ETF Magazin: “Miete statt Zins mit Immobilien-ETFs”

By   /  December 21, 2016  /  Comments Off on ETF Magazin: “Miete statt Zins mit Immobilien-ETFs”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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19. Dezember 2016. München (ETF Magazin). Wie verunsichert die deutschen Sparer sind, zeigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Der Blick aufs eigene Bankkonto stimmt die Mehrheit der Bundesbürger noch immer recht zufrieden. Mehr als die Hälfte befürchten jedoch wegen des Zinstiefs finanzielle Belastungen in der Zukunft. Trotzdem bleibt die Mehrzahl der Sparer aus Angst vor Verlusten bei ihrer gewohnten risikoscheuen Anlagestrategie: Nach dem eigenen Haus stehen vermietete Immobilien mit 29 Prozent ganz oben auf der Liste der beliebtesten Investments.
Betongold gefragt
Auch bei institutionellen Anlegern sind Immobilien gefragt. “Wir halten heute etwa 5 Prozent unserer Anlagen in Immobilien und wollen unseren Anteil in dieser Asset-Klasse erhöhen”, berichtet etwa Uwe Siegmund, Chefanleger der R+V Versicherung. Andere Institutionelle gehen noch weiter. So hält etwa die Babcock Pensionskasse fast 20 Prozent ihres Vermögens in Immobilien, über direkte Investments und Immobilienfonds. Trotzdem wollen die Geldverwalter noch mehr, genauso wie die Bayerische Versorgungskammer. Die will in Deutschland Milliarden in neue Wohnungen investieren, bekommt aber keine Grundstücke für die Neubauten. “Wir bauen jetzt Wohnungen in Chile und Tokio und investieren sogar in den Einzelhandel in New York”, beschreibt – Daniel Just, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Versorgungskammer, in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” seine Not.
Eine Studie des Luxemburger Fondsverbands bestätigt den Run der Profis auf das Betongold. “Die Immobilie hat als Anlageklasse für institutionelle Investoren in letzter Zeit ganz klar an Wichtigkeit zugenommen”, erklärt Kai Braun, Partner bei Ernst & Young Business Advisory Services und Co-Autor der Untersuchung. Nach seinen Berechnungen hat sich das Fondsvermögen der Luxemburger Immobilienfonds – meist Spezialfonds für Großanleger – in den letzten acht Jahren verfünffacht. Auch viele deutsche Gesellschaften wählten den Finanzplatz Luxemburg für die Zulassung neuer Immobilienfonds.
Der Run auf das Betongold ist verständlich. Wenn selbst Investment-Grade-Anleihen nur noch ein halbes Prozent Rendite bringen, brauchen institutionelle Anleger dringend Alternativen. Immobilien kommen da gerade recht – Bürohäuser, Wohnungen, Hotels, Einzelhandel, Lagerhallen – alles geht. Doch ob Anleger direkt in ein Objekt investieren oder sich über einen Fonds beteiligen, einen Nachteil müssen sie in Kauf nehmen: Immobilien sind immobil. Flott kaufen und verkaufen? Das geht bei dieser Anlageklasse (noch) nicht.
Immerhin ist eine Annäherung möglich: Wer flexibel bleiben will und dennoch Immobilien im Portfolio braucht, dem bleibt nur ein Ausweg aus der Zwickmühle: eine Beteiligung an börsennotierten Immobiliengesellschaften. Diese Unternehmen halten ein mehr oder minder konzentriertes Immobilienportfolio und schütten attraktive Dividenden an ihre Aktionäre aus. Mit einigen preiswerten Indexfonds erhalten Anleger leicht Zugang zu börsennotierten Immobiliengesellschaften aus Europa, den Vereinigten Staaten und sogar aus Asien.
Solche Investments können sich durchaus lohnen, wie die Wertentwicklung der Immobilien-ETFs und ihre Dividendenrenditen zeigen. So schaffte etwa der iShares-Developed-Markets-Property-Yield-ETF in den vergangenen drei Jahren rund 20 Prozent Wertzuwachs. Die aktuelle Ausschüttungsrendite des ETF beträgt derzeit mehr als drei Prozent. Der ETF enthält Immobilienaktien aus fast allen Industriestaaten, wovon gut die Hälfte US-Unternehmen sind. Noch besser lief es für Anleger, die sich auf europäische Immobiliengesellschaften (einschließlich Großbritannien) beschränkten. So wuchs etwa der Wert des Amundi-FTSE-Epra-Europe-Real-Estate-ETF in den vergangenen drei Jahren um mehr als 30 Prozent. Auch bei diesem ETF liegt die Dividendenrendite bei 3 Prozent.
Schwankungen inklusive
Solche Wertsteigerungen beeindrucken, doch natürlich gibt es sie nicht umsonst. Der Preis für Flexibilität und hohe Rendite sind teils kräftige Kursschwankungen. Die Volatilität der Immobilienaktien-ETFs übersteigt deutlich die von Immobilien-Direktinvestments oder von Offenen Immobilienfonds. So liegt bei den beiden genannten Immobilien-ETFs die Standardabweichung auf Sicht von drei Jahren bei ungefähr 15 Prozent. Der maximale Verlust erreichte im gleichen Zeitraum 18 Prozent. Zum Vergleich: Der Euro Stoxx 50 kam im gleichen Zeitraum auf eine Volatilität von gut 20 Prozent und einen maximalen Verlust von knapp 30 Prozent. Staatsanleihen der Eurozone erreichten weniger als 4 Prozent Volatilität und einen maximalen Verlust von gut 6 Prozent.
