Vogelgrippe H5N8 wieder in Deutschland

By   /  November 11, 2016  /  Comments Off on Vogelgrippe H5N8 wieder in Deutschland

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

Headline: Vogelgrippe H5N8 wieder in Deutschland

Geflügelpest gefährdet auch Wildvögel

Nach zweijähriger Pause tritt seit November 2016 die ursprünglich aus Ostasien stammende H5N8-Variante der Geflügelpest, eines hoch pathogenen Vogelgrippevirus, wieder in Deutschland auf. Der NABU fordert, dringend nach den Quellen der Viren in der Geflügelwirtschaft zu suchen und diese auszuschalten, da sie eine Gefahr für Wildvögel sind.

An Vogelgrippe verendete Reiherenten am Großen Plöner See – Foto: Carsten Pusch, NABU Schleswig-Holstein

09.11.2016 – Seit dem 7. November werden zahlreiche tote Wasservögel am Großen Plöner See in Schleswig-Holstein und am Bodensee gefunden. Inzwischen konnte als Todesursache, das erstmals im November 2014 in Deutschland aufgetretene, seitdem aus Europa aber wieder verschwundene hoch-pathogene Vogelgrippe-Virus H5N8 (HPAI H5N8) festgestellt werden. Unter den inzwischen über 230 tot gefundenen Vögeln finden sich vor allem Reiherenten, eine sich ausschließlich auf Gewässern aufhaltende Tauchente.Bereits am Tag der ersten Totfunde wurde das Virus auch als Todesursache von 70 Wasservögeln in Polen nahe der deutschen Grenze bei Stettin identifiziert. Kurz zuvor hatte Ungarn aus einer Region nahe der rumänischen Grenze einen infizierten Höckerschwan und einen betroffenen Putenmastbetrieb gemeldet. Reflexartig weisen offizielle Stellen auf die Verbreitung des Virus durch ziehende Wildvögel und die damit einhergehende Gefährdung für kommerzielle Geflügelhaltungen hin. Die Rolle des internationalen Handels mit Hausgeflügel und der Entsorgung von Abfallstoffen aus der Massentierhaltung bei der Entstehung und Verbreitung der Geflügelpest und die daraus resultierende Gefahr für Wildvogelbestände wird dabei häufig verdrängt.

Ursprung des Virus in der Massentierhaltung

Wissenschaftler sind sich einig, dass die hoch-pathogenen Vogelgrippe-Viren ursprünglich in kommerziellen Geflügelbetrieben entstehen, anschließend aber auch Wildvögel befallen können. Diese können das Virus zwar in der Wildpopulation regional verbreiten, aber eine Übertragung zurück auf Hausgeflügel wurde bisher nie zweifelsfrei nachgewiesen. Sowohl in Amerika als auch in Europa ist das HPAI-H5N8-Virus nach dem Ausbruch im Herbst 2014 sehr schnell wieder aus der Wildvogelpopulation verschwunden und konnte seitdem nicht mehr festgestellt werden. Dies zeigt einmal mehr, dass sich ein hochpathogenes Virus nicht lange in Wildvogelbeständen halten kann und dort stattdessen immer wieder neu aus der Geflügelhaltung eingetragen wird. Diese Erkenntnis wird inzwischen auch von Virologen und Veterinären geteilt.Zwar können frisch infizierte Wildvögel noch ein paar Tage leben und das Virus woanders hinbringen, doch scheint die Virenweitergabe im Freiland extrem schwierig zu sein: Von den rund 150.000 im Kältewinter 2006 bei Rügen in eisfreiene Bereichen rastenden Wasservögeln starben rund 6000. Knapp 5000 davon wurden auf Vogelgrippeviren untersucht und bei 158 wurde das damals zirkulierende H5N1-Virus nachgewiesen. Würden sich Wildvögel leicht untereinander anstecken, hätten Tausende von Vögeln an dem Virus sterben müssen.Naheliegend ist daher, dass Wildvögel zwar bei der regionalen Verbreitung des Virus bei einem akuten Ausbruch eine Rolle spielen können, während das Reservoir des Virus die internationalen Hausgeflügelbestände sind, und die interkontinentale Verbreitung des Virus durch den Handel wesentlich wahrscheinlicher ist als eine stafettenartige Verbreitung über mehrere sich kreuzende Flugrouten von Zugvögeln über mehr als eine Zugsaison hinweg.

