Kampf gegen den IS: Ausbildung gegen Sprengfallen

By   /  November 17, 2016  /  Comments Off on Kampf gegen den IS: Ausbildung gegen Sprengfallen

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MIL OSI – Source: Bundesministerium Der Verteidigung –

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Erbil, 16.11.2016.Der Kampf um Mossul dauert an. Medien, die Peschmerga- und irakische Einheiten begleiten und berichten von unzähligen Sprengfallen, die der „IS“ in zahlreichen Ortschaften gelegt hat. Bevor diese Orte als befreit gelten können und die Bevölkerung in ihre Häuser zurück kann, müssen diese Sprengfallen beseitigt werden. Eine Aufgabe, die Fachwissen und Fingerspitzengefühl erfordert.

Eine gespenstige Kulisse bietet die sogenannte „Tiger Town“ schon, aber auch optimale Ausbildungsbedingungen. Italienische und deutsche Soldaten des Kampfmittelabwehr-Trainingsteams bilden hier Peschmerga-Kämpfer aus. Beim Aufspüren und Beseitigen von Kampfmitteln des sogenannten „Islamischen Staates“ sind praktische Erfahrungen unerlässlich. nach obenOptimale Kulisse Bevor sich die „Entschärfer“ dem vermuteten IED nähern, bereiten sie eine Zugvorrichtung vor. Mit ihr können sie ein IED aus sicherer Entfernung aus dessen Versteck ziehen. (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter )Größere Abbildung anzeigenIn der nicht fertiggebauten Wohnsiedlung am Rande von Erbil üben sie den richtigen Umgang mit Sonden, Haken-Leinen-Satz und Sprengstoff. Das komplett leerstehende Viertel, das die Stadtverwaltung von Erbil dem „Kurdistan Training Coordination Center“ (KTCC) zur Nutzung überlassen hat, eignet sich dafür perfekt. Unfertige Häuser, teils schon mit Fenstern und Türen, abgestellte Baumaterialien, Schutt und sandige Wege, auf denen Wildpflanzen wuchern – überall lassen sich IED-Attrappen verstecken.Damit kommen die Ausbilder nah heran an die Realität, die die Peschmerga an der Front vorfinden. Dort verlegte der „IS“ in den vergangenen Monaten unzählige Sprengsätze, die nun vollständig entschärft werden müssen. Eine tödliche Gefahr, auch für die Bewohner, die in Flüchtlingslagern darauf warten, in ihre Ortschaften zurückzukehren. nach obenDrei Wochen intensive Ausbildung An Modellen verdeutlichen die Ausbilder den Peschmerga bestimmte Vorgehensweisen, bevor sie diese in der praktischen Ausbildung anwenden (Quelle: Bundeswehr/Simon Hofmann)Größere Abbildung anzeigenDie erste Woche nutzen die Ausbilder, um den Peschmerga theoretische Grundlagen zu vermitteln. In der zweiten Woche folgen dann Ausbildungen an der Ausrüstung, die jedem kurdischen Kampfmittelräumzug zur Verfügung steht. Während die Ausbilder den „Suchern“ auf einem Lehrpfad das frühzeitige Aufspüren von IED-Komponenten und -Verstecken beibringen, lernen die „Entschärfer“ unter anderem das Durchtrennen von Kabeln mittels Sprengkapseln und die Unschädlichmachung von IED mit Hilfe von Wasserladungen.In kurdischen Kampfmittelräumzügen werden die Aufgaben des Suchens und Entschärfens geteilt“, erklärt Hauptfeldwebel Lars H. In Deutschland ist er stellvertretender Zugführer des Kampfmittelabwehrzuges der Mindener Pioniere. Hier im Irak gehört er zum Mobilen Training Team „Counter-IED“.„Die Sucher sind bei jeder Peschmerga-Patrouille dabei. Mit ihren Sonden spüren sie Metallanteile von im Boden versteckten Sprengladungen auf. Zusätzlich achten sie auf alle Auffälligkeiten, wie verdächtig verlaufende Kabel. Sobald sie sich sicher sind, ein Bestandteil eines IED gefunden zu haben, verständigen sie die ‚Entschärfer‘“, erklärt der Kampfmittelräumungs-Experte. Mit einem Haken-Leinen-Satz und verschiedenen Sprengmitteln machen die „Entschärfer“ anschließend die versteckten Sprengladungen unschädlich. nach obenPraktische Ausbildung ist wichtig Plastikplättchen auf dem Boden zeigen an, bis zu welchem Punkt schon gesucht wurde (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter )Größere Abbildung anzeigenIn der dritten Trainingswoche lernen die Peschmerga, ihre Kenntnisse in von Ausbildern entworfenen Lagen anzuwenden.Hauptfeldwebel Lars H. steht zwischen den leerstehenden Häusern der Ausbildungseinrichtung. Mit italienischen Ausbildern beobachtet er zwei Kurden, die mit der Sonde konzentriert die Straße zwischen den Häuserzeilen absuchen. „Die Lage hier ist, dass sich die Peschmerga auf einer Patrouille befinden und nun auf eine Stelle gestoßen sind, an der sie ein verstecktes IED vermuten“, erklärt H. „In so einer Situation müssen sie im Umkreis um die Stelle nach weiteren Anzeichen suchen, zum Beispiel nach Kabeln, die zum Fund führen.“Tatsächlich machen sich die Peschmerga auf und setzen ihre Suche im Umkreis der Stelle fort. Einer gibt Handzeichen – die „Sucher“ sind auf so ein verdächtiges Kabel gestoßen. Es könnte zur Zündung eines IED dienen. „Der ‚Sucher‘ legt das Kabel nur frei. Zum Durchtrennen wird dann der ‚Entschärfer: gerufen“, erläutert H. weiter. Kurze Zeit später ist das Kabel mittels einer Sprengkapsel aus sicherer Entfernung durchtrennt. Hauptfeldwebel Lars H. kommentiert: „Manche Sprengsätze haben sogenannte Spannungsabfallschaltungen und explodieren, sobald ein Kabel durchtrennt wird. Aus der Distanz ist das Durchtrennen gefahrloser.“ nach obenAufgabenteilung beim Entschärfen Der „Entschärfer“ hat die versteckte Sprengfalle gefunden. Jetzt kann sie unschädlich gemacht werden (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter )Größere Abbildung anzeigenWieder am Ausgangspunkt vor dem vermuteten IED, in einem Übergang über einen Graben mit danebenliegenden Betonröhren, machen sich die „Entschärfer“ an die Arbeit. Sie müssen nun feststellen, ob beim Übergang tatsächlich ein versteckter Sprengsatz lauert.Die zwei Peschmerga beginnen mit der Einrichtung eines sicheren Ausgangsortes in der Nähe der Stelle. Gut gedeckt von einer Hauswand bereiten sie ihre Ausrüstung vor. Beim Einhaken der Leine der Zugvorrichtung am entdeckten Sprengsatz. Aus der Deckung kann der „Entschärfer“ es so später aus dem Versteck ziehen. (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter )Größere Abbildung anzeigenIn ihrer Tragetasche nehmen sie unter anderem Leinen, Umlaufrollen und Haken mit. Damit lassen sich Sprengsätze aus der Distanz aus einem Versteck herauszuziehen, mit Sprengschnur und -Kapseln lassen sich diese dann unschädlich machen.Vorsichtig nähern sich die beiden Peschmerga dem Übergang an. Dabei halten sie immer wieder inne und beobachten die Umgebung genau. Nur so können sie zusätzliche Fallen, wie Drähte oder vergrabene Auslöser, rechtzeitig erkennen. Am Übergang finden sie ein weiteres Stück Kabel, offenbar das, welches vorhin an anderer Stelle bereits durchtrennt wurde.Entwarnung kann trotzdem noch nicht gegeben werden – ein versteckter Sprengsatz könnte auch auf eine andere Weise ausgelöst werden. Das IED entdecken die Peschmerga nach vorsichtiger Suche dann in einer der Betonröhren. Mit raschen Handgriffen bauen sie eine Zugvorrichtung, um – aus der Deckung heraus – das IED aus der Röhre ziehen zu können. nach obenMotivierte Teilnehmer – zufriedene Trainer Kaum freigelegt, ist der improvisierte Sprengsatz wenig später entschärft. Die Ausbilder sind zufrieden: „Sie wissen, um was es hier geht.“ Für die Kurden gehe es nach dieser Ausbildung direkt an die Front, dementsprechend seien sie auch motiviert. „Bei jedem Ausbildungsabschnitt fragen sie viel nach, wollen alles genau wissen. Man merkt, dass ihnen dieses Training sehr wichtig ist.“Nur einen Tag später bewiesen die Peschmerga in der Abschlussübung, dass sie in den vergangenen Wochen viel mitgenommen hatten. Alle bekommen anschießend ihre begehrten Zertifikate. Sie bescheinigen die erfolgreiche Teilnahme an der Ausbildung.Der Abschluss der Ausbildung bedeutet für die Peschmerga aber auch die Rückkehr an die Front. Dort müssen sie das erworbene Wissen nun einsetzen – das notwendige Handwerkszeug haben sie bekommen. nach oben

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