Marktstimmung: “Keine Angst vor Risiken”

By   /  December 1, 2016  /  Comments Off on Marktstimmung: “Keine Angst vor Risiken”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Marktstimmung: “Keine Angst vor Risiken”

Zusammenfassung

Während sich deutsche Aktien weiter seitwärts bewegen – gemessen am DAX haben sie seit der vorherigen Bewegung -60 Punkte verloren und bleiben damit in der Handelsspanne der vergangenen Monate – haben sich etliche private Anleger lieber aus ihren Engagements verabschiedet und sind an die Seitenlinie gezogen. 6 Prozent haben Aktien verkauft und 1 Prozent die Short-Engagements glattgestellt. Mit +29 Punkten sind die Markterwartungen für Joachim Goldberg nur noch gedämpft bullish, da nicht sehr weit über dem Jahresmittel von 21 Punkten. Für den Verhaltensökonom sind es vor allem die Ereignisrisiken, die Anleger verschrecken sollten, z.B. durch das Referendum in Italien.
Umso bemerkenswerter ist es für den Verhaltensökonom, dass von den institutionellen Investoren dagegen nochmal 3 Prozent DAX-Aktien gekauft und 1 Prozent Short-Positionen eröffnet haben. Der Sentiment-Index dieser Anlegergruppe steht mit +37 Punkten über dem Stand vor Brexit-Abstimmung und US-Wahl. Goldberg vermutet, dass diese Anleger den leichten Kursrücksetzer genutzt haben und weiter an eine Rallye zum Jahresende glauben. Sollte der DAX tatsächlich einen Aufwärtsimpuls erhalten, dürfte dieser schon ab 1 bis 2 Prozent Plus durch Gewinnmitnahmen gestört werden.
30. November 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Gleich eine breite Palette von sogenannten Ereignis-Risiken wartet während der kommenden Tage auf die Börsianer. Allen voran das Verfassungsreferendum, zu dem die Italiener am 4. Dezember an die Urnen gerufen werden – ein Event-Risiko, dem mancher Akteur an den Finanzmärkten eine ähnlich große Bedeutung wie dem Brexit-Votum oder den US-Präsidentschaftswahlen beimisst. Ein Referendum übrigens, das längst nicht so bedeutend wäre, hätte nicht der italienische Ministerpräsident seine politische Zukunft an dessen Ausgang geknüpft. Und so rechnet man im Falle eines “No” Italiens zur Verfassungsänderung mit negativen Reaktionen der Aktienmärkte und steigender Volatilität. Als umso bedeutsamer sind die Positionierungen der Investoren vor diesem wichtigen Ereignis einzuschätzen. Hat sich der Optimismus, der noch vor einer Woche bei den von der Börse Frankfurt befragten Anlegern zu beobachten war, auch heute gezeigt?
Für die mittelfristig orientierten institutionellen Investoren kann diese Frage bejaht werden. Tatsächlich ist der Optimismus gegenüber der Vorwoche sogar gestiegen. Dies zeigt sich am Zuwachs des Börse Frankfurt Sentiment-Index, der, wenn auch nur um 2 Punkte, zum dritten Mal hintereinander angestiegen ist und nun einen Wert von +37 Punkten erreicht hat. Dieser Optimismus ist vor allem deshalb so bemerkenswert, weil er – zumindest vordergründig – alle Befürchtungen der Kommentatoren konterkariert. Und er liegt höher als vor den Tagen der bisherigen großen Ereignisrisiken dieses Jahres, dem Brexit-Votum und der US-Präsidentschaftswahl.
Von der viel beschworenen Nervosität ist demnach zumindest bei den Teilnehmern dieses Panels nicht allzu viel zu spüren. Ob der leichte Rücksetzer des DAX in Richtung 10.540 Punkte Anreiz genug war, etwaige Kauf-Engagements noch zu vergrößern? Vielleicht setzt man aber auch lediglich auf eine neuerliche, diesmal positive Überraschung, ein “Si” der Italiener, verbunden mit einer Jahresschlussrallye.
… dennoch ziehen sich die Privatanleger zurück
Diese Zuversicht scheinen die Privatanleger indes nicht zu teilen. Dort notieren wir eine konträre Entwicklung des Börse Frankfurt Sentiment-Index, der sich nun die dritte Woche hintereinander nach unten bewegt und dieses Mal um 5 Punkte auf einen Stand von nunmehr +29 Punkten gefallen ist. Dabei handelt es sich fast durchweg um Aktienverkäufe zugunsten einer Wanderung in das Lager neutral gestimmter Marktteilnehmer. Gemessen am Halbjahresdurchschnitt von rund +21 Punkten ist der Optimismus in der relativen Betrachtung also nicht mehr allzu hoch.
Angesichts der bevorstehenden Ereignisse in Italien, aber auch der Wiederholung der Wahl des Präsidenten in Österreich sowie der Sitzung der Europäischen Zentralbank in der kommenden Woche scheint die derzeitige Positionierung der institutionellen Anleger ausgesprochen ambitioniert. Zumal sich der DAX immer noch in seiner sehr breiten Konsolidierungszone zwischen ca. 10.185 und 10.825 Zählern bewegt. Falls der DAX tatsächlich durch die bevorstehenden Ereignisse einen Aufwärtsimpuls erhalten sollte, dürfte dieser vor allem nach Verlassen der Konsolidierung an der Oberseite schon bald (ca. 1 bis 2 Prozent höher) durch Gewinnmitnahmen gestört werden. Mit anderen Worten: Die Gefahr eines Fehlsignals und eines anschließen Rückschlags ist aktuell als relativ hoch einzuschätzen.

Sollte der DAX indes zuvor massiv unter Druck geraten, würde stützende Nachfrage aus institutionellen Quellen auch innerhalb der Konsolidierungszone fehlen. Und weil sich langfristige Kapitalflüsse nur gegen eine saftige Risikoprämie, möglicherweise erst bei einem DAX-Stand knapp unter 10.000 Zählern, einstellen dürften, stehen die Chancen für das Börsenbarometer alles andere als günstig.

Umfrage bei Twitter und Facebook

Höher: 51% (-8)Tiefer: 28% (-2)Neutral: 21% (+10)

Börse Frankfurt Sentiment-Index
Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutralTotal61%24%15%ggü. letzter Erhebung+3%+1%-4%DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.660 (-60 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +37 Punkte (Stand Vorwoche: +35 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum
Private Anleger

BullishBearishNeutralTotal54%25%21%ggü. letzter Erhebung-6%-1%+7% DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.660 (-60 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +29 Punkte (Stand Vorwoche: +34 Punkte)

von: Joachim Goldberg
30. November 2016, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.deÜber den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.
Vorherige Analysen
Erläuterungen zur Methode

Über den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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