Ansteckungsgefahr für Wildvögel

Durch das Virus besonders gefährdet: die Tafelente – Foto: Frank Derer

Der NABU weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine Ansteckung von Wildvögeln durch Hausgeflügel wesentlich wahrscheinlicher ist als der umgekehrte Weg: Das Virus trat in Europa in Hausgeflügelbeständen bisher immer nur in eigentlich hermetisch abgeschlossenen großen Betrieben, aber nie in kleineren und mit Wildvögeln eher in Kontakt stehenden Freilandbeständen auf. Zudem ist es viel wahrscheinlicher, dass Wasservögel mit nicht ordnungsgemäß entsorgten Abfallprodukten der Geflügelwirtschaft (Eintrag von Geflügelkot oder –Kadavern in Gewässer) in Kontakt kommen, als dass infizierte Wasservögel – wie z.B. im aktuellen Fall für Rast und Nahrungssuche an tiefere Gewässer gebundene Reiherenten – Zugang zu Intensivmastbetrieben haben. Im aktuellen Fall ist es denkbar, dass sich Reiherenten auf ihrem Zug aus dem Osten in ihre Überwinterungsgebiete in Mitteleuropa z.B. an einer mit Geflügelkot gedüngten Fischteichanlage in Osteuropa angesteckt haben und von dort in die aktuell betroffenen Gebiete weitergezogen sind. Das der intensiven Massentierhaltung entspringende Virus ist damit auch eine Gefahr für wilde Wasservogelbestände, insbesondere dort, wo sich mangels anderer geeigneter Lebensräume große Vogelmengen in kleinen Schutzgebieten konzentrieren. Der Sommer 2007 ist noch in Erinnerung, als 285 von rund 450 auf dem Stausee Kelbra in Thüringen lebende seltene Schwarzhalstaucher durch eine H5N1-Infektion umkamen. Besonders bedroht erscheint derzeit die oft gemeinsam mit der Reiherente in Deutschland überwinternde Tafelente, die seit 2015 als weltweit gefährdet gilt und mit 90.000 Individuen europaweit vor allem in Deutschland überwintert.

Infektionswege identifizieren und ausschalten

Der NABU fordert, dass alle Anstrengungen unternommen werden, die genauen Infektionswege der betroffenen Vögel zu identifizieren, um diese in Zukunft ausschalten zu können, auch wenn diese im aktuellen Fall vermutlich außerhalb Deutschlands zu suchen sind. Besondere Anstrengungen müssen unternommen werden, die Waren- und Materialströme großer kommerzieller Geflügelhaltungen (Küken, Bruteier, Futtermittel, Abluft und Abfallstoffe, Transporte zu Schlachthöfen) zu untersuchen, um mögliche Quellen für einen Eintrag der Viren in Betriebe, aber insbesondere auch mögliche Quellen für einen Austrag in die Umgebung und damit für die Ansteckung von Wildvögeln zu identifizieren, etwa durch Futtermittelreste, Abwässer oder Mist aus den Massentierhaltungen. Dabei sollten auch mögliche illegale Praktiken in Betracht gezogen werden.Wildvögel müssen vor Ansteckungen durch die Geflügelwirtschaft geschützt werden. Daher sind strikte Bio-Sicherheitsmaßnahmen für alle industriellen Nutzgeflügelbetriebe umzusetzen. Entsprechende Betriebe dürfen in Zukunft nicht mehr in Konzentrationsgebieten von Wildvögeln genehmigt werden.Die Geflügelpest ist wie der Name schon sagt in erster Linie eine Tierkrankheit. Nur bei sehr engem Kontakt zwischen infizierten Tieren und Menschen besteht die Gefahr einer Übertragung und Risiken für die menschliche Gesundheit. Durch die Vermischung von Tier- und Menschengrippeviren kann es allerdings zu hochpathogenen, leicht unter Menschen verbreitbaren Erregern kommen. Bürger sollten daher den direkten Kontakt mit Wild- und Nutzgeflügel und deren Kot vermeiden und entsprechende Hygienemaßnahmen beachten. Aufenthalte an Gewässern oder Vögel am Futterhaus dürften jedoch unproblematisch sein.

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