Projekt Wunstorf: Die größte Baustelle der Bundeswehr

By   /  November 16, 2016  /  Comments Off on Projekt Wunstorf: Die größte Baustelle der Bundeswehr

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MIL OSI – Source: Bundesministerium Der Verteidigung –

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Wunstorf, 15.11.2016.Um 40 Transportflugzeuge vom Typ A400M unterzubringen, braucht man Platz – sehr viel Platz. In Wunstorf hat man diese Mammutaufgabe in Angriff genommen. Mit einem Auftragsvolumen von 565 Millionen Euro ist der Komplettumbau des Fliegerhorsts zurzeit die größte Baustelle der Bundeswehr.

Der A400M ist wesentlich größer und schwerer als die Transall, die seit Ende der sechziger Jahre in Wunstorf im Einsatz war. Damit die notwendigen Abstände zwischen abgestellten und rollenden Flugzeugen eingehalten werden und das fast dreifache maximale Startgewicht des A400M auf Dauer keine Schäden verursacht, müssen neben den Hallen auch alle Flugbetriebs- und Abstellflächen erneuert werden. Die ersten Bauabschnitte begannen bereits im September 2009.Oberleutnant Thorsten Lorenz, Infrastrukturoffizier des Lufttransportgeschwaders 62 (LTG62) kennt die Baustellen des Fliegerhorstes so gut wie kein anderer. Über die ganze Kaserne verteilt, betreut er große und kleine Baumaßnahmen. „Der Grenzwert liegt bei zwei Millionen Euro. Alles darunter fällt unter die Kategorie Kleinprojekt“, erklärt Lorenz. Das aber auch diese kleinen Baumaßnahmen viel Zeit und Arbeit kosten, weiß der Infrastrukturoffizier nur zu gut: „Zu Beginn mussten wir in einigen Bereichen mit Schätzungen arbeiten, da noch keine genauen Angaben zum A400M vorlagen. Jetzt müssen wir diese Baumaßnahmen anpassen.“ Beispiel hierfür ist die Krananlage in einer der Instandsetzungshallen. Diese war zuerst für 3,5 Tonnen ausgelegt. Nachdem klar wurde, dass das Triebwerk zusammen mit dem Getriebe und der Luftschraube angehoben wird, musste die Krananlage auf fünf Tonnen umgerüstet werden.nach obenGanz andere Dimensionen als die TransallDer Airbus 400M bringt nicht nur andere Dimensionen als die Transall mit sich, auch aus technischer Sicht ist er viel anspruchsvoller. Daher muss die Liegenschaft des LTG62 an den Airbus angepasst werden. Das bedeutet zum einen, dass die Abstellplätze mit versenkbaren Energieversorgungssystemen neu gebaut werden. Zum anderen werden die Straßen und Rollwege an den Hallen neu angelegt, denn „der Mindestabstand von acht Metern zu einem parkenden Flugzeug kann sonst nicht mehr gewährleistet werden“, erklärt Lorenz. Die neu gebaute Feuerwache bietet schnelle Einsatzmöglichkeiten auf dem Flugplatz. (Quelle: Luftwaffe/Markus Schulze )Größere Abbildung anzeigenEine Herausforderung, denn umgebaut wird bei laufendem Betrieb. Gelöst wurde das Problem durch das Aufteilen in mehrere Bauabschnitte. So finden Ausbildungs- und normaler Flugbetrieb trotzdem reibungslos statt. Was für die Flugbetriebsflächen gilt, trifft auch für die Instandsetzungshallen zu. „Der erste Bauabschnitt ist seit Anfang 2015 abgeschlossen. Im Moment sind die Baumeister mit der zweiten Halle beschäftigt“, so Lorenz.nach obenSymbiose aus Alt und Neu Zwischen modern eingerichteten Stuben und einem Hackschnitzelheizwerk hat der Fliegerhorst jedoch auch Raum für Historisches. Aus den 1930er Jahren gibt es hier einen alten, aber noch gut erhaltenen Kinosaal, der einmal im Monat für Besprechungen genutzt wird. Ebenfalls aus den 1930ern stammen mehrere Hangars aus Holz. Sie wurden bislang genutzt, um die Lagerkapazitäten des Standortes zu erweitern. Sie müssen aber demnächst abgerissen werden, um anderen Gebäuden Platz zu machen. Ein Kontrast dazu ist die moderne Feuerwache des Fliegerhorstes, die seit 2014 in Betrieb ist. Sie ist auf die neuen Löschfahrzeuge der Luftwaffe und auf den Flugbetrieb mit dem A400M abgestimmt. Ein Vorzeigemodell für sämtliche neuen Feuerwachen der Bundeswehr. Besonders froh sind die Feuerwehrmänner und -frauen über die neue Schlauchreinigungsanlage, die die Arbeit in der Wache entschieden vereinfacht.nach obenMehr Platz für die „große Maschine“ Schon seit November 2013 wird an einer Wasch- und Wartungshalle gebaut, in der drei A400M Platz haben. Die Halle hat eine Fläche von rund 20.000 Quadratmetern. Alle drei Stellplätze sind den Konturen des A400M angepasst. Die Maschinen werden vorwärts, also mit der Nase voran, in die Halle geschleppt. Dann verlässt das Schleppfahrzeug die Halle auf der Rückseite. „Für das Schleppen des A400M in die Hallen mussten wir neue Fahrzeuge anfordern, die dieses Gewicht, das deutlich höher ist als das der Transall, ziehen kann“, erklärt Lorenz. Die Halle soll noch dieses Jahr fertig werden. Zu den wichtigsten Einrichtungen gehört auch das AirMedEvac-Gebäude. Hier werden künftig die Patiententrageeinheiten und weiteres notwendiges Material und Personal für sogenannte MedEvac-Operationen, also medizinische Evakuierungen, untergebracht. In der Nähe wird ein A400M mit medizinischer Ausstattung ständig bereitgehalten, um Patienten schnell aus dem Einsatz in sichere Gebiete transportieren zu können. Dieses Flugzeug hat die erforderlichen Kapazitäten, um während des Fluges die intensivmedizinischen Behandlungen fortzuführen. Innerhalb von sechs Stunden müssen Flugzeug und Besatzung starten können, um überall auf der Welt zu operieren. Oberleutnant Lorenz erklärt die Möglichkeiten und Schwierigkeiten beim Ausbau der Kaserne. (Quelle: Luftwaffe/Markus Schulze )Größere Abbildung anzeigennach obenWillkommensschild aus einem alten Transall-LeitwerkDas Willkommensschild an der Hauptwache zeigt, wie engagiert sich die Soldaten beim Umbau ihres Standortes einbringen. Das große Schild besteht aus dem Leitwerk einer außer Dienst gestellten Transall, das von den Soldaten gestaltet und aufgestellt wurde. Wie schwierig es ist, eine Genehmigung für einen solchen Truppenselbstbau zu erhalten, weiß Oberleutnant Lorenz nur zu gut: „So eine Genehmigung wird sehr selten erteilt. In den meisten Fällen wird sie abgelehnt. Deshalb können die hier beteiligten Soldaten stolz darauf sein, dass ihr Willkommensschild hier stehen darf.“ nach oben

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