Gewinnerin des Klimawandels

By   /  November 30, 2016  /  Comments Off on Gewinnerin des Klimawandels

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

Headline: Gewinnerin des Klimawandels

Die Gottesanbeterin ist Insekt des Jahres 2017

Die Gottesanbeterin gehört zu den Arten, die sich immer weiter nach Norden ausbreiten. Allgemein bekannt ist die Art für ihr außergewöhnliches Paarungsverhalten. Gelegentlich kostet die Fortpflanzung dem Männchen im wahrsten Sinne den Kopf: das Weibchen verspeist diesen während oder nach der Paarung.

Gottesanbeterin – Foto: Thomas Schmitt/Senckenberg

Gottesanbeterin in braun – Foto: Thomas Schmitt/Senckenberg

29. November 2016 – Femme fatale, Vorbild für Kung Fu-Kämpfer und japanisches Symbol für Wachsamkeit, Geduld und Beständigkeit – um die Gottesanbeterin ranken sich viele Mythen. „Wir wollen mit unserer Wahl diese faszinierende Vertreterin der Fangschrecken ehren und mit Vorurteilen aufräumen“, begründet Prof. Dr. Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg und Vorsitzender des Auswahl-Kuratoriums die Entscheidung, Mantis religiosa zum Insekt des Jahres 2017 zu küren.Ursprünglich stammt die Gottesanbeterin aus Afrika. Von dort haben sich die bis zu 75 Millimeter langen Weibchen und mit bis zu 60 Millimeter deutlich kleineren Männchen über Südeuropa immer weiter in Richtung Norden ausgebreitet. In Deutschland kam das Insekt des Jahres 2017 lange Zeit nur in Wärmeinseln wie dem Kaiserstuhl bei Freiburg vor. Mittlerweile aber wurde die Gottesanbeterin mit Ausnahme von Niedersachsen und Schleswig-Holstein bereits in allen deutschen Bundesländern nachgewiesen. Einige der Fundorte mögen auch auf Verschleppung als unbeabsichtigtes „Urlaubsmitbringsel“ aus dem Süden zurückgehen. Aber insgesamt ist die Art ist ein gutes Beispiel für die Auswirkung des globalen Klimawandels auf die mitteleuropäische Tierwelt. Mit steigenden Temperaturen wird sich die Gottesanbeterin voraussichtlich immer weiter ausbreiten.

Das Insekt des Jahres wird seit 1999 proklamiert. Die Idee hierzu stammte vom Prof. Dr. Holger Dathe, damaliger Leiter des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg. Ein Kuratorium, dem namhafte Insektenkundler und Vertreter wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen angehören, wählt jedes Jahr aus zahlreichen Vorschlägen ein Insekt aus. Der NABU ist vertreten durch Werner Schulze, Sprecher des Bundesfachausschusses Entomologie.

Besonders wohl fühlen sich die Insekten in sonnigen, trockenwarmen, meist in Südlage gelegenen Gras- und Buschlandschaften, Halbtrockenrasen und Ruderalflächen mit lockerer Vegetation. Von dort gehen sie in ihrer namensgebenden Pose, mit angewinkelten, „betenden” Vorderbeinen, auf die Nahrungssuche. Durch langsames Gehen oder Klettern pirscht sich die Gottesanbeterin an ihre Beute heran, meist kleine Insekten, selten auch Wirbeltiere, wie Frösche, Eidechsen oder Mäuse. Ist das Beutetier in Reichweite, wird es mit den großen Facettenaugen fixiert und die beiden dornenbewehrten Fangbeine schnellen auf das Beutetier zu. Der Vorgang des Fangschlags dauert nur 50 bis 60 Millisekunden – das ist etwa sechsmal schneller, als ein Lidschlag des menschlichen Auges.Besonders bekannt ist die Gottesanbeterin für ihr außergewöhnliches Paarungsverhalten. Gelegentlich kostet die Fortpflanzung dem männlichen Tier im wahrsten Sinne den Kopf: das Weibchen verspeist diesen während oder nach der Paarung. Dieser Sexualkannibalismus ist aber keineswegs zwingend. Meistens endet die Kopulation für beide Partner ohne Schäden.

Paarung Gottesanbeterin – Foto: Thomas Schmitt/Senckenberg

Einige Tage nach der Begattung, meist in den Monaten August bis Oktober, legen die Gottesanbeterinnen ihre Eier ab. Diese werden nicht einzeln, sondern in sogenannten Ootheken an Steinen oder Grashalmen befestigt. Eine Oothek besteht aus einer schnell erhärtenden Schaummasse mit bis zu 200 Eiern. In diesen Gebilden können die Larven auch sehr kalte Temperaturen überstehen bis sie im Frühjahr schlüpfen. Die erwachsenen Tiere hingegen sterben vor Beginn des Winters. In Deutschland, der Schweiz und Österreich wird Mantis religiosa als bedrohte Art geführt. Das könnte sich aber in absehbarer Zeit ändern, denn sie besiedelt immer mehr Orte.

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