Devisen: Trump als Risikofaktor

By   /  November 3, 2016  /  Comments Off on Devisen: Trump als Risikofaktor

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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2. November 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Nachricht, dass das FBI in der E-Mail-Affäre von Hillary Clinton neu ermitteln will, sorgt derzeit für Druck auf den US-Dollar. Am Mittwochmittag kostet ein Euro 1,10 US-Dollar, vergangene Woche waren es zeitweise nur 1,08 US-Dollar. Auf Monatssicht hat der US-Dollar aber zugelegt, Anfang Oktober ging die Gemeinschaftswährung noch zu 1,12 US-Dollar über den Tisch. Hintergrund ist die nun für den Dezember erwartete Leitzinsanhebung in den USA.
“Der Markt preist eine Zinserhöhung bis zum Jahresende mittlerweile zu 70 Prozent ein”, stellt Thu Lan Nguyen von der Commerzbank fest. Die Bank sieht auf kurze Sicht aber nur noch wenig Aufwärtspotenzial für die US-Währung. Sollten die Konjunkturdaten bis zur Dezember-Sitzung enttäuschen, könne dies die Zinserwartungen schnell wieder dämpfen. Zudem berge die Wahl Risiken. Auch am heutigen Mittwoch trifft sich die US-Notenbank, mit einer Zinsanhebung wird aber nicht gerechnet.
Unsicherheitsschock nach Trump-Sieg
Die DekaBank geht für den Euro mit Blick auf die fundamentalen Faktoren bis Ende 2017 von einer schwachen Entwicklung gegenüber dem US-Dollar aus – wegen des wachsenden US-Zinsvorsprungs und auch der besseren US-Konjunkturaussichten. Revisionen der Wechselkursprognosen als Reaktion auf einen Sieg von Clinton seien eher unwahrscheinlich. “Anders stellt sich die Situation bei einem Wahlsieg von Trump dar. Sein teilweise inkonsistentes Wahlprogramm enthält eine Liste von extremen Forderungen”, stellt Christian Melzer fest.
Ein Wahlsieg Trumps komme daher einem weltweiten Unsicherheitsschock gleich – die Volatilität an den Devisenmärkten werde unmittelbar steigen. “Sollte sich die Ansicht durchsetzen, dass die US-Notenbank durch den Trump-Schock die Fortführung der Leitzinswende auf 2017 verschiebt, wäre mit einer spürbaren negativen Reaktion des US-Dollar nicht nur gegenüber dem Euro in diesem Jahr zu rechnen.”
Fokus auf Euro/US-DollarIm Handel mit Devisen-ETNs ist derzeit nicht viel los, wie Ivo Orlemann von der ICF Bank berichtet. Mit Abstand am meisten gehandelt werde der ETFS 5x Short US-Dollar Long Euro (WKN A12Z32), gefolgt vom ETFS Long US-Dollar Short Euro (WKN A1EK0V) und vom ETFS Short Schweizer Franken Long Euro (WKN A1DFSB). “In allen Fällen werden beide Seiten gespielt.” Orlemann

Die Euro/US-Dollar-ETNs finden sich auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen vier Wochen ebenfalls ganz oben. Rege gehandelt wurden auch andere Euro/US-Dollar-Produkte (WKN A12Z31, A1EK0W). Stark beachtet wird zudem das Währungspaar Euro/Yen (WKN A1DFSF, A12Z3Z, A12Z30, A1DFSJ). Hier hat sich in den vergangenen Wochen nicht viel getan: Aktuell liegt die Notierung weiter bei 115 Yen zum Euro.
Pfund weiter unter Druck
Unterdessen hat sich die Abschwächung des Pfunds fortgesetzt: Ein Euro kostet jetzt 0,90 Pfund nach 0,88 vor einem Monat. Premierministerin Theresa May hatte einen “harten” Brexit angedeutet, zudem wurde der März 2017 als Austrittdatum festgelegt. “Auch wenn sich die anfängliche Nervosität kurzfristig wieder etwas legen sollte, dürfte sie zu Beginn der Austrittsverhandlungen wieder ansteigen und das Niveau dann mindestens bei 0,90 Pfund zum Euro liegen”, erklärt Marina Lütje von der DekaBank. Erst auf Sicht von zwölf Monaten könne das Pfund dann etwas “verschnaufen”.
Mit Spannung erwartet wird die Sitzung der Bank of England am morgigen Donnerstag. “Entscheidend ist, wie weit sich die Notenbank die Tür zu einer weiteren Lockerung noch offen halten wird”, meint Thu Lan Nguyen. Erkenne sie vorerst keine Notwendigkeit für weitere Maßnahmen, sei das positiv für das Pfund. “Doch angesichts des nach wie vor unsicheren Ausblicks für Großbritannien nach einem Ausstieg aus der EU sehen wir auf mittlere Sicht nur begrenztes Erholungspotenzial.”
Franken kommt Unsicherheit zugute
Gegenüber dem Schweizer Franken hat der Euro etwas verloren: Aktuell müssen wieder unter 1,08 Franken für die Gemeinschaftswährung gezahlt werden, vor einem Monat waren es 1,10. Nach dem Brexit-Votum war der Kurs zwischenzeitlich auf 1,07 Franken gefallen. “Die Nachfrage nach dem sicheren Hafen Franken wird im aktuellen Umfeld anhaltender politischer Unsicherheit noch länger erhöht bleiben”, meint Lütje.
Ölpreisrückgang belastet norwegische Krone
Ein Ende gefunden hat die Aufwertung der norwegischen Währung, die zuvor von der Entscheidung der Opec Ende September über eine Drosselung der Fördermenge profitiert hatte. Ein Euro entspricht wieder 9,08 Kronen, Mitte Oktober waren es erstmals seit vergangenem Sommer weniger als 9 Kronen. Da Iran und Irak ihre Produktion ausweiten wollen, ist der Ölpreis zuletzt wieder gesunken.
von: Anna-Maria Borse
2. November 2016, © Deutsche Börse AG

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