Forum Demografie – „Vereine sind in der Verantwortung”

By   /  November 23, 2016  /  Comments Off on Forum Demografie – „Vereine sind in der Verantwortung”

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MIL OSI – Source: DOSB –

Headline: Forum Demografie – „Vereine sind in der Verantwortung"

23.11.2016
Der demografische Wandel führt dazu, dass in zahlreichen Sportarten die Nachfrage durch Kinder und Jugendliche sinkt.

Die Referenten des LSB-Forums (vordere Reihe, v.l.): Prof. Dr. Ronald Wadsack (Ostfalia Hochschule Salzgitter), Prof. Dr. Lutz Thieme (RheinAhrCampus Remagen) und Prof. Dr. Eike Emrich (Universität des Saarlandes). Foto: LSB Rheinland-Pfalz

Das Forum „Demografische Entwicklungen und Sportnachfrage“, zu dem der Landessportbund (LSB) Rheinland-Pfalz in Kooperation mit dem Städtetag, dem Gemeinde- und Städtebund und dem Landkreistag Rheinland-Pfalz sowie dem Institut für Sportstättenentwicklung (ISE) ins Haus des Sportbundes Pfalz nach Kaiserslautern geladen hatte, habe aufgezeigt, wie Sportvereine und -verbände diesen Entwicklungen angemessen begegnen könnten, heißt es in einer Mitteilung des LSB.
„Der Begriff Bevölkerungspyramide passt eigentlich gar nicht mehr so recht“, sagte Prof. Eike Emrich, Vorsitzender des LSB-Kuratoriums Sportwissenschaft und Moderator der Veranstaltung, und prognostizierte bis zum Jahr 2060 einen Bevölkerungsrückgang von 20 Prozent. Der Sportökonom und Sportsoziologe von der Universität des Saarlandes skizzierte vor knapp 50 Zuhörern die demografischen Entwicklungen im Fußball.
Laut Emrich zeigen die Sportverbände Überalterungstendenzen. „Obwohl wir einen deutlich zurückgehenden Anteil an Kindern und Jugendlichen in der Bevölkerung haben, ist es dem Fußball gelungen, mehr davon zu rekrutieren – ein typischer Kannibalisierungseffekt, weil das ja nur zu Lasten anderer Sportarten gehen kann“, sagte er. Dem Fußball gelinge es sehr viel besser, jun-ge Menschen für sich zu gewinnen. Manche Fußballvereine wüssten nicht, wohin mit den Talenten – während viele andere Sportarten litten.
„Offensichtlich werden demografische Effekte von der Entwicklung der Nachfrage nach Fußball kompensiert, teilweise sogar überkompensiert“, sagte Emrich. Weil der Fußball „überaus attraktiv“ sei. Er verfüge über hohe mediale Präsenz (die ihm einen Wettbewerbsvorteil verschaffe), eine einfache Spielstruktur, eine hohe Attraktivität für Zuwanderer. Außerdem fänden sich hier alle Schichten, der Fußball sei beliebtes Thema geselliger Kommunikation und biete bessere Karrierechancen. „Aber auch der Fußball wird sich überlegen müssen, wie er flexible Spielsysteme etabliert, Spielgemeinschaften zustande bringt und vieles andere mehr, um den Rückgang an Kindern und Jugendlichen, der regional unterschiedlich ausfällt, zu kompensieren“, erklärte Emrich.
Während Stefan Henn vom Institut für Sportstättenentwicklung (ISE) der Europäischen Akade-mie des Rheinland-Pfälzischen Sports über aktuelle Projekte und Erfahrungen aus der Praxis informierte, stellte Prof. Ronald Wadsack von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Salzgitter die Frage in den Raum, ob Sportvereine die Dinosaurier der Zukunft seien.
„Die Vereine vor allen Dingen sind in der Verantwortung, Sport vor Ort zu gestalten“, betonte Wadsack. „Das muss den Verantwortlichen klar sein – sie sollen den Blick in die Zukunft richten – nach Möglichkeit über einen Saisonturnus hinaus.“ Die Vorständler müssten viel mehr überle-gen, wo der eigene Verein in fünf oder zehn Jahren stehen soll. Um wirklich fit für die Zukunft zu sein, gelte es, die Entwicklung der Vereinsumwelt aufmerksam im Blick zu behalten. Stichworte: Ressourcen-Sicherung und Ressourcen-Entwicklung.
Bei der bewussten Erarbeitung von Angeboten, die zum Verein passen („Strategische Entwicklung“), gelte es, Kreativität an den Tag zu legen. Von zentraler Bedeutung für den Vorstand sei dessen Entscheidungs- und Umsetzungskompetenz. Nicht zuletzt gelte es, lernfähig zu sein, alte Fehler nicht zu wiederholen und sich modernen Kommunikationskanälen nicht zu verschließen.
Chance für die Vereinsentwicklung?
Prof. Lutz Thieme, Mitglied des LSB-Kuratoriums Sportwissenschaft und Dozent am RheinAhr-Campus in Remagen, ging der Frage nach, ob Sport mit Älteren eine Chance für die Vereinsentwicklung darstellen könne, und präsentierte dazu die Ergebnisse einer qualitativen Analyse von Pilotprojekten in Nordrhein-Westfalen. Zentrale Frage: Welche Faktoren bestimmen die Entwicklung des Sports für Ältere in den Vereinen?
„Es kommt auf die Ressourcen an, auf die Vorerfahrungen und das Interesse der handelnden Personen zum Beispiel an Mitgliedergewinnung“, sagte Thieme. Verbänden riet er, bei ihren Mitgliedern Interesse für Veranstaltungen, Weiterbildung und Vereinsberatung zu wecken sowie degressiv Ressourcen bereit zu stellen und „lokale Innovatoren“ mit ins Boot zu holen – etwa aus Wohlfahrtsverbänden.
(Quelle: LSB Rheinland-Pfalz)

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