Auslandsaktien: Anleger im Trump-Modus

By   /  November 4, 2016  /  Comments Off on Auslandsaktien: Anleger im Trump-Modus

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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3. November 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Gemischte Bilanzen und steigende Umfragewerte für Donald Trump als möglicher nächster Präsident der Vereinigten Staaten bestimmen nach Meinung von Händlern derzeit das Bild an den internationalen Aktienmärkten. Börsianer hüben wie drüben befänden sich im “Trump-Modus”, der für Ratlosigkeit und Zurückhaltung stehe. Abzulesen sei die Skepsis an den Kurven der wichtigsten Aktienbarometer. Auf Wochensicht verlor der Dow Jones Industrial 1,3 Prozent, während der Euro Stoxx 50 auf ein Minus von 3,2 Prozent kommt. Knapp 3 Prozent leichter ist der breiter gefasste Stoxx Europe 600.
“Im Handel ist aktuell kaum etwas los, alle warten auf den Wahlausgang”, meldet Roland Stadler von der Baader Bank. Ähnlich wie im Vorfeld des Brexit-Referendums kämen fast im Stundentakt die Ergebnisse neuer Erhebungen. Mal habe Donald Trump die Nase vorn, mal Hillary Clinton. Andere Umfragen sähen die Kandidaten wiederum gleichauf. “Am kommenden Mittwoch wissen wir mehr.” StadlerLust auf Schokolade steigt
Dem allgemeinen Marktumfeld können sich Unternehmen wie Barry Callebaut (WKN 914661) nicht ganz entziehen. Trotz Absatzplus von 2,2 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Aktie des weltweit größten Produzenten von Schokolade nach Veröffentlichung der Ergebnisse gestern leicht nachgegeben. “Analysten hatten mit 2,9 Prozent Umsatzwachstum gerechnet”, bemerkt Walter Vorhauser. Der Ertrag sei im Gesamtjahr, unter anderem verursacht durch höhere Kakaopreise und Restrukturierungskosten, um 5,1 Prozent auf 219 Millionen Franken gefallen. Das entspricht umgerechnet rund 221 Millionen Euro.
Wenngleich die Aktie der Schweizer seit Mitte Oktober leicht unter Druck ist, verbucht der Händler der Oddo Seydler Bank die Abgaben unter Gewinnmitnahmen. Die Geschäfte liefen insbesondere in den USA und Asien, aber auch in anderen Regionen rund. Auch halte Barry Callebaut an seinem Wachstumszielen zwischen 4 bis 6 Prozent für die kommenden zwei bis drei Jahre fest. Die langfristige Performance stimme ebenfalls, wie Vorhauser aufzeigt. Seit 2009 hat die Barry Callebaut-Aktie von gut 300 auf 1.137 Euro zugelegt. Die Aussichten seien eigentlich stabil positiv. “Schokolade macht halt überall glücklich.” Vorhauser

Royal Dutch Shell arbeitet sich in die Pluszone
Bei der Royal Dutch Shell (WKN A0D94M) stimmen die Vorzeichen. “Die Aktie des britisch-niederländischen Ölmulti ist gestern über 3 Prozent nach oben geklettert”, schildert Vorhauser die Anlegerreaktionen auf die Ergebnisse. Nach tiefroten Zahlen im dritten Quartal 2015, schreibe Royal Dutch Shell mit 1,45 Milliarden US-Dollar zwischen Juli und September diesen Jahres wieder Gewinne. “Die einschneidenden Sparmaßnahmen tragen Früchte”, urteilt der Händler. Der wichtige bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten – das ist das Ergebnis ohne Lagerbestandsveränderungen und Bewertungseffekte – sei um 18 Prozent auf 2,79 Milliarden US-Dollar nach oben geschnellt. “Das übertrifft die Analystenerwartungen um über 40 Prozent.”
Niedrige Ölpreise blieben allerdings eine Herausforderung. “Bislang hat sich das schwarze Gold nicht nachhaltig über 50 US-Dollar pro Barrel festsetzen können.” Auch sei offen, ob sich die OPEC-Staaten bei ihrem November-Treffen auf die Deckelung einzelner Förderquoten einigen werden. “Deshalb schrauben die Niederländer weiter an ihren Investitionen für Forschung und Entwicklung und beschränken die Ausgaben dafür auf 25 Millionen US-Dollar”, weiß Vorhauser. An der geplanten Dividende von 1,88 US-Dollar für das laufenden und kommende Geschäftsjahr hat der Händler wenig auszusetzen. Auf Basis des aktuellen Aktienkurses kämen Anleger damit auf eine Dividendenrendite von über 7 Prozent. “Da kann man nicht viel falsch machen.”
Credit Suisse-Umbau schmälert den Ertrag
Nach der heutigen Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal brach die Aktie der Credit Suisse (WKN 876800) um rund 5 Prozent ein. “Der kleine Gewinn in Höhe von 41 Millionen Franken ist Anlegern scheinbar zu wenig”, bemerkt Stadler. Einen Grund sieht der Händler in den mit 145 Millionen Franken um fast 60 Prozent höher ausgefallenen Restrukturierungskosten als im vorherigen Quartal. “Zwar sind bereits 5.400 der geplanten 6.000 Stellen abgebaut worden.” Dennoch befinde sich die Bank weiterhin voll in der Umbauphase, andere Geldhäuser seien da zum Teil schon weiter. Auch den drastischen Einbruch im Investment-Banking um rund Zweidrittel auf 87 Millionen Franken bewertet Stadler kritisch. Bei US-Banken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley floriere insbesondere der Anleihen-Handel.
Société Générale schwimmt gegen den Strom
Auch bei der Société Générale (WKN 873403) gedeiht der Bond- und Aktienhandel. Das Investment-Banking hat Stadler zufolge im dritten Quartal maßgeblich zu einem besser als erwarteten Nettogewinn der Franzosen beigetragen. “Das Russlandgeschäft scheint sich ebenfalls wieder zu berappeln.” Gleichzeitig habe die Société Générale mit privaten Kunden im Heimatland Frankreich weniger verdient. Der Nettogewinn sei um 15 Prozent auf 353 Millionen Euro insbesondere aufgrund anhaltend niedriger Zinsen gefallen. Anleger belohnten die Ergebnisse der Großbank mit einem Kursanstieg der Aktie um rund 7 Prozent auf 36,58 Euro. Am Jahresanfang stand der Wert allerdings noch bei etwas über 43 Euro.
von: Iris Merker
3. November 2016, © Deutsche Börse AG

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