Interview: Beim Nachbarn – Militärattaché in Warschau

By   /  November 7, 2016  /  Comments Off on Interview: Beim Nachbarn – Militärattaché in Warschau

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MIL OSI – Source: Bundesministerium Der Verteidigung –

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Warschau, 07.11.2016.Seine Zeit als Militärattaché in Tschechien gefiel Oberst i.G. Andreas Meister so gut, dass er sich ein zweites Mal um eine solche Position bewarb. So kam er nach Polen – wo ihn wegen der aktuellen sicherheitspolitischen Lage eine spannende Aufgabe erwartete.

Wie sind Sie Militärattaché geworden?Bereits 2007 bewarb ich mich um die Stelle und wurde als Militärattaché für die Tschechische Republik ausgewählt. Zusammen mit meiner Frau habe ich drei tolle und spannende Jahre in Prag verbracht. Weil uns die Zeit so gut gefallen hat, bewarb ich mich im Anschluss erneut und hatte das Glück, wieder ausgewählt zu werden. Dieses Mal für Polen.Wie war der Start dort?Der war schon spektakulär: Meine Frau und ich sind Anfang August diesen Jahres nach Warschau umgezogen und gleich nach meinem Dienstantritt fand eine große Militärparade zum Tag der polnischen Streitkräfte mit anschließendem Empfang beim Staatspräsidenten statt. Es folgten das Oktoberfest des Militärattachéstabes mit 400 Gästen und dann natürlich der Empfang der Botschaft zum 3. Oktober mit mehr als 1.200 Gästen auf dem Gelände der Botschaft.Welche unterschiedlichen Aufgaben haben Sie als Militärattaché zu bewältigen?Vor allem bin ich der Berater des Botschafters in allen militärpolitischen und militärischen Fragen. Dies ist gerade in einer Zeit, in der die Sicherung der ostwärtigen Grenzen Europas und das Verhältnis zu Russland im Mittelpunkt vieler sicherheitspolitischer Diskussionen stehen, besonders spannend.Zudem bin ich für die Streitkräfte Polens der erste Ansprechpartner für alle Fragen, die die Bundeswehr betreffen. Außerdem beantworte ich die zahlreichen Fragen von deutschen militärischen Dienststellen zu den polnischen Streitkräften und ermittele die nötigen Ansprechpartner auf polnischer Seite. Darüber hinaus betreue ich zusammen mit meinem Team die deutschen Delegationen, die nach Polen kommen, nehme an Empfängen und Kongressen teil, zu denen man als Diplomat eingeladen wird.Dies ist allerdings, obwohl es sich nach Vergnügen anhört, doch Arbeit, denn dort treffe ich viele Ansprechpartner aus dem diplomatischen Korps und aus meinem Gastland und lerne Leute kennen, die für meine Arbeit sehr wertvoll sein können.Kann man diplomatisches Geschick lernen?Nicht auf einem Lehrgang. Es geht einher mit der Erfahrung in der Zusammenarbeit mit anderen Kulturen und Gesellschaften. Man muss sich auf andere Sitten, Gebräuche und Lebensumstände, einen anderen Glauben und andere Lebensweisen einstellen können und offen dafür sein. Den anderen nicht vor den Kopf stoßen, Andersartigkeit nicht als etwas Bedrohliches wahrzunehmen und zuzuhören, sind gute Grundlagen für diplomatisches Geschick und unterscheiden sich damit gar nicht so sehr von dem, was man auch generell ohne spezielle diplomatische Tätigkeit braucht, um mit seiner Umgebung, seinen Vorgesetzten und Mitarbeitern gut auszukommen.Mir hilft in meiner jetzigen Tätigkeit sicherlich die Zeit, die ich in Tschechien verbracht habe und die Sprachausbildung beim Bundessprachenamt in Hürth. Sich in der Landessprache verständigen zu können, ist die Grundlage dafür, sich in der fremden Umgebung zurechtzufinden und auf die Menschen zugehen zu können.Was war für Sie bislang die größte Herausforderung, die Sie in Ihrer Position als Militärattaché bewältigen mussten?Da ich erst seit kurzer Zeit auf diesem Dienstposten bin, hatte ich noch keine Herausforderung, die alle anderen überragt. Es gibt aber eine ganze Reihe von täglichen Herausforderungen, die von dem Erlangen einer kurzfristigen Besuchserlaubnis für deutsche Soldaten bis hin zur Betreuung hochrangiger Delegationen reicht. Auch kurzfristige Anfragen aus dem Bundesministerium der Verteidigung können herausfordernd sein, da man die Antworten darauf in einem fremden Land eben doch nicht so schnell bekommt wie im eigenen.Hinzu kommen persönlich nahegehende Erlebnisse wie das Gespräch mit Überlebenden des Holocausts während Gedenkveranstaltungen.Was mögen Sie besonders an dem Land, in dem sie jetzt arbeiten?Ich habe wirklich Hochachtung für dieses Land und die Menschen, die nach dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges und der nachfolgenden Herrschaft des Kommunismus immer wieder aufgestanden sind und sich behauptet haben. Die Polen sind sehr gastfreundlich, fleißig und stolz auf ihr Land und das, was sie schon erreicht haben.Warschau ist eine lebendige und moderne Metropole, in der es spannend ist, zu wohnen und zu arbeiten. Außerdem mag ich die vielen schönen Orte und Landschaften in Polen wie Danzig, die gesamte Ostseeküste, Masuren, Krakau oder auch die Berge in Zakopane.Was mögen Sie nicht?Bis jetzt habe ich noch nicht allzu viel entdeckt, was ich hier gar nicht mag. Höchstens die polnische Art, Auto zu fahren, die ich schon als sehr stressig empfinde.Was vermissen Sie aus Deutschland am meisten?Am meisten vermissen meine Frau und ich natürlich unsere Familie und Freunde. Und das deutsche Schwarzbrot, das es hier zwar auch gibt, aber nicht in der gewohnten Vielfalt und mit dem typischen Geschmack. Glücklicherweise ist die Entfernung von Warschau aber nicht so groß, als dass wir nicht mal für ein Wochenende nach Deutschland fahren könnten, wenn wir Heimweh bekommen sollten.nach oben

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