Wochenausblick: “Die Marke von 10.800 Punkten ist nach wie vor wie zementiert”

By   /  December 5, 2016  /  Comments Off on Wochenausblick: “Die Marke von 10.800 Punkten ist nach wie vor wie zementiert”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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5. Dezember 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt) Das Nein zum Umbau und zur Schwächung des Senats in Italien und die Wahl Alexander Van der Bellens zum neuen österreichischen Präsidenten scheinen Anleger mit Gelassenheit bis Erleichterung aufzunehmen. Der DAX steht am Montag kurz nach Eröffnung fast zwei Prozent im Plus über 10.700 Punkten.
Analysten zufolge war die Ablehnung der Italiener an den Märkten bereits eingepreist. Allerdings hatte Renzi sein eigenes politisches Schicksal an den Ausgang der Abstimmung geknüpft und mittlerweile seinen Rücktritt erklärt. “Rückblickend war dies kein guter Schachzug”, meint Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank. “Der nächste Ministerpräsident könnte nun Beppe Grillo werden – ein Berufskomiker.”
Neben Beppe Grillo aus der Fünf-Sterne-Bewegung sähen auch die selbsternannten “Trumpisti” der Lega Nord ihre Zeit gekommen, um in Italien aufzuräumen, wie Robert Halver von der Baader Bank beobachtet. “Tatsächlich liegt der Witzbold in letzten Umfragen nur noch drei Prozent hinter den noch führenden Sozialdemokraten.” Bei einem Wahlsieg oder einer Regierungsbeteiligung habe Grillo angekündigt, ein Referendum zum Euroaustritt durchzuführen.
EZB bereit für weitere HilfenKein Frage, die europäischen Währungshüter werden das ihre tun, um die Italiener auf Eurokurs zu halten. Präsident Draghi ist dafür bekannt, dass er mit geldpolitischen Maßnahmen nicht zögert, wenn Gefahr für die Währungsunion droht, wie die Helaba bemerkt. Während eine Verlängerung des Anleihen-Kaufprogramms über den März kommenden Jahres hinaus vonseiten der EZB am kommenden Donnerstag als ausgemachte Sache gelte, stünden weitere Maßnahmen noch nicht fest.
Halver bringt zinsgünstige Finanzierungen von staatlichen italienischen Konjunktur- und Sozialprogrammen ins Spiel. “Damit soll insbesondere auch einem Ausstrahlen der italienischen Krise auf Deutschland, die Niederlande und Frankreich vorgebeugt werden, wo 2017 ebenfalls gewählt wird.” Eine noch großzügigere Staatsschuldenaufnahme von Italien, aber auch Frankreich und anderen prekären Euroländern sei ebenfalls abzusehen. “Die geldpolitische Rettung geht in die nächste Runde”, ist Halver überzeugt. Insofern rücke eine Zinswende in Europa in noch weitere Ferne.Italienischen Banken könne die EZB über einen umfangreichen Aufkauf von Not leidenden italienischen Unternehmens- und Bankanleihen helfen. Auch die Verbriefung von uneinbringlichen Bankkrediten mit anschließender Veräußerung an die Notenbank ist nach Auffassung von Halver eine mögliche Rettungsvariante. HalverViel Lärm um Nichts?
Vor den wichtigen Wahlen in Österreich und in Italien spiegelten die DAX-Charts Gregor Bauer zufolge eine geradezu ängstliche Haltung der Anleger gegenüber den Ergebnissen wider. “Die Marke von 10.800 Punkten ist nach wie vor wie zementiert”, beobachtet der unabhängige Charttechniker. Nach dem Scheitern von Matteo Renzi erwartet Bauer insbesondere für den italienischen Aktienmarkt stürmische Zeiten, obwohl die Börse in Mailand im Laufe des Jahres bereits viel Pessimismus vorweg genommen habe.
Der Dax könnte vorerst einknicken. Zielmarken macht Bauer in dem Fall zunächst bei der 200-Tage-Linie um 10.200 Punkte, gefolgt von der unteren Begrenzung des Seitwärts-Kanals bei etwa 9.500 Zählern aus. Längerfristige Einbrüche sieht der Analyst indes nicht. “Es dürfte hier eher zu schnellen Eindeckungen der Shortpositionen kommen.” Ähnlich wie beim Brexit-Szenario werde zunächst unabhängig vom Ausgang des Referendums hinsichtlich eines möglichen Austritts Italiens aus der EU vermutlich zunächst einmal nichts passieren. Übergeordnet werde es vermutlich wieder einmal viel Lärm um Nichts gewesen sein, weshalb der DAX aller Voraussicht nach weiterhin in seiner Seitwärtszone verharren werde.
Jahresendrallye noch nicht abgeschrieben
Karen Szola stuft die technische Lage beim DAX als recht konstruktiv ein. So habe sich beim deutschen Leitindex seit den Sommermonaten nach dem Sprung über den dominierenden Abwärtstrend eine Schiebezone zwischen etwa 10.200 und 10.800 Zählern herausgebildet. “Diese müsste nun nach oben überwunden werden, damit die Jahresend-Rally starten kann”, urteilt die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online.
Aktuell stünde der DAX mit seiner etablierten Seitwärtszone in den Startlöchern, allerdings sei die Richtung ungewiss. “Die Indikatoren machen gegenwärtig einen eher müden Eindruck, das Momentum fällt und der Oszillator Slow Stochastik ist noch auf dem Weg zur überverkauften Extremzone.” Als positiv wertet Szola die noch leicht ansteigende 200-Tage-Linie, die die Unterseite der Schiebezone um 10.200 Punkte zusätzlich absichert.” Insgesamt stehe dem deutschen Aktienbarometer also Konsolidierungsspielraum bis etwa 10.200 Punkte zur Verfügung, ohne dem aussichtsreichen Bild zu schaden. “Unterhalb dieses Kurslevels drohen weitere Abgaben und damit die Rückkehr in die ehemalige Trading-Range um 9.000 bzw. 10.000 Zähler, die der hiesige Bluechip-Index zwischen Januar und Juni 2016 geformt habe. Anlegern rät Szola auf frische Handelssignale zu warten, um sich auf der richtigen Seite positionieren zu können.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Mittwoch, 7. Dezember
8.00 Uhr.Deutschland: Industrieproduktion Oktober. Nachdem der deutschen Wirtschaft mit einem starken Anstieg der Einzelhandelsumsätze ein guter Start ins Schlussquartal gelang, rechnet die DekaBank auch mit überzeugenden Nachrichten sowohl für die am Dienstag anstehenden Auftragseingänge als auch die Industrieproduktion. Positive Impulse würden unter anderem voraussichtlich von einer florierenden Bauwirtschaft geliefert.
Donnerstag, 8. Dezember
13.45 Uhr. Euroraum: Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. Die HSBC rechnet fest mit einer Verlängerung des Anleihen-Kaufprogramms um weitere sechs Monate über den kommenden März hinaus. Während das gegenwärtige Kaufvolumen von monatlich 80 Milliarden Euro vermutlich weiterhin Bestand haben werde, prognostizieren die Analysten der Großbank eine Änderung der Rahmenbedingungen der Maßnahmen. Bei den Einschätzungen der EZB zur Inflation und zum Wachstum innerhalb der Währungsunion erwartet die HSBC aufgrund eines kaum veränderten ökonomischen Umfelds keine relevanten Anpassungen der bisherigen Annahmen. Da die Teuerungsrate jüngst etwas angezogen habe, sei aber eine Äußerung hinsichtlich eines Auslaufens der Anleihen-Käufe vonseiten der EZB durchaus denkbar.
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von: Iris Merker 5. Dezember 2016, © Deutsche Börse AG

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