Mit BMW Motorsport Messtechnologie zur Perfektion der Rennrodel-Ideallinie im Eiskanal.

By   /  November 11, 2016  /  Comments Off on Mit BMW Motorsport Messtechnologie zur Perfektion der Rennrodel-Ideallinie im Eiskanal.

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MIL OSI – Source: BMW Group –

Headline: Mit BMW Motorsport Messtechnologie zur Perfektion der Rennrodel-Ideallinie im Eiskanal.

Innovative BMW Motorsport-Messtechnologie wird erstmalig zur
Optimierung der Rennrodel-Performance eingesetzt.

Abweichungen von der Ideallinie können präzise analysiert werden.

Olympiasieger und Weltmeister Felix Loch begeistert von den
gewonnen Erkenntnissen.

München. Erstmalig haben BMW Motorsport Ingenieure modernste
Mess- und Analysetechnologie von der Rennstrecke für den Eiskanal
adaptiert. Die erfassten Daten ermöglichen es den Rennrodlern des
Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD) ihre Fahrten
präzise auszuwerten und entsprechend zu optimieren.
„Eine Runde auf der Rennstrecke oder ein Lauf im Eiskanal – in beiden
Fällen geht es da um Hundertstel- bzw. sogar Tausendstelsekunden, die
man herausholen muss, um auf dem Podium ganz oben zu stehen.
Innovative und präzise Messtechnologie und Datenanalysen sind ein
Schlüssel dazu,“ sagt BMW Motorsport Direktor Jens Marquardt. „Diese
Aufgabenstellung gibt uns die Möglichkeit, unsere Rennsport-Kompetenz
in einem anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld außerhalb des
Automobilbereichs unter Beweis zu stellen. Racing bleibt Racing – ganz
gleich ob auf Asphalt oder im Eiskanal. Entsprechend motiviert widmen
wir uns dem Technologietransfer in den Kufenrennsport.“
Seit fast drei Jahrzehnten leistet BMW mit seiner technologischen
Expertise und innovativen Infrastruktur einen wertvollen Beitrag für
Sportgeräte und Athleten des Bob- und Schlittenverbands für
Deutschland. Hierbei standen bisher die Optimierung von Aerodynamik
und Material im Fokus.
Rennrodel-Juniorenweltmeister Julian von Schleinitz, der neben seiner
aktiven Laufbahn als Athlet ein Ingenieursstudium absolviert, hatte
die Idee, die BMW Motorsport Ingenieure zu konsultieren und nach
Unterstützung im Bereich der Messtechnik zu bitten. Gemeinsam mit dem
dreimaligen Olympiasieger und Weltmeister Felix Loch tüftelten sie an
einem System, das es erstmalig ermöglicht, die bis zu 150 km/h
schnellen Fahrten präzise auszuwerten und minimalste Abweichungen von
der Ideallinie zu erfassen.
Herzstück der Messetechnologie ist ein Cluster von Sensoren, wie sie
in den BMW DTM-Fahrzeugen eingesetzt werden, darunter
Beschleunigungs-, Drehraten- und Temperatursensoren. Dieses System
ermöglicht es, verschiedene Läufe miteinander zu vergleichen und in
extrem hoher Auflösung zu analysieren. Bisher standen im Rennrodeln
dazu nur die Zwischenzeiten und das erfahrene Auge der Trainer zur Verfügung.
Die Rennrodel-Athleten erhalten somit wertvolle Informationen über
den Einfluss ihrer Anschub- und Steuerbewegungen auf die
Beschleunigung und Geschwindigkeit des Schlittens. Auch bei der Suche
nach der Ideallinie sowie bei der Berechnung der Eisreibung – die
physikalisch sehr komplex und bis heute noch nicht vollständig
verstanden ist – eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. BMW Motorsport
Ingenieur Sebastian Meyer hat das System in einen Rennschlitten
implementiert und gemeinsam mit Loch sowie dem sechsmaligen
Juniorenweltmeister von Schleinitz und Rodeltrainer Georg Hackl
getestet und weiterentwickelt. Die gewonnenen Erkenntnisse sind
beeindruckend, wie das Quartett im Gespräch bestätigt.

Felix Loch, Sie sind ein Rennrodler, der es sehr gut versteht,
nach einem Lauf präzises Feedback zu Ihren Fahrten zu geben. Wie
wertvoll sind diese neuen Analyse-Methoden?
Felix Loch: „Bei diesen neuen Methoden geht es darum, Fahrspuren zu
analysieren. Man braucht generell viel Erfahrung und viele Versuche um
sich der Idealspur zu nähern. Mit der Technologie von BMW Motorsport
kommen wir dem sehr hoch gesetzten Ziel des perfekten Laufes schneller nahe.“

