Rede von Iris Gleicke anlässlich der Eröffnung der 50. Internationalen Tourismusbörse ITB 2016

By   /  November 30, 2016  /  Comments Off on Rede von Iris Gleicke anlässlich der Eröffnung der 50. Internationalen Tourismusbörse ITB 2016

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MIL OSI – Source: Bundesministerium fur Wirtschaft und Energie –

Headline: Rede von Iris Gleicke anlässlich der Eröffnung der 50. Internationalen Tourismusbörse ITB 2016

Rede

Datum: 8.3.2016Ort: Berlin
Es gilt das gesprochene Wort!Exzellenzen, sehr geehrte Damen und Herren!Zu allererst mchte ich dem Geburtstagskind gratulieren: Herzlichen Glckwunsch zum 50.Geburtstag, liebe ITB!Du hast aus deinem bisherigen Leben etwas Tolles und Besonderes gemacht. Du bist ein richtiges Berliner Kind und hast Dich genauso prchtig entwickelt wie Deine Heimatstadt.Und dazu kann und muss ich natrlich auch dem Regierenden Brgermeister von Berlin, Michael Mller, sehr herzlich gratulieren. Und ebenso herzlich gratuliere ich dem ganzen Team der ITB. Michael Mller, Sie haben vllig Recht: Die ITB hat vor 50 Jahren wirklich klein angefangen.Aber unsere Jubilarin ist den Kinderschuhen rasch entwachsen. Die Westberliner Gre hat sich prchtig entwickelt und ist zu einem Aushngeschild der wiedervereinten Hauptstadt und unseres ganzen Landes geworden!Irgendwann hat die ITB alle in den Schatten gestellt. Heute ist sie ein internationaler Superstar: Die ITB ist die weltgrte Tourismusmesse.Sie ist die Leitmesse der internationalen Tourismuswirtschaft. Und sie bricht Jahr fr Jahr Besucher- und Umsatzrekorde. Das kann sich schon hren und sehen lassen. Und damit spiegelt die ITB auch die Entwicklung des Tourismus in den letzten 50 Jahren wider:Meine Damen und Herren,der wirtschaftliche Aufschwung in vielen Lndern und steigende Einkommen haben in den zurckliegenden Jahrzehnten zu einer wachsenden touristischen Nachfrage gefhrt. Grozgigere Urlaubsregelungen, preiswertere Flugreisen und mageschneiderte Reiseangebote wie die Pauschalreise trugen zu dem Tourismusboom bei, wie wir ihn heute kennen. Auch im vergangenen Jahr hat sich der Tourismus allen scheinbaren und realen Widrigkeiten zum Trotz wieder hervorragend entwickelt und behauptet.In Deutschland konnten wir 2015 den sechsten bernachtungsrekord in Folge verzeichnen. In den meisten europischen Staaten sieht es hnlich aus. Und auch weltweit werden Rekordzahlen geschrieben: 2015 waren fast 1,2 Milliarden Touristen international und ber Landesgrenzen hinweg auf Reisen.Das ist wirklich eine tolle Bilanz. Aber brillante wirtschaftliche Kennzahlen sind nicht alles. 50 Jahre ITB – das ist vielleicht auch der richtige Moment, um einmal innezuhalten und sich zu fragen: Was fr einen Tourismus, was fr eine Art von Tourismus wollen wir?Meine Damen und Herren,unter der berschrift “Gut Leben in Deutschland” ist die deutsche Bundesregierung mit ihren Brgern in einen gezielten Dialog getreten. Wir wollen von ihnen wissen, was ihnen persnlich wichtig ist im Leben. Wir wollen von ihnen wissen, worin die Lebensqualitt in Deutschland eigentlich besteht. Das sind Fragen, die sich aus unserer Sicht mit nackten wirtschaftlichen Kennzahlen wie etwa dem Bruttoinlandsprodukt nur unzureichend beleuchten und beantworten lassen.Und das gilt auch fr die Frage, wie gutes Reisen aussieht. Denn der Inbegriff von einem schnen Urlaub ist fr jeden Menschen unterschiedlich:Manche wandern gerne, andere schauen sich alle erreichbaren Kirchen und Museen an und wieder andere liegen am liebsten am Strand und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein.Aber es gibt auch Aspekte des guten Reisens, die aus meiner Sicht fr alle gelten. Gutes Reisen, das heit gerade in der heutigen Zeit zunchst einmal sicheres Reisen. Gutes Reisen heit fr mich auch, dass Reisen nicht das Privileg Einzelner sein darf, sondern allen Menschen offen stehen muss.Bundesminister Gabriel hat in seiner Rede zur Erffnung der ITB vor zwei Jahren diese Bedeutung des Reisens als Aspekt sozialer Teilhabe unterstrichen. Und auch deshalb gehren fr mich die Themen Inklusion und Barrierefreiheit zwingend mit dazu.Aber es geht nicht nur um Sicherheit und um gerechte Teilhabe. Es geht auch um verantwortungsvolles Reisen. Es geht um einen Tourismus, der nicht auf Kosten anderer geht und bei dem man als Reisender nicht die Augen verschlieen oder nach einem Becken suchen muss, in dem man seine Hnde in Unschuld waschen kann.Bei verantwortungsvollem Reisen geht es um Verantwortung fr die Natur, es geht um Fragen wie Naturschutz, Klimaschutz und Biodiversitt. Es geht darum, Rcksicht zu nehmen auf die begrenzten natrlichen Ressourcen des