Schritt für Schritt zum Wunschberuf

By   /  October 28, 2016  /  Comments Off on Schritt für Schritt zum Wunschberuf

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MIL OSI – Source: Deutschland Bundesregierung –

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Aygün Gasimova ist vor zwei Jahren aus Aserbaidschan in das nordrhein-westfälische Dorf Hoetmar gekommen. Sie verbessert ihr Deutsch und hilft anderen Flüchtlingen bei der Integration. Ihr Ziel ist es, Erzieherin zu werden. Adelheid Vollmann vom örtlichen Arbeitskreis Integration ist zuversichtlich: “Aygün kann das schaffen.”

Im Arbeitskreis Integration aktiv: Adelheid Vollmann und Aygün Gasimova aus Aserbaidschan
Foto: Joanna Nottebrock

Hoetmar nahe Münster – auf 2300 Einwohner kommen hier aktuell 70 Flüchtlinge. Auch Aygün Gasimova ist aus politischen Gründen geflohen und lebt nun in dem kleinen Dorf.

Sie sei froh, mit ihrem Mann und den zwei Kindern in einer Privatwohnung zu leben, erzählt die 38-Jährige. Darum gekümmert hätten sich die Mitglieder des Arbeitskreises Integration – eine enorm engagierte Gruppe von 40- bis 75-Jährigen. Sie unterstützen die Flüchtlinge bei ihrem Start in der neuen Heimat.  
Vermittlerin und Helferin

“Kommen Sie herein!” Mit strahlenden Augen empfängt sie uns im Pfarrheim St. Lambertus. Aygün ist in Hoetmar angekommen. Sie helfe im Arbeitskreis, wann immer sie gebraucht werde. Das sei ein ganz wichtiger Baustein gewesen, sich einzuleben. “Ich bin Lehrerin für Aserbaidschanisch und Literatur”, erzählt sie. Da sie außer ihrer Muttersprache auch noch russisch und türkisch spreche, könne sie bei vielen Gesprächen mit den anderen Flüchtlingen übersetzen.

Adelheid Vollmann erzählt, dass gegenüber den Flüchtlingen im Dorf eine gewisse Scheu herrschte. Man sah sie einkaufen oder spazieren gehen. Doch wie soll man sie ansprechen, wie ein Gespräch anfangen, wenn man die Sprache nicht beherrscht. “Hier konnte Aygün helfen.” Übrigens: Das Wort “Flüchtlinge” mögen sie in Hoetmar gar nicht. Sie haben sich für die Bezeichnung “Neubürger” entschieden. Das drückt aus, was den Arbeitskreis bewegt: “Die Neubürger sollen sich bei uns wohlfühlen”, so Vollmann.

Bilderstrecke: Flüchtlingsarbeit in Hoetmar

Das “Neubürger-Frühstück”

Die Aserbaidschanerin hat das “Neubürger-Frühstück” mit organisiert. Bereits zweimal hat der Integrationskreis dieses Frühstück veranstaltet, zu dem alle Hoetmarer eingeladen waren. Und diese Chance wurde gerne genutzt: zwischen 120 und 150 Bürger und viele der Neubürger fanden sich zum gemeinsamen Essen und Gesprächen ein. “Das war eine tolle Sache.”, so Vollmann. Dieses Engagement werde auch erwidert, zum Beispiel durch Einladungen zum Kindergeburtstag.

Neben den vielen Aktivitäten des Arbeitskreises hat Aygün noch ganz eigene Projekte, wie zum Beispiel die Hausaufgabenunterstützung in der Schule. “Das ist gut für alle”, stellt sie fest. “Den Kindern kann ich noch besseres Deutsch beibringen und ich lerne selber noch vieles.”
Deutsch lernen und dann Erzieherin werden

Aygün ist ehrgeizig: Gleich nach ihrer Ankunft in Hoetmar hat sie einen Grund-Deutschkurs vom Sozialamt mitgemacht. Anschließend übte die örtliche Grundschulleiterin mit ihr. Das war möglich, da jeder jeden im Dorfe kennt und so über kurze Absprachen Kontakte geknüpft und Termine gemacht werden können. Aber auch Online-Kurse nutzte Aygün.

Die Arbeiterwohlfahrt bot einen sechsmonatigen Berufssprachkurs an, fünf Monate Schule und einen Monat Praktikum in einem Übersetzerbüro. Auch das habe sie gemacht, erzählt Aygün. “Und nun will ich die B1 – Sprachprüfung ablegen”, stellt sie selbstbewusst fest. Das wird noch einmal hart: Sie wird einen Abendkurs belegen der 21 Stunden umfasst und zweimal die Woche stattfindet. Nicht ohne, mit zwei schulpflichtigen Kindern.

Bei allen Bemühungen um die deutsche Sprache hat Aygün ihren Wunschberuf vor Augen: “Ich möchte Erzieherin werden.” Super wäre es, wenn sie nach der Ausbildung im örtlichen Kindergarten arbeiten könnte. “In Hoetmar zu wohnen und zu arbeiten, das wäre sehr schön!” Alle Mitglieder des Arbeitskreises drücken ihr die Daumen. Denn ein bisschen bangen muss sie noch: In den nächsten Tagen wird geprüft, ob ihre bisherigen Praktikumsbescheinigungen für eine Ausbildung ausreichen. Aber eines ist sicher: Für alle Fälle hat sie engagierte und zuverlässige Freunde, die sie unterstützen werden.

Hoetmar wurde beim Bundeswettbewerb “Unser Dorf hat Zukunft” 2016 mit Gold ausgezeichnet. Die örtliche Integrationsarbeit trug erheblich zu dieser Ehrung bei. Einen Überblick über die Projekte des Arbeitskreises Integration finden Sie hier.
Freitag, 28. Oktober 2016

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