In einer rückwärts gerichteten Betrachtung stehen also Immobilienaktien im Vergleich zu anderen Aktien gut da. Gegenüber Staatsanleihen ist ihre Überlegenheit dagegen nicht unmittelbar erkennbar. Immerhin schafften auch Eurozone-Staatsanleihen in den vergangenen drei Jahren fast 20 Prozent Wertzuwachs. Wer nach vorn schaut, wird jedoch zu einem anderen Resümee kommen. Angesichts von Anleihenrenditen knapp über der Null-Linie werden weitere Kursgewinne der Zinspapiere immer unwahrscheinlicher. Auch die Zentralbanken werden früher oder später bei ihren Anleihenkaufprogrammen einen Gang runterschalten. Dann könnten die Anleihenkurse unter die Räder kommen.
Immobilienaktien dürften sich besser schlagen. Selbst wenn die Zinsen leicht ansteigen sollten, können sich die Gesellschaften immer noch günstig finanzieren und auf vergleichsweise stabile Erträge bauen. Immobilienaktien könnten noch von einem weiteren Faktor profitieren: Seit September werden Immobiliengesellschaften als eigener Sektor in den MSCI- und S&P-lndizes geführt. Bisher war die Immobilienbranche ein Teil des Finanzsektors. Einige Fondsmanager und Vermögensverwalter müssen deshalb nun wohl Immobilienaktien nachkaufen. Die Analysten von JP Morgan schätzen, dass dadurch bis zu 100 Milliarden US-Dollar frisches Geld in die Immobilienaktien fließt.
Starke Player
Wer jetzt mit einem ETF bei Immobilienaktien einsteigen will, ist vermutlich mit dem iShares-European-Property-Yield-ETF gut bedient. Der rund 1,5 Milliarden Euro schwere ETF investiert in mehr als 50 Immobilienaktien aus zehn europäischen Ländern. Nur Immobilienaktien aus Großbritannien sind explizit nicht enthalten. Etwa ein Drittel des Portfolios belegen deshalb französische Aktien.
Immobilienaktien aus Deutschland besetzen derzeit 29 Prozent des ETF-Portfolios. Stark beeinflusst wird die Wertentwicklung des ETF durch den französischen Shopping-Center-Spezialisten Unibail-Rodamco (18 Prozent) sowie die deutschen Wohnungsvermieter Vonovia SE (11 Prozent) und Deutsche Wohnen (8 Prozent). Der iShares-European-Property-Yield-ETF hält alle 50 Aktien direkt im Portfolio und verzichtet auf den Einsatz von Derivaten zur Abbildung seines Basisindex FTSE-Epra/Nareit-Europe-ex-UK. Dividenden werden bei diesem ETF vierteljährlich ausgeschüttet.
Der SPDR-FTSE-Epra-Europe-ex-UK-Real-Estate-ETF bildet den gleichen Index ab, thesauriert allerdings die Dividenden. Mit knapp 200 Millionen Fondsvolumen ist dieser ETF auch viel kleiner. Dafür liegt er bei den jährlichen Kosten zehn Basispunkte tiefer. Wer die möglicherweise negativen Auswirkungen des Brexit auf den britischen Immobilienmarkt nicht scheut, liegt dagegen beim Amundi-ETF-FTSE–Epra-Europe-Real-Estate-ETF richtig. Dieser ETF enthält zu gut einem Viertel auch Immobilienaktien aus Großbritannien.
Chancen in den Staaten
Angesichts der robusten US-Konjunktur verspricht auch der iShares-US-Property-Yield-ETF Chancen. Er enthält 128 börsengehandelte US-lmmobiliengesellschaften und Real Estate Investment Trusts (Reits), die eine für ein Jahr prognostizierte Dividende von mindestens zwei Prozent vorweisen können. Reits sind eine Sonderform der Immobiliengesellschaften. Sie unterliegen keiner Besteuerung, müssen dafür aber 90 Prozent ihrer Gewinne ausschütten. Stark im ETF gewichtet sind aktuell Reits im Bereich Einzelhandelsimmobilien sowie Gewerbe- und Büroimmobilien.
Zu großen Teilen auf die gleichen Unternehmen setzt der iShares-MSCI-Target-US-Real-Estate-ETF. Mit diesem ETF will die Fondsgesellschaft noch näher an eine Direktinvestition in US-Gewerbeimmobilien kommen. Nach Angaben von iShares ist der ETF so konzipiert, dass er ein ähnliches Risiko-Rendite-Profil wie Direktinvestitionen bietet. Der ETF basiert auf einem neu entwickelten MSCI-Index und diversifiziert sowohl regional innerhalb der USA als auch im Bezug auf die Branchen, in denen sich die Immobiliengesellschaften engagieren. Um die Volatilität zu reduzieren, greifen jedoch noch zusätzliche Mechanismen. So erhalten Aktien mit geringerer Volatilität ein höheres Gewicht. Der Fremdkapitalhebel, den Immobiliengesellschaften mit sich bringen, wird durch einen Deleveraging-Ansatz gemanagt. Als Inflationsschutz enthält der ETF zudem inflationsindexierte Staatsanleihen.
von Wilhelm Nordhaus, © Dezember 2016 – ETF MagazinDieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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