Die Initiative stammt von Ihnen, Julian von Schleinitz. Wie
sind Sie auf die Idee gekommen?
Julian von Schleinitz: „Felix, Schorsch und ich hatten schon lange
das Ziel, unsere Auswertungen und Analysen zu verbessern. Wir haben in
viele Richtungen gedacht, wie wir das realisieren können. Dann kam die
Idee auf, Technik aus dem Motorsport einzusetzen. In BMW haben wir als
Technologiepartner des BSD den idealen Ansprechpartner. Sebastian
Meyer hat daraufhin einen Schlitten mit High-End-Technik ausgerüstet.
Am Ende der vergangenen Saison konnten wir dann schon erste
Testfahrten durchführen und uns die Systeme erklären lassen. Die
Ergebnisse waren von Anfang an sehr beeindruckend, wir konnten sofort
interessante Erkenntnisse gewinnen.“

Sebastian Meyer, wie sind Sie mit der Herausforderung
umgegangen, diese Technologie vom Motorsport für den Rennrodelsport
zu adaptieren?
Sebastian Meyer: „Die besondere Herausforderung dieser Aufgabe war,
die extrem eingeschränkten Platzverhältnisse im Rennrodel bestmöglich
zu nutzen. Auch die Herangehensweise im Kufenrennsport ist eine
andere: Ein Testtag beim Rennrodeln ist auf vier bis fünf Läufe
beschränkt, da die Kräfte, die auf den Athleten im Eiskanal einwirken,
extrem hoch sind. Das macht es für uns Ingenieure so spannend: Aus
einer sehr begrenzten Datenmenge müssen wir das Maximale herausholen.
Das ist im Motorsport prinzipiell genauso. Technologie in eine andere
Sportart zu transferieren, ist methodisch und analytisch immer ein
Erkenntnisgewinn für beide Seiten. Die neuen Erfahrungen sind deshalb
auch für unsere Arbeit im Motorsport nützlich.“

Felix Loch, welche neuen Erkenntnisse haben Sie durch die BMW
Motorsport Technologie gewonnen? Wie nahe kommen Sie der Ideallinie?
Loch: „Wir sind noch im Anfangsstadium und müssen uns in das Thema
noch viel stärker einarbeiten. Mit der Unterstützung von den BMW
Motorsport Renningenieuren wollen wir uns immer weiter verbessern. Das
Ziel ist es, den
perfekten Lauf hinzubekommen, auch wenn das eigentlich fast nicht
möglich ist. Aber wir können uns Dank der der BMW Technologie die
schwierigen Passagen der Strecken deutlich schneller erarbeiten.“

Julian von Schleinitz, welches zusätzliche Potenzial
versprechen Sie sich in Zukunft noch von dieser Mess-Technologie?
Kann diese auch für andere Eiskanal-Disziplinen genutzt werden?
Von Schleinitz: „Für den Rodelsport verspreche ich mir durch das
System weitere Fortschritte auf mehreren Ebenen. Wir stehen bei der
Datenanalyse in manchen Bereichen noch am Anfang und sind noch nicht
in der Lage, das volle Potenzial auszunutzen. Ich arbeite derzeit an
einem Analyse-Programm, welches speziell auf die Anforderungen im
Rodelsport zugeschnitten ist. Zwar ist die Methodik vergleichbar mit
dem Motorsport, so dass wir schon sehr viel von der Erfahrung von BMW
profitiert haben. Aber dennoch: Ein Rennrodel ist eben kein Rennauto.
Es gibt bei uns keine Gangwechsel, dafür müssen wir die Gegebenheiten
in Steilkurven berücksichtigen und interessieren uns sehr für die
Reibung auf Eis. Was den Bob- und Skeletonsport betrifft, so sehe ich
gute Chancen, unsere Vorgehensweise zu übernehmen und die gewonnenen
Ergebnisse zu übertragen. Beim Skeleton dürfte das beengte
Platzangebot für Sensoren eine Herausforderung werden, in den Bobs
hingegen sollte das System problemlos anwendbar sein.“

Sebastian Meyer, welche Weiterentwicklung des Systems können
Sie sich aus Ingenieurssicht vorstellen? Können Sie auch
Erkenntnisse für den Motorsport gewinnen?
Meyer: „Wir haben uns mit dem aktuellen System darauf fokussiert, die
Fahrt des Rennrodels genauestens zu analysieren und in kleinste
Bruchstücke aufzuteilen. Weitere wichtige Erkenntnis versprechen wir
uns auch von der Möglichkeit, den Einfluss des Fahrers auf sein
Sportgerät zu messen. Weitere zusätzliche Sensoren könnten
beispielsweise die Kräfte, die auf die Kufen wirken, und deren
Verformungen aufzeichnen. Damit könnten wir Athleten und Trainern noch
präziser Feedback zu den jeweiligen Läufen geben, so dass möglichst
exakt die Ideallinie durch den Eiskanal getroffen wird.“

Georg Hackl, Sie gelten als der Rodel-Tüftler schlechthin. Wie
bewerten Sie diesen BMW Technologie-Transfer?
Georg Hackl: „Wir schätzen BMW schon sehr lange als einen großartigen
Partner, dessen Technologie-Expertise und modernste Infrastruktur uns
an vielen Stellen enorm weiterhilft. Nun kommt auch noch der Transfer
aus dem Motorsport hinzu. Der BSD erhofft sich von dieser innovativen
Messtechnik, dass wir uns in allen BSD-Disziplinen bei der Analyse der
Fahrspuren entscheidend weiterentwickeln.“

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