Anleihen: Inflation springt an

By   /  January 7, 2017  /  Comments Off on Anleihen: Inflation springt an

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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6. Januar 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Trotz Ferien und Feiertagen: Langeweile kam im Anleihehandel in der ersten Woche des neuen Jahres nicht auf. “Die Dezember-Inflationszahlen haben für Unruhe gesorgt”, berichtet Arthur Brunner von der ICF Bank. Am Dienstag und Mittwoch wurde bekannt, dass die Preissteigerung in Deutschland im Dezember auf 1,7 Prozent geklettert ist, in der Eurozone auf 1,1 Prozent. “Das hat den Euro-Bund-Future unter Druck gebracht”, erklärt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Dazu kam noch das Protokoll der US-Notenbank von der Dezember-Sitzung, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. “Das Protokoll hat Marktteilnehmer zu der Überzeugung gebracht, dass die Währungshüter kein Interesse daran haben, die Leitzinsen in diesem Jahr über Gebühr zu erhöhen”, erläutert die Helaba. Der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen liegt am Freitagmittag bei 163,61 Punkten, am Montag waren es noch 164,46 Punkte. Zehnjährige Bundesanleihen werfen eine Rendite von 0,25 Prozent ab.

Kein rasanter Zinsanstieg

Für das neue Jahr rechnen Analysten überwiegend mit einem mehr oder weniger deutlichen Zinsanstieg in den USA, dem sich auch Europa werde nicht ganz entziehen können. “Unsere empirische Analyse zeigt überraschenderweise, dass Bewegungen am US-Rentenmarkt unverändert stark auf den Euroraum durchschlagen”, erklärt etwa die Commerzbank. Dieser Effekt werde seit einigen Jahren aber überlagert durch die divergierenden Geldpolitiken von Fed und EZB. “Und daran wird sich 2017 nichts ändern. Entsprechend sehen wir nur ein sehr begrenztes Aufwärtspotenzial für Bund-Renditen, zumal der Renditeanstieg in den USA an Kraft verliert, weil der Markt schon viel eingepreist hat.”
Südländer müssen wieder mehr zahlenBrunner zufolge wird es für die EZB mit dem Anstieg der Inflation schwieriger, die Verlängerung des Anleihekaufprogramms über den März hinaus zu rechtfertigen. “Die EZB kann sich nicht mehr hinter der Inflationsrate verstecken.” Er hält daher Verwerfungen am Anleihemarkt im neuen Jahr durchaus für möglich. Europas Peripherie zeige sich auch wieder fragiler. “Die Rendite für zehnjährige portugiesische Anleihen liegt mittlerweile wieder über 4 Prozent.” Spanien habe bei der Emission neuer Staatsanleihen in dieser Woche höhere Zinsen zahlen müssen: für eine dreißigjährige Anleihe zum Beispiel 2,761 Prozent, am September seien es nur 2,115 Prozent gewesen. “Die Target-Salden befinden sich wieder auf Krisenniveau”, ergänzt der Händler. “Aktuell stehen dem positiven Saldo Deutschlands mit 754 Milliarden Euro Italien und Spanien mit negativen Salden von 358 und 330 Milliarden Euro gegenüber. Das macht deutlich, wie viel Geld aus diesen Ländern abfließt.” Die Salden zeigen die Zahlungsströme innerhalb der Eurozone an: Länder, in die besonders viel Kapital aus dem europäischen Ausland fließt, haben einen positiven Target-Saldo, Länder mit Kapitalabzug einen negativen.
BrunnerUnternehmensnachrichten bewegenEinen Satz nach oben machten Daniel zufolge Anleihen des portugiesischen Novo Banco (WKN A0VNWQ). “Die portugiesische Zentralbank hat die Beteiligungsgesellschaft Lone Star als bevorzugten Bieter für Novo Banco benannt”, berichtet der Händler. “Anleger hoffen nun offenbar, dass die Anleihe zu Pari zurückgezahlt wird.” Novo Banco ist Nachfolgeinstitut des 2014 staatlich aufgefangenen Banco Espirito Santo. Die bisherigen Verkaufsversuche waren gescheitert.
Außerdem gibt es laut Daniel Spekulationen über die vorzeitige Rückzahlung oder ein Rückkaufsangebot für Anleihen der ÖVAG (WKN A0DC0M) und der Investkredit (WKN 957610). Die ÖVAG, kurz für Österreichische Volksbanken-Aktiengesellschaft, seit Juli 2015 Immigon Portfolioabbau, war das Spitzeninstitut der österreichischen Volksbank Gruppe und befindet sich derzeit in der Abwicklung. Die Investkredit war 2005 von der ÖVAG übernommen worden.
Daniel

Primärmarkt läuft wieder an

Auch bei den Neuemissionen ist schon einiges los: Etwa kam Renault mit einer bis 2022 laufenden Anleihe mit Kupon von 0,75 Prozent (WKN A19BE8) auf den Markt, wie Daniel feststellt. Die Mindestanlagesumme beträgt 1.000 Euro. “Nachfrage sehen wir aber nicht.”
Brunner berichtet von einer neuen BMW-Anleihe mit zwei Tranchen, ebenfalls mit Stückelung von 1.000 Euro: Die erste läuft bis 2021 und bietet 0,1625 Prozent (WKN A19BGQ), die zweite bis 2024 mit 0,75 Prozent (WKN A19BGR). Beide seien sehr gut angenommen worden. “Dabei sind die Zinsen bei Corporate Bonds noch nicht wirklich gestiegen.”
Ein weiterer Anschlag in der Türkei, diesmal in Izmir, ließ die türkische Lira auf ein neues Allzeittief zum US-Dollar fallen. “Bei den Umsätzen in Lira-Anleihen macht sich das aber nicht bemerkbar”, bemerkt Daniel.
von: Anna-Maria Borse 6. Januar 2017,
© Deutsche Börse AG

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