Rede der Kulturstaatsministerin Grütters zur Eröffnung des Jazzfestes Berlin

By   /  November 8, 2016  /  Comments Off on Rede der Kulturstaatsministerin Grütters zur Eröffnung des Jazzfestes Berlin

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MIL OSI – Source: Deutschland Bundesregierung –

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Bei der Eröffnung des Jazzfests hat Kulturstaatsministerin Grütters zugesagt, die Musikerinnen und Musiker des Genres und Jazzclubs auch künftig zu unterstützen, etwa über den kürzlich gegründeten Musikfonds oder dem Spielstättenprogrammpreis. Grütters wünschte dem Jazz “die uneingeschränkte Aufmerksamkeit, die er braucht und verdient.”
Eine der treffendsten Wahrheiten über den Jazz verdanken wir dem großen Schweizer Jazzmusiker George Gruntz: “Man kann nicht Jazz auch”, sagte der langjährige Leiter des Jazzfestes Berlin in einem Interview im Schweizer Fernsehen. Ja, Jazzer ist man nicht “auch”, nicht nebenbei. Jazz ist anspruchsvoll. Jazz erfordert uneingeschränkte Hingabe – als Musiker wie als Zuhörer. Und während er Begeisterte beflügelt und betört, bleibt er für Unerfahrene oft unverständlich und unerreichbar.

Ob Kenner oder Entdecker, Liebhaber oder Laie: Das Jazzfest Berlin zieht seit mehr als 50 Jahren neugierige Besucherinnen und Besucher aus aller Welt an. Es ist – das kann man mit Fug und Recht sagen – einer der musikalischen Höhepunkte im Hauptstadtkulturkalender!

In diesem Jahr will das Festival vor allem junge Menschen für den Jazz begeistern. Die Voraussetzungen dafür stimmen (wie immer): Hochkarätige Solokünstler und Bands – in bekannten und neuen Formationen – versprechen spannende “Konversationen”. Dass ich heute bei der Eröffnung dabei sein kann, freut mich besonders: Vielen Dank für die Einladung, lieber Thomas Oberender, lieber Richard Williams!

“Man kann nicht Jazz auch” – oder etwas anders: Doch auch der Bund kann Jazz, meine Damen und Herren! Das unterstreichen wir nicht zuletzt mit der Künstler- und Musikförderung meines Hauses.

Eine Musik, die vom Moment lebt, von der Improvisation und vom Live-Spiel, braucht Orte, an denen sie sich entfalten und weiterentwickeln kann: Deshalb zeichnen wir mit unserem Spielstättenprogrammpreis “APPLAUS” seit 2013 Clubs aus, die kulturell hochwertige, trendsetzende Programme machen – und die Hälfte aller Preisträger sind Jazzclubs!

Allein vom Jazz leben, können Musikerinnen und Musiker oft nicht, was selten nach außen sichtbar wird: Ich hoffe deshalb, dass die jazzstudie2016, die mein Haus mitfinanziert hat, eine Diskussionen darüber anregt, wie sich die Arbeits- und Lebensbedingungen professioneller Jazzmusikerinnen und -musiker verbessern lassen.

Der Bund jedenfalls trägt seinen Teil dazu bei. Bereits seit 2008 unterstützt die von meinem Haus geförderte “Initiative Musik” viele Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker; und weil wir den nicht-kommerziellen Jazz bewusst als Genre zeitgenössischer Musik verstehen, haben Jazzer künftig auch die Chance auf Mittel aus dem Musikfonds. Er wurde vor wenigen Wochen gegründet und ist mit 1,1 Millionen Euro jährlich ausgestattet. 

Ein persönliches Herzensanliegen ist es mir, Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft, Künstlerinnen, Musikerinnen zu stärken. Das Jazzfest Berlin hat ganz selbstverständlich zahlreiche Musikerinnen eingeladen – eine von ihnen, die wunderbare Pianistin Julia Hülsmann, werden wir gleich hören – und es ist erfreulich, dass Frauen wie sie hartnäckig am Image des Jazz als Männerdomäne kratzen.

Mit Traditionen brechen, sie hinterfragen und dagegen aufbegehren – all das ist Jazz. Gerade damit trägt er zur kulturellen Vielfalt bei. Die Vielfalt des Genres – und bisweilen auch seine Unangepasstheit – machen den Jazz zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Kultur- und Geisteslebens.

“Man kann nicht Jazz auch”: Musik, die sich nicht mit der Nebenrolle zufrieden gibt, die man eben nicht “auch” macht, die man nicht “auch” hört, ist eine Wohltat gerade in unserer schnelllebigen Zeit. In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein inspirierendes Jazzfest 2016 – und dem Jazz die uneingeschränkte Aufmerksamkeit, die er braucht und verdient!

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