Peacelab 2016 zum Irak nach ISIS: „Im Irak hat Stabilisierung Vorrang vor Demokratisierung“

By   /  December 16, 2016  /  Comments Off on Peacelab 2016 zum Irak nach ISIS: „Im Irak hat Stabilisierung Vorrang vor Demokratisierung“

    Print       Email

MIL OSI – Source: Konrad Adenauer Stiftung –

Headline: Peacelab 2016 zum Irak nach ISIS: „Im Irak hat Stabilisierung Vorrang vor Demokratisierung“

Systematische Vorbereitung humanitärer Netze

Aus drei wichtigen Städte konnten irakische Regierungstruppen und verschiedene Milizen die Terrormiliz bereits vertreiben: Falludscha, Ramadi und Tikrit. Die Herrschaft der Islamisten und die Kämpfe hatten hunderttausende Menschen fliehen lassen. Doch die internationale Gemeinschaft lernte dazu – und hat sich vorbereitet: Mit dem Einsatz von nur 90 Millionen US-Dollar für Stabilisierungsmaßnahmen konnten fast eine Million Menschen nach der Rückeroberung in ihre Heimat zurückkehren, berichtete Ederer: „Und wir haben uns auch auf Mosul vorbereitet.“ So stünden Stromgeneratoren für 40 Millionen US-Dollar bereit, es seien Stabilisierungsteams für die einzelnen Stadtteile eingeplant und die Versorgung von 400.000 möglichen Flüchtlingen im nahen Umland Mosuls sei gesichert.

„Die Demokratie muss folgen, wenn alles andere stimmt“

Nicht nur die konkrete, unmittelbare humanitäre Hilfe am Boden sei wichtig. Auch politische Prozesse müssten angestoßen werden. Aber im Gegensatz zu den Bemühungen in Afghanistan Stünden im Irak nicht die Demokratisierung, sondern die Stabilisierung im Vordergrund: „In Afghanistan hatten wir zu hohe Ansprüche, jetzt sind wir in vielem besser geworden“, resümierte Ederer und Kiesewetter stimmte ihm zu: „Im Irak muss die Demokratie folgen, wenn alles andere stimmt.“ Und zur Stabilisierung gehört auch Versöhnung, für die von deutscher Seite das Auswärtige Amt arbeitet. Ein Ziel sei es, in Mosul alle Akteure – Sunniten, Schiiten und Kurden – konstruktiv in einem Stabilisierungsrat zusammenarbeiten zu lassen. „Wir arbeiten an nicht diskriminierenden, inklusiven Verwaltungsstrukturen“, so Ederer. Den Wiederaufbau der Infrastruktur und die Förderung von Beschäftigung hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz BMZ, übernommen. Für Roderich Kiesewetter ist es „beeindruckend, wie die Ministerien dort zusammenarbeiten, um Hilfe vor Ort zu gewährleisten“.

„Wer keine Stabilität exportiert, importiert Instabilität“

Das deutsche Engagement in „einem der zentralen Konfliktherde der Welt mit einer immensen Gewaltintensität“, wie Paul Linnarz den Irak in seiner Einführung in den Abend bezeichnete, ist wichtig, machte Kiesewetter deutlich. In Diskussionen mit Bürgern muss er immer wieder darauf hinweisen, dass der Erhalt der Staatlichkeit des Irak und die Investitionen im Libanon und im Irak, die Millionen Flüchtlinge aufgenommen haben, auch Deutschland zugutekommen: „Unsere Aufgabe ist es, dass diese Länder nicht zerfallen und die Flüchtlinge dann zu uns kommen“, sagte der Abgeordnete. Und Ederer fügte hinzu, dass man die „Kosten des Handelns und des Nicht-Handelns vergleichen sollte.“ 680 Euro zahlt der Bund den Ländern in Deutschland für jeden Flüchtling – pro Monat. Doch für „nur“ 90 Millionen Euro konnte eine Million Iraker in ihre Heimatstädte zurückkehren. Für Kiesewetter steht fest, dass Deutschland sich auf langfristige Unterstützung des Irak einstellen muss, ein Engagement von etwa 20 Jahren: „Denn wir müssen eine ganze Generation erreichen.“ Und damit dienen wir auch uns selbst, sagte Ederer zum Abschluss: „Wer keine Stabilität exportiert, importiert Instabilität.“

    Print       Email

You might also like...

Zweiter Wettkampftag bringt die ersten Medaillen für Team D

Read More →