Marktstimmung: “Entschieden optimistisch”

By   /  October 27, 2016  /  Comments Off on Marktstimmung: “Entschieden optimistisch”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Marktstimmung: "Entschieden optimistisch"

Zusammenfassung

Der DAX bewegt sich in seiner weiterhin recht engen Handelsspanne allmählich nach oben und die Kommentatoren klingen zunehmend zuversichtlich. Auch die von uns befragten aktiven Investoren glauben mit deutlicher Mehrheit an weiter steigende Notierungen deutscher Aktien. Denn seit vergangenen Mittwoch sind nochmal 9 Prozent der professionellen Anleger long gegangen und 2 Prozent haben sich von ihren Short-Engagements getrennt. Das hebt den Sentiment-Index dieser Anlegergruppe um 11 auf +40 Punkte, dem höchsten Stand seit Anfang Januar.
In diesem eindeutig optimistischen Bereich – konkret bei 43 Punkten – bewegt sich die Stimmung der privaten Anleger bereits. Mit 1 Prozent Zuwachs bei Bullen und Bären gleichermaßen sind die Positionierungen dieser Investorengruppe nahezu unverändert geblieben.
Verhaltensökonom Joachim Goldberg hebt hervor, dass die Anleger scheinbar in einen steigenden Markt hinein gekauft haben und das neutrale Lager der Abwartenden leer gefegt ist. Er vermutet dahinter die “Angst, möglicherweise einen gerade einsetzenden Aufwärtstrend zu verpassen”. Dem Analysten macht das hohe Ausmaß an Optimismus weiter “Kopfschmerzen”. Das Defizit an heimischer Nachfrage könne nur durch frisches Kapital aus dem Ausland ausgeglichen werden. Und Richtung 11.000 DAX-Punkte sollten Gewinnmitnahmen “Bremsspuren” hinterlassen. Gleichzeitig fehle dem Markt bei Korrekturen Unterstützung.
26. Oktober 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die in knapp zwei Wochen stattfindenden US-Präsidentschaftswahlen scheinen für hiesige Börsianer bereits entschieden zu sein. Vielleicht vertraut man auch auf die Wahlprognosen, die die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, zum Teil mit einem zweistelligen prozentualen Vorsprung gegenüber ihrem Gegenspieler Donald Trump sehen. Zumindest scheint man im Falle eines Wahlsiegs Clintons für die Aktienmärkte keinen Gegenwind zu sehen, während ein derzeit unwahrscheinlich erscheinender Sieg Trumps auch Unsicherheit in Wirtschaftsfragen bedeuten würde. Mit anderen Worten: Die in der heutigen Umfrage ermittelte Stimmung bei den mittelfristig orientierten institutionellen Marktteilnehmern ist nicht nur ausgesprochen optimistisch. Insbesondere der Börse Frankfurt Sentiment-Index professioneller Anleger ist zum dritten Mal hintereinander gestiegen und konnte zuletzt um 11 Punkte auf einen Stand von nunmehr +40 Punkte zulegen. Dies ist gleichzeitig der höchste Wert seit 6. Januar.
Augenfällig bei der jüngsten Befragung ist, dass sich mehr als drei Viertel der neu hinzugekommenen Optimisten aus dem Reservoir der vormals neutral eingestellten Akteure speisen. Dazu ist anzumerken, dass es seit der vergangenen Stimmungserhebung kaum eine günstigere Einstiegsmöglichkeit beim DAX gegeben hat. Vielmehr waren die besagten Marktteilnehmer bereit, sogar in einen steigenden Markt hinein zu kaufen. Dies ist umso bemerkenswerter, als selbst der leichte Kursaufschwung der vergangenen Tage – er wird übrigens gerade in diesem Moment, während dieser Bericht entsteht, wieder fast vollständig zunichte gemacht – wie bereits seit einigen Wochen von den warnenden Stimmen einiger Kommentatoren begleitet wurde. Mindestens genauso interessant ist, dass die Teilnehmer unserer Befragung eine klare und eindeutige Position einnehmen, denn mit dem wachsenden Optimismus ist im Gegenzug der Anteil der neutral gestimmten Befragten auf den niedrigsten Stand seit Jahresanfang gefallen.
Kaum Gewinnmitnahmen
Aber auch die Privatanleger zeigen sich ungebrochen optimistisch, wobei sich die Polarisierung zwischen Bullen und Bären sogar noch leicht verschärft hat. Mit einem Wert von +43 Punkten befindet sich der Börse Frankfurt Sentiment-Index unverändert auf dem höchsten Stand des Jahres.

Erwartungsgemäß hat sich der DAX bislang in der Nähe der von uns gedachten Obergrenze von 10.800 Zählern schwergetan, weitere Dynamik zu entfalten. Dass sich sogar ein kleiner Rücksetzer ereignete, ist jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht größeren Aktivitäten der von uns befragten Akteure zuzuschreiben. Im Gegensatz zu den kurzfristig orientierten Marktteilnehmern haben sowohl die mittelfristigen institutionellen als auch die Privatanleger bisher auf Gewinnmitnahmen verzichtet. Stattdessen mag es sogar den einen oder anderen kleinen Panikkauf gegeben haben, in der Angst, möglicherweise einen gerade einsetzenden Aufwärtstrend zu verpassen.
Umfrage bei Twitter und Facebook

Höher: 47% (-8)Tiefer: 42% (-2)Neutral: 11% (+10)

Uns bereitet das vergleichsweise hohe Niveau der Stimmungsindizes zunehmend Kopfschmerzen. Denn damit einhergehend ist auch eine sinkende heimische Nachfrage verbunden. Letztere kann, wie wir bereits in den vergangenen Wochen mehrfach betont haben, nur durch frisches langfristiges Kapital, vornehmlich aus dem Ausland, ausgeglichen werden. Die heimischen Investoren alleine werden somit keinen dynamischen Aufwärtstrend auslösen können. Insbesondere wenn es in Richtung 11.000 DAX-Zähler gehen sollte, dürften Gewinnmitnahmen Bremsspuren hinterlassen. Gleichzeitig fehlt dem Markt im Falle von Rücksetzern nun eine wesentliche Stütze.
Börse Frankfurt Sentiment-Index
Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutralTotal64%24%12%ggü. letzter Erhebung+9%-2%-7%DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.700 (+100 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +40 Punkte (Stand Vorwoche: +29 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum
Private Anleger

BullishBearishNeutralTotal65%22%13%ggü. letzter Erhebung+1%+1%-2% DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.700 (+100 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +43 Punkte (Stand Vorwoche: +43 Punkte)

von: Joachim Goldberg
26. Oktober 2016, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.deÜber den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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