Reiselandes, etwa beim Energie- und Wasserverbrauch. Es geht aber auch um die bernahme von Verantwortung fr die Menschen in der Reiseregion.Unter welchen Bedingungen leben und arbeiten sie? Profitiert die Bevlkerung von den Touristen? Oder wandert das meiste in den Taschen von einigen Wenigen? Meine Damen und Herren, eigentlich ist es doch ganz einfach. Wirklich Gutes Reisen, das funktioniert nur mit der Einhaltung von Menschenrechten, mit fairen und sicheren Arbeitsbedingungen und mit einer sozialvertrglichen wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort. Das sind Themen, die sowohl die Reisebranche als auch die Reisenden etwas angehen. Und ich bin sehr froh darber, dass diese Fragen schon lange kein Nischendasein mehr fristen.Fr viele Unternehmen und fr viele Verbraucher haben sie einen hohen, einen wachsenden Stellenwert. Ein echter Meilenstein fr den Tourismus war der globale Ethik-Kodex der Welttourismusorganisation UNWTO aus dem Jahr 1999. Er hat wesentlich dazu beigetragen, die Ziele eines verantwortungsvollen und nachhaltigen Tourismus im Bewusstsein der Regierungen, der Branche und der Reisenden weltweit zu verankern. Sehr geehrter Herr Generalsekretr, lieber Taleb Rifai, vielen Dank an dieser Stelle fr Ihr besonderes Engagement!Sie und die UNWTO sind und bleiben fr uns wichtige Gesprchspartner, um den verantwortungsvollen und nachhaltigen Tourismus weiter zu verankern. Meine Damen und Herren,heute gibt es immer mehr Unternehmen der Reisebranche, denen Nachhaltigkeit wichtig ist. Ich spreche von Unternehmen, die ihre Corporate Social Responsibility, ihre gesellschaftliche Verantwortung anerkennen und die ihr Geschft danach ausrichten.Denn eine Branche, die weltweit aktiv ist, steht auch weltweit in der Verantwortung. Ich bin sehr froh darber, dass sich die deutsche Tourismuswirtschaft dieser Verantwortung bewusst ist.Und ich begre ausdrcklich ihr dieser Tage erneut bekrftigtes Bekenntnis zu ethischen Grundstzen im Tourismus. Ein Bekenntnis, das mit Leben erfllt und in die Praxis umgesetzt werden muss. Das ist natrlich nichts, was man mal eben aufschreibt und damit als erledigt und abgehakt betrachten knnte. Das bleibt eine langfristige Aufgabe, der man sich immer wieder und aufs neue stellen muss. Ich sehe hier aber auch den Verbraucher, den Reisenden, in der Verantwortung. Reisen und insbesondere Reisen in ferne Lnder sind in den vergangenen 50 Jahren immer erschwinglicher geworden.Das ist schn, besonders fr den kleineren Geldbeutel. Aber eine “Geiz-ist-geil”-Mentalitt ist da und nicht nur da vllig fehl am Platz. Den Reisenden kann und sollte es durchaus interessieren, unter welchen Bedingungen die Hotelangestellten in seinem Reiseland arbeiten und leben oder wie seine Abflle entsorgt werden.Auch die politischen Verhltnisse im Gastland gehren bisweilen dazu und sollten nicht einfach ignoriert werden. Reisen ffnet den Blick fr Neues und Fremdes.Reisende sollten daher auch ruhig den Mut aufbringen, auch einmal hinter die schne Hochglanzfassade zu blicken. Man sollte auch im Urlaub die gleichen ethischen Standards hochhalten wie zu Hause und nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – den Kopf in den Sand stecken. Ein gutes Gewissen ist nun mal ein sanftes Ruhekissen. Dieser schne Satz gilt auch am Strand oder am Swimmingpool. Meine Damen und Herren,ich halte es aber fr vllig verfehlt, Fernreisen oder Reisen in Entwicklungslnder vom hohen Ross herab pauschal zu verteufeln. Wir wissen, dass viele Regionen den Tourismus brauchen. Sie brauchen ihn als Entwicklungsmotor und -perspektive.Tourismus kann in groem Mae dazu beitragen, Armut zu bekmpfen, Arbeitspltze und Einkommen zu schaffen und, ja, auch den Umweltschutz vor Ort voranzutreiben. Es kommt eben auch darauf an, wie wir reisen. Gutes Reisen ist ein Tourismus, den wir vor uns selbst und anderen verantworten knnen. Gutes, verantwortungsvolles Reisen – das war und ist auch auf der ITB stets ein Thema. Auch hieran lsst sich ablesen, dass das “Wie” des Reisens in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist: Es gibt auf der ITB eine eigene Halle, die sich dem Segment des verantwortlichen und nachhaltigen Tourismus widmet. Und es gibt zahlreiche Veranstaltungen zu diesem Thema.Seit 2009 findet im Rahmen des ITB-Kongresses ein eigener “CSR-Day” statt. Die ITB hat sich auch in dieser Hinsicht hervorragend entwickelt. Mit 50 wird man eben nicht lter, sondern besser. Und vielleicht sogar ein bisschen weise.Meine Damen und Herren,freuen Sie sich mich mit mir auf spannende, unterhaltsame und lehrreiche Tage auf der 50. ITB! Herzlichen Dank

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