. Während der Euro-Krise forderte er ein Zusammenhalten Europas und eine Beibehaltung der Gemeinschaftswährung. In der Ukraine-Krise hat Soros mehr westliche Hilfe für das Land angemahnt und bis zu 50 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau und die Modernisierung der Wirtschaft gefordert. Für sein nachhaltiges Engagement erhielt der Star-investor den ukrainischen Orden der Freiheit – die höchste staatliche Auszeichnung für Ausländer.
George Soros ist die lebende Legende unter den Börsenstars. Mit einem geschätzten Vermögen von 24,9 Milliarden US-Dollar belegt der Meisterspekulant im vom Forbes Magazine veröffentlichten 2016er-Ranking der Milliardäre den 23. Platz.
von: Ralph Stember

November 2016, © menthamedia/finanzparkDas Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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