Wochenausblick: Im Blindflug

By   /  November 21, 2016  /  Comments Off on Wochenausblick: Im Blindflug

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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21. November 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Trump-Rallye ist die Luft ausgegangen, denn die Unsicherheit über den tatsächlichen Kurs des neuen US-Präsidenten ist groß. “Noch ist unklar, ob die künftigen ‚Trumponomics’ eher in Richtung eines keynesianischen, nachfrageorientierten Deficit-Spendings gehen oder ob der ‚President elect’ den Staat zurückdrängen und damit dem freien Unternehmertum mehr Spielraum einräumen wird”, bemerkt Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud.
Vergangene Woche trat der DAX auf der Stelle, am Montagmorgen liegt der Index bei 10.642 Punkten nach 10.664,56 am Freitag ganz leicht im Minus. Auch der Dow Jones bewegte sich seitwärts und schloss die Handelswoche nur noch mit einem kleinen Plus von 0,1 Prozent bei 18.867,93 Punkten.
Pläne müssen auf den Tisch
Der LBBW zufolge muss die Hoffnung auf eine Belebung der US-Wirtschaft unter Trump nun mit konkreten Plänen untermauert werden. “Zudem mahnen das Treffen der Opec und das Verfassungsreferendum in Italien die Anleger zur Vorsicht.” Dennoch gehen die Analysten von einem versöhnlichen Jahresabschluss aus. Neben saisonalen Gründen stimmten unter anderem die sich verbessernden Gewinnaussichten der Unternehmen sowie der niedrige Investitionsgrad der Fondsmanager optimistisch. An der DAX-Prognose von 11.000 Punkten zum Jahresende hält die LBBW fest.
WerbungWoher kommt das Geld?
“Die Schätzungen für die Gewinne der US-Unternehmen fallen unter einem Präsidenten Trump zunächst sehr positiv aus”, erläutert Jens Herdack von der Weberbank. Die geplante Unternehmenssteuersenkung von 35 auf 15 Prozent würde die Unternehmensgewinne signifikant unterstützen, die geplanten massiven Infrastrukturprogramme erinnerten an die Reagan-Ära. “Dass die Refinanzierung dieser ganzen Ausgaben unklar ist und er ebenfalls über protektionistische Maßnahmen nachdenkt, gerät da in den Hintergrund.”
Dennoch werde das ohnehin positive Bild für US-Aktien zusätzlich verstärkt. Auch im Hinblick auf Stolpersteine in Europa, etwa Wahlen in Frankreich oder das italienische Referendum, sei es attraktiv, Positionen zu halten. “Das soll aber nicht heißen, dass europäische Unternehmen keine Opportunitäten aufweisen. Im Gegenteil: Die Gewinnschätzungen für eben jene wurden zuletzt wieder erfreulich angehoben.”
Charttechnik: Risiken steigenCharttechnisch ist laut Christian Schmidt von der Helaba die etablierte Handelsspanne intakt, der 21-Tagedurchschnitt bei 10.610 Punkten habe erneut als tragfähige Unterstützung fungiert. Allerdings weise er, ebenso wie die 55-Tagelinie bei 10.561 Zählern, keine steigende Tendenz mehr auf. “Damit würde bei einem Durchbruch nach unten ein gültiges Verkaufssignal sowohl im tertiären als auch im sekundären Zeitfenster ausgelöst.” Zuletzt schwache Umsätze, ein geringes Momentum sowie widersprüchliche Signale von Seiten verschiedener Indikatoren ließen das Rückschlagrisiko größer werden. Auf der Oberseite sei weiter die Widerstandszone von 10.800/10.827 “Maß aller Dinge”, auf der Unterseite müsse das Retracement bei 10.543 als potenzieller Trigger für eine Beschleunigung der Abwärtsbewegung im Auge behalten werden. SchmidtGrenze nach oben hält bisher
“Die obere Begrenzung der Seitwärtsphase, die seit August Bestand hat, konnte bislang nicht nach oben verlassen werden”, bemerkt Christian Henke vom Broker IG. Die Reihe aus mehreren Verlaufshochs bei 10.780 bis 10.830 Zählern hätten vehement Widerstand geleistet – und das auf allen Zeitebenen. Erst wenn diese Barriere signifikant überwunden werde, wäre das für den DAX die lang ersehnte Initialzündung. “Ein Ausbruch aus der Schiebezone könnte der Beginn der Jahresendrallye sein.”
Als erste Anlaufstelle fungiere die psychologische Marke bei 11.000 Punkten, anschließend könne es bis zum Zwischenhoch von November 2015 bei 11.434 Zählern weitergehen. Zusätzliche charttechnische Kursziele seien dann der ehemalige Aufwärtstrend bei aktuell 11.840 Punkten und im Anschluss die “runde” Zahl bei 12.000 Zählern. “Allerdings nützen diese Aussichten recht wenig, wenn die Seitwärtsphase nicht nach oben verlassen wird.” Ein neuerlicher Test der wichtigen Unterstützungszone bei 10.116 bis 10.000 könne nicht ausgeschlossen werden. Henke

In den nächsten Tagen berichten noch einige Unternehmen über das dritte Quartal, etwa die Eon-Abspaltung Uniper am Dienstag, Infineon am Mittwoch und ThyssenKrupp am Donnerstag.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Mittwoch, 23. November
10.00 Uhr. Deutsches Eigenkapitalforum in Frankfurt. Bis Mittwoch treffen sich dort Unternehmer und Investoren. Insgesamt präsentieren rund 200 Unternehmen auf Analystenkonferenzen. Details zum Programm auf target=”_blank”>eigenkapitalforum.com.

10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex November. Nach dem moderaten Wachstumskurs im dritten Quartal gibt es nach Ansicht der DekaBank keine Anzeichen dafür, dass die Konjunktur im vierten Quartal in die Knie gehen könnte. Sowohl für den Teilindex der Industrie als auch für die Dienstleister rechnen die Analysten lediglich mit einem leichten Stimmungsrückgang.
14.30 Uhr. USA: Auftragseingänge langlebige Wirtschaftsgüter Oktober. Die Commerzbank geht davon aus, dass Unternehmen 4,8 Prozent mehr Aufträge erhalten haben als im Vormonat. Der kräftige Anstieg gehe allerdings fast ausschließlich auf einen Einmaleffekt zurück, außergewöhnlich viele Flugzeugbestellungen.
Donnerstag, 24. November
USA: Thanksgiving. An der Wall Street wird nicht gehandelt.
10.00 Uhr. Deutschland: ifo-Geschäftsklima November. Nicht zuletzt wegen der Trump-Wahl dürften sich die Geschäftserwartungen etwas abgeschwächt haben, meint die DekaBank. Die ohnehin schon hohe politische Unsicherheit sei durch die Wahl abermals größer geworden. Die Lageeinschätzung und damit das gesamte Geschäftsklima seien aber wohl gestiegen.
20.00 Uhr. USA: Veröffentlichung Protokoll der US-Notenbanksitzung vom 2. November.
von: Anna-Maria Borse
21. November 2016, © Deutsche Börse AG

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