Wochenausblick: Keine Höhenangst

By   /  December 12, 2016  /  Comments Off on Wochenausblick: Keine Höhenangst

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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12. Dezember 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Vor einer Woche schien die 10.800-Marke im DAX noch wie zementiert, doch seit dem vergangenen Montag schreitet der Index stramm nach oben, innerhalb von zehn Tagen um rund 800 Punkte. “Der Ausbruch ist geschafft, und die Stimmung könnte nicht besser sein”, kommentiert Christoph Geyer von der Commerzbank. “Die Silvesterraketen sind bereits vor Weihnachten abgefeuert worden.”
Auslöser für den jüngsten Kurssprung war die EZB-Entscheidung vom Donnerstag. Die Notenbank hatte angekündigt, an der ultralockeren Geldpolitik festzuhalten, das Anleihekaufvolumen aber ab April zurückzufahren von 80 auf 60 Milliarden Euro monatlich. Außerdem klettern die US-Indizes von Rekord zu Rekord: Am Freitag stieg der Dow Jones auf 19.757,74 Punkte und damit so hoch wie nie zuvor, der S&P 500 erreichte ebenfalls eine neue Bestmarke. Der DAX notiert am Montagmorgen bei 11.172 Punkten leicht im Minus.
Zinserhöhung fest erwartet
Nach der EZB-Sitzung blicken die Märkte in dieser Woche nun Richtung Fed. Eine Zinserhöhung gilt am Markt als ausgemacht, und dabei werde es auch nicht bleiben. “Wir rechnen für 2017 – nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines wohl weiter anziehenden US-Inflationstrends – mit zumindest zwei weiteren Anhebungen”, erklärt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Größere negative Überraschungen bei den noch ausstehenden Makrozahlen im Dezember seien eher unwahrscheinlich.
Deutsche Aktien vergleichsweise günstig
“Trotz der zahlreichen politischen Risiken in der Eurozone sind die fundamentalen Entwicklungen unverändert robust”, meint die DekaBank. Das stabile Unternehmensumfeld werde nach dem bereits erfreulich verlaufenen dritten Quartal auch im vierten Quartal für gute Ergebnisse sorgen und den Gewinnerwartungen für 2017 Unterstützung geben. “Vor dem Hintergrund einer lediglich moderaten Bewertung, vor allem aber einem relativ hohen Bewertungsabschlag im Vergleich zu anderen Regionen, sollten deutsche Aktien bis Jahresende und auch in das neue Jahr hinein Aufholpotenzial haben”, heißt es. Hinzu komme, dass in Erwartung von Fiskalimpulsen auch die Hoffnung auf eine Verstetigung des nominalen Wachstums steige – gut für den zyklisch ausgerichteten deutschen Aktienmarkt.
Chancen bis auf 11.700 Punkte
Markus Wallner von der Commerzbank rechnet damit, dass die Volatilität auch im neuen Jahr hoch bleiben wird. “Nichtsdestotrotz sollte der anhaltende Rückenwind von der weltweit expansiven Geldpolitik den DAX 2017 auf 11.700 steigen lassen.” Themen wie Restrukturierung bzw. M&A, Zinssensitivität, anhaltende Schwäche des Euro und Dividendenpolitik sollten dabei weiter im Fokus der Anleger stehen. “Dabei darf das Gewinnmomentum und die Bewertung, die bei einigen DAX- und MDAX-Unternehmen schon relativ weit fortgeschritten ist, nicht außer Acht gelassen werden.”
“Charttechnische Überhitzung”Nach Ansicht von Martin Utschneider von Donner & Reuschel muss man aus charttechnischer Sicht kurzfristig mit Gewinnmitnahmen rechnen. “Überkaufte markttechnische Indikatoren, insbesondere die Slow-Stochastik, lassen diesen berechtigten Schluss zu. Es ist eine gewisse charttechnische Überhitzung zu spüren”, erklärt der technische Analyst. Eine mögliche Zielmarke bei Rücksetzern: das obere Bollinger-Band bei aktuell knapp 11.000 Punkten. “Durch die Unterstützungsmarke bei 10.802 ist das aber gewissermaßen ein Jammern auf hohem Niveau”, meint Utschneider. Überstehe der DAX die kurzfristigen Gewinnmitnahmen, könne es schnell in Richtung 11.431 Punkte gehen. “Dieses Kursziel ergibt sich aus dem nachhaltigen Bruch der klassischen Dreiecksformation sowie der Downside-Bewegung am 30. November.” Die Markttechnik sei positiv gestimmt, MACD sowie RSL hätten durchaus noch Spielraum nach oben. “Zur Gewinnsicherung bieten sich die Stopp-Marken 10.802, 10.735 sowie 10.535 an.” UtschneiderNicht zu sorglos werdenGeyer kann keine Gründe für eine Schwäche oder ein Ende der Anstiegsbewegung erkennen. Dennoch: “Es werden auch wieder Korrekturen kommen. Vielleicht bereits in dieser Woche”, meint der Charttechniker der Commerzbank. Im Langfristchart befinde sich der DAX seit Anfang 2009 in einem Aufwärtstrend, der seit 2015 bestehende kürzerfristige Abwärtstrend sei Mitte dieses Jahres zur Seite verlassen worden. “In der vergangenen Woche kam nun endlich etwas Dynamik auf, so dass sich die technische Lage leicht verbessert hat.” Allerdings habe der Stochastikindikator eine Divergenz gebildet, weshalb die Lage nicht sorglos betrachtet werden dürfe. Geyer

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Mittwoch, 14. Dezember
14.30 Uhr.USA. Einzelhandelsumsatz November. Die Commerzbank erwartet ein moderates Plus von 0,3 Prozent im Vormonatsvergleich. Wetterbedingt habe der Baumaterialumsatz wohl zugelegt, während Branchendaten auf eine leichten Rückgang des Umsatzes der Autohändler hinwiesen.
20.00 Uhr. USA: Fed-Sitzung mit Zinsentscheid.
Es wird fest mit einem Zinsanstieg um 25 Basispunkte gerechnet. “Vermutlich werden die Projektionen der FOMC-Mitglieder in den Bereichen Wirtschaftswachstum und Inflation marginal nach oben revidiert”, erklärt die DekaBank außerdem.
Donnerstag, 15. Dezember
10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex Dezember. DAuch im Dezember sei die Stimmung wohl robust gegenüber den zahlreichen politischen Unsicherheitsfaktoren, meint die DekaBank. Die Analysten halten es sogar für möglich, dass ein Jahreshoch erreicht wird, sowohl beim Teilindex der Dienstleister als auch dem der Industrie.
13.00 Uhr. Großbritannien: Zinsentscheid der Bank of England. Laut HSBC ist eine weitere Lockerung der Geldpolitik derzeit wohl vom Tisch. Die Nachwehen der Brexit-Entscheidung seien längst nicht so stark wie zunächst befürchtet.
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von: Anna-Maria Borse 12. Dezember 2016, © Deutsche Börse AG


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