Wochenausblick: Warten auf neue Impulse

By   /  January 9, 2017  /  Comments Off on Wochenausblick: Warten auf neue Impulse

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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9. Januar 2016. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Verhalten startete der deutsche Aktienindex ins neue Jahr. Mit einem Anstieg von 11.481 auf 11.599 Punkte verbuchte der DAX in der ersten Handelswoche einen kleinen Gewinn von rund 1 Prozent. Ebenso erging es dem Euro Stoxx 50, der sich am Freitag bei einem Stand von 3.323 Zählern aus dem Handel verabschiedete.
“Selbst insgesamt erfreuliche Frühindikatoren liefern zurzeit keine neuen Impulse”, stellt Chris-Oliver Schickentanz fest. Da der Commerzbank-Analyst auch vonseiten der Notenbanken und der bald anlaufenden Berichtssaison mit keiner wesentlichen Unterstützung rechnet, werde die eher abwartende Haltung der Investoren erst einmal andauern.

Teuerungsrate nicht nachhaltig

Die auf 1,7 Prozent gestiegene Inflationsrate in Deutschland habe viele Marktteilnehmer überrascht und eine Diskussion über den künftigen Kurs der Europäischen Zentralbank losgetreten. Denn auf den ersten Blick liege die Teuerung mit knapp unter 2 Prozent damit nun im Zielkorridor der Währungshüter. Daraus aber ein Ende der Nullzinspolitik abzuleiten, hält Schickentanz für verkehrt. “Der aktuelle Inflationsanstieg ist allein der Tatsache geschuldet, dass Öl- und Energiepreise im Jahresvergleich kräftig angestiegen sind.” Dieser Effekt sei vorübergehend und werde bereits im zweiten Quartal spürbar nachlassen. Die Kerninflation liege mit unverändert knapp 1 Prozent immer noch weit entfernt von den selbstgesteckten Zielen der Zentralbank. Gleiches gelte für die Teuerungsrate von 1,1 Prozent im Euroraum. “Für nachhaltigen Inflationsdruck ist die Arbeitslosigkeit in Europa zu hoch und die Auslastung der Industrie zu gering.”

Gute Laune in den Chefetagen

Das könnte sich allerdings ändern. Denn konjunkturell stehen die Ampeln nach Ansicht von Christian Apelt rund um den Globus auf grün. Die Stimmungsindikatoren verbesserten sich in den letzten Monaten, wie der Analyst der Helaba zusammenfasst. In den USA sei der ISM-Index des Verarbeitendes Gewerbes auf ein Zweijahreshoch gestiegen, der Einkaufsmanagerindex der Eurozone sogar auf den höchsten Stand seit 2011. In fast allen befragten Ländern habe sich die Stimmung verbessert. “Auch die realen Daten sprachen zuletzt eher für ein erfreulicheres Wachstum.”

Europäische Industrie im Vorwärtsgang

“Die Schrittfolge in der Industrie beschleunigt sich”, sieht auch Kollege Stefan Mütