Flüchtlingshilfe – Schnellkurs für ein neues Leben

By   /  November 18, 2016  /  Comments Off on Flüchtlingshilfe – Schnellkurs für ein neues Leben

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MIL OSI – Source: Bundesministerium Der Verteidigung –

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Berlin, 17.11.2016, 16e37200.Hochinteressiert und motiviert: 21 aus Syrien stammende Frauen lernten in den letzten Wochen anhand von realistischen Beispielen, wie sie in Notsituationen richtig reagieren und helfen können. Zum Abschluss der vierwöchigen Ausbildung in Berlin gratuliert Ursula von der Leyen den Syrerinnen.

Jetzt wird es ernst. „In der U-Bahn hat es eine Schlägerei gegeben, ein Mann liegt leblos am Boden”, sagt Oberfeldwebel Marie Blome und gibt den Frauen ein Zeichen. Nissrin Jatto und Rasha Syriani stürzen zur Übungspuppe. Sie sprechen sie an – keine Antwort. Sie prüfen den Puls – es ist keiner da. Syriani beginnt sofort mit der Herzdruckmassage, Jatto übernimmt die Mund-zu-Mund-Beatmung. Blome guckt genau zu und zählt mit, ob das Timing passt. Die Reanimation gelingt, Syriani setzt auf Deutsch einen Notruf ab und schaut zu ihrer Ausbilderin. Blome nickt zufrieden. „Sehr gut, danke. Ich habe aber auch nichts anderes erwartet”, lobt sie die Frauen. Die Generalprobe vor dem Besuch der Verteidigungsministerin war erfolgreich. nach obenVier Wochen SanitätslehrgangJatto und Syriani gehören zu einer Gruppe von 21 syrischen Frauen, die eine vierwöchige Sanitätsausbildung an der Julius-Leber-Kaserne in Berlin durchlaufen. Seit dem 24. Oktober werden die Frauen für die Notfallrettung und pflegerische Tätigkeiten qualifiziert. Sie wurden in die Grundlagen der Anatomie eingewiesen, haben einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert und die Versorgung von Verletzten trainiert. Am Donnerstag haben die Frauen Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu zeigen: Ursula von der Leyen kommt nach Tegel, um den Syrerinnen zum Abschluss des Kurses zu gratulieren und die Zertifikate zu überreichen.Die Frauen sind zwischen 20 und 47 Jahre alt. Die meisten kommen aus Damaskus oder Aleppo, der Bürgerkrieg hat sie nach Deutschland verschlagen. In der Julius-Leber-Kaserne haben sie einen Acht-Stunden-Tag: Vormittags Theorie, nachmittags praktische Übungen. Dazwischen Mittagspause mit Verpflegung aus der Truppenküche. „Es ist anders als in der Rekrutenausbildung, die Motivation ist viel höher”, sagt Marie Blome. Die Frauen seien wissbegierig und wollten ihre Chance nutzen. Vier Wochen lernen und üben die Teilnehmer miteinander: Das Ausbildungsprogramm für die 21 aus Syrien stammenden Frauen ist ein voller Erfolg. (Quelle: Bundeswehr/Kehrberg)Größere Abbildung anzeigennach obenAbschluss der AusbildungsinitiativeDie 25-jährige Notfallsanitäterin bildet die Frauen zusammen mit sechs Kameraden aus. Der Kurs ist Teil der Ausbildungsinitiative für syrische Flüchtlinge, die Bundeswehr und Arbeitsagentur gemeinsam angestoßen hatten. Das Pilotprojekt läuft seit dem 29. August. Insgesamt 90 syrische Flüchtlinge an sechs Standorten machten mit. Angeboten wurden Kurse im Bau, im Handwerk, im technischen Bereich und im Sanitätsdienst. Die Kurse sollen helfen, im zivilen Leben Fuß zu fassen – sei es nach der Rückkehr nach Syrien oder auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland. Mit dem Besuch der Ministerin in der Julius-Leber-Kaserne findet das Pilotprojekt sein vorläufiges Ende.Die 29-jährige Rasha Syriani aus Damaskus kam mit ihren Eltern nach Deutschland. Sie hat Französische Literatur und Marketing studiert und tanzte Ballett an der Oper. Jetzt fährt sie jeden Tag aus dem östlichen Bezirk Marzahn ans andere Ende der Stadt, um den Sanitätskurs zu besuchen. „Ich will später im Marketing arbeiten, aber als Sanitäterin habe ich mehr Möglichkeiten”, sagt Syriani. Vor allem ihre Sprachkenntnisse müssten noch besser werden, sagt sie selbstkritisch. „Ich würde mir wünschen, dass der Kurs noch länger dauern würde.”Nisrin Jatto flüchtete mit ihrem Mann und den drei Kindern aus Al-Hasaka im Nordosten Syriens. Die Familie lebt jetzt in Neukölln. Jatto hat Wirtschaft und Handel studiert; nun probiert sie sich als Sanitäterin aus. „Ich wusste nicht, wie viel Verantwortung man in so einem Job trägt”, sagt sie, „ich habe hier eine Menge gelernt. Das ist gut für mich und meine Familie.” Vor allem die Freundlichkeit der Soldaten habe sie beeindruckt. „Die Ausbilder waren nie gestresst. Ich habe mich gleich wie in einer großen Familie gefühlt”, sagt Jatto. nach obenUnterricht auf DeutschDeutsch ist Unterrichtssprache, vier Sprachmittler assistieren bei Verständigungsproblemen. Die Stimmung ist locker, es wird viel gelacht. Die Frauen – teils mit, teils ohne Kopftuch – fühlen sich offenbar wohl, die Ausbilder genauso. Blome und ihre Kameraden wurden im Vorfeld mit einer interkulturellen Schulung auf die Aufgabe vorbereitet. „Wir wussten nicht, was uns erwartet. Aber gleich am ersten Tag wurde das Eis gebrochen – alle wollen unbedingt zeigen, was sie können”, sagt Blome, die selber auch zum ersten Mal mit Flüchtlingen arbeitet.Der Besuch von Ursula von der Leyen bietet Gelegenheit dazu. Aber nur wenige Frauen dürfen ihr Können vor der Ministerin demonstrieren. Blome lässt ein Barett mit Losen herumgehen. Die Verliererinnen reagieren enttäuscht – ein Kompromiss muss her. Die Ausbilder entscheiden, dass die Frauen nicht zu zweit, sondern in Dreierteams vor die Ministerin treten sollen. Ein Sprachmittler übersetzt, die Syrerinnen scheinen mit der Entscheidung zufrieden zu sein. „Und jetzt wieder schön fröhlich weitermachen”, empfiehlt Marie Blome den Frauen. Dann geht es zurück in den Unterricht.nach oben

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