Anleihen: US-Zinsen mit Sprung nach oben

By   /  November 19, 2016  /  Comments Off on Anleihen: US-Zinsen mit Sprung nach oben

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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18. November 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). In Erwartung einer US-Leitzinsanhebung im Dezember und höherer Staatsausgaben unter dem neuen Präsidenten Trump sind Zinsen kräftig gestiegen und Anleihekurse gefallen. So kletterte die Rendite zehnjähriger US-Treasuries von 1,78 Prozent vor der Wahl auf aktuell 2,32 Prozent. Die Nachrichtenagentur Bloomberg spricht vom größten Zweiwochenverlust seit 26 Jahren für Anleihen weltweit, gemessen am Barclays Global Aggregate-Index.
“Obwohl Donald Trump noch nicht in Amt und Würden ist, konnte er zumindest bei den zu erzielenden Renditen am Bondmarkt seinen Wahlslogan ‘Make America great again’ bereits umsetzen”, kommentiert Klaus Stopp von der Baader Bank.Werbung StoppZinsschritt wird kommen

Am gestrigen Donnerstag hat US-Notenbankchefin Janet Yellen abermals starke Signale für eine baldige Zinsanhebung ausgesendet. “Der Zinsschritt im Dezember ist jetzt ausgemacht”, bemerkt Arthur Brunner von der ICF Bank. Dem könnten sich die Rentenmärkte der übrigen Welt nicht entziehen. “Das gilt auch für die Eurozone. EZB-Direktor Yves Mersch hat diese Woche zudem angemerkt, dass der Zeitpunkt näher rücke, an dem über eine Änderung der EZB-Strategie gesprochen werden könne.”
“Die Zeit ewig niedriger Zinsen ist jetzt vorbei”, meint auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Der Euro-Bund-Future hat sich in dieser Woche nach dem deutlichen Rücksetzer zwar etwas stabilisiert, am Freitagmittag liegt der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen bei 160,52 Punkten, vor einer Woche waren es etwas weniger als 160 Prozent. Der Trend ist aber klar: Im September hatte der Euro-Bund-Future noch bei über 168 Punkten gelegen. Zehnjährige Bundesanleihen werfen mittlerweile wieder 0,31 Prozent ab – ein rasanter Anstieg gegenüber dem Juli, als es minus 0,193 Prozent waren. Daniel

Sorge um Italien
Auch die Zinsen in Europas Peripherie haben deutlich angezogen: So belaufen sich die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen Spaniens mittlerweile auf 1,65 Prozent nach 0,88 im September, für Italien sind es 2,15 Prozent nach 1,04 im August. Im Fall Italiens kommt die Angst vor dem Referendum am 4. Dezember dazu. “Die Stimmung ist gekippt”, erklärt Brunner. Bei der Abstimmung geht es darum, die politischen Prozesse zu verschlanken, so soll der Senat deutlich verkleinert und dessen Befugnisse beschnitten werden. Mittlerweile sieht es nach einem “Nein” der Italiener zu den Reformen aus. Käme es so, würde Ministerpräsident Matteo Renzi wohl zurücktreten.
“Käuferstreik” bei Unternehmensanleihen
Im Bereich der Unternehmensanleihen wurden Daniel zufolge vor allem extreme Langläufer abgegeben, etwa Papiere von Bayer (WKN A11QR6) mit Laufzeit bis 2075 und der Darmstädter Merck KGaA (WKN A13R96) mit Laufzeit bis 2074. Von einer allgemeinen Verkaufswelle bei Unternehmensanleihen will er nicht sprechen. “Das ist eher ein Käuferstreik.”
Ein großes “Hin und Her” gab es Brunner zufolge in VW-Hybridanleihen (WKN A1ZE21), die Anfang der Woche noch weiter verloren, dann aber wieder zulegen konnten. Aktuell notieren die Papiere wieder über 100 Prozent. Auslöser für die Erholung war die Meldung, dass sich VW mit den US-Behörden über die Entschädigung für Halter der Oberklassewagen der Marken VW, Audi und Porsche geeinigt hat.
Mittelstandsanleihen zeigten sich diese Woche etwas schwächer, wie Brunner meldet. “Offenbar bauen Fonds zum Jahresende ihre Positionen ab, bei den guten Bonitäten, etwa Karlsberg (WKN A2AATX), werden Gewinne mitgenommen.”
Währungsanleihen finden viel Beachtung
Viel um geht derzeit auch in US-Dollar-Anleihen, wie Daniel feststellt. “Da wird aber in beide Richtungen gehandelt.” Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar zuletzt stark verloren, am heutigen Freitag fiel die Gemeinschaftswährung erstmals seit Dezember 2015 unter die Marke von 1,06 US-Dollar. Der Dollar-Index, der die US-Währung ins Verhältnis zu wichtigen Devisen setzt, liegt aktuell auf dem höchsten Stand seit 2003.
Für an kleinen Stückelungen interessierte Privatanleger gab es in dieser Woche keine attraktiven Neuemissionen. “Viele US-Unternehmen nehmen Geld in der Eurozone auf und nutzen das ‚Geschenk’ von EZB-Chef Draghi: die niedrigen Zinsen”, erklärt Brunner. Die Emissionen richten sich aber an institutionelle Anleger.
von: Anna-Maria Borse 18. November 2016, © Deutsche Börse AG

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