Auslandsaktien: Nur Delle bei Tech-Werten

By   /  November 25, 2016  /  Comments Off on Auslandsaktien: Nur Delle bei Tech-Werten

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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24. November 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Wall Street ist derzeit in Rekordlaune: Der Dow Jones kletterte am gestrigen Mittwoch auf ein neues Hoch von 19.083,76 Punkten. Der marktbreitere S&P 500 und der technologielastige Nasdaq Composite hatten am Dienstag Allzeithochs erreicht.
US-Technologieaktien hatten nach der Wahl von Trump allerdings erst einmal geschwächelt: So gab die Apple-Aktie von 111 US-Dollar am 8. November auf 104 US-Dollar am 14. November nach, Facebook von 124 auf 115 und Amazon von 787 auf 719 US-Dollar. “Das war ganz klar politisch getrieben”, erklärt Jan Vrbsky von der Baader Bank. “Ganz Kalifornien wählt demokratisch, die Chefs der Tech-Firmen haben sich für Hillary Clinton ausgesprochen, manche sogar regelrecht Stimmung gegen Trump gemacht.” Umgekehrt hatte Trump gegen die Branche auch schwere Geschütze aufgefahren, so hatte er angekündigt, Apple zwingen zu wollen, in den USA zu produzieren.
“Es wurde befürchtet, dass sich die von Trump avisierte Konzentration auf den Binnenmarkt, die Bevorzugung der ‚alten’ Industrie und die Abschottung des Landes auch gegenüber China negativ auf die Tech-Branche auswirken wird”, bemerkt Walter Vorhauser von Oddo Seydler.
Kurse steigen schon wieder

Doch die meisten Kursverluste sind längst wieder wettgemacht. An der Börse Frankfurt profitierten US-Tech-Aktien zusätzlich vom jüngsten US-Dollar-Anstieg. So kletterte Apple (WKN 865985) von 98 Euro Anfang vergangener Woche auf aktuell 115 Euro, Amazon (WKN 906866) von 670 auf 738 Euro – in beiden Fällen sind die Allzeithochs wieder in Sichtweite.
“Der Blick richtet sich wieder auf Unternehmensdaten”, meint Vrbsky. Apple entwickle sich zum Beispiel vom Wachstums- zum Substanzwert mit extrem hohen Gewinnmargen. “Eine Studie von Strategy Analytics hat gerade gezeigt, dass von den weltweit 9 Milliarden US-Dollar an Gewinnen aus Smartphone-Verkäufen aller Hersteller im dritten Quartal 91 Prozent an Apple flossen.” VrbskyFacebook hinkt hinterher
Nur Facebook (WKN A1JWVX) kann, was die Kurserholung angeht, nicht ganz mithalten – trotz extrem guter Quartalszahlen. Für Abgabedruck sorgte die Ankündigung, die Anzahl der Werbebeiträge im Newsfeed der App zu begrenzen, um die Nutzer nicht zu verprellen. “Facebook leidet außerdem darunter, dass es in China nicht Fuß fassen kann”, stellt Vrbsky fest. “Das Unternehmen arbeitet angeblich an einer Software, mit der eine dritte Partei Einträge zensieren kann, das wäre allerdings eine chinesische Institution.” Facebook ist seit 2009 in China gesperrt.
Kursverdopplung bei Applied Materials
Ein Allzeithoch erreicht hat unterdessen Applied Materials (WKN 865177), der weltweit größte Halbleitermaschinenbauer, wie Vorhauser berichtet. “Die aktuellen Quartalszahlen sind gut ausgefallen: Der Umsatz ist um 39 Prozent gestiegen, der Nettogewinn sogar um 82 Prozent.” Nach der umfassenden Neuaufstellung sei das Unternehmen jetzt wieder klar auf Wachstumskurs. “Applied Materials wird von den großen Trends Augmented Reality, Virtual Reality und Connected Cars profitieren.” Das kommt Aktionären zugute, der Aktienkurs hat sich seit Februar dieses Jahres mehr als verdoppelt, aktuell kostet der Titel knapp 30 Euro.
Tencent als Zukunftswert
Der chinesische Internetriese Tencent (WKN A1138D), Pendant zu Facebook, Twitter und Ebay, schaffte an der Börse Frankfurt Ende Oktober ein Allzeithoch, zuletzt ging es etwas nach unten. Seit Jahresanfang hat Tencent damit aber immer noch über 30 Prozent zugelegt, in den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs sogar verachtfacht.
Auch hier läuft das Geschäft: Im dritten Quartal konnte Tencent den Umsatz um 52 Prozent steigern, den Nettogewinn um 43 Prozent. “WeChat hat mittlerweile über 870 Millionen Nutzer und ist nicht mehr nur Plattform für das Versenden von Nachrichten, Fotos und Videos, sondern auch digitale Brieftasche”, erklärt Vorhauser. ” Anwender können mit WeChat Geld überweisen und an der Kasse bezahlen – eine Technik, die immer mehr Verbreitung findet.” Vorhauser

Viel Wahlkampfrhetorik

Die Technologiewelle rollt also weiter – und Analysten bezweifeln, dass sich Trump tatsächlich mit den US-Tech-Firmen anlegen wird. “In seinem Programm für die ersten hundert Tage kommen viele im Wahlkampf geäußerten Forderungen, etwa die Mauer nach Mexiko, gar nicht mehr vor”, bemerkt Vrbsky. “An der Digitalisierung geht kein Weg vorbei”, meint auch Vorhauser. “Das war nur eine kurzfristige Kursreaktion.”
von: Anna-Maria Borse 24. November 2016, © Deutsche Börse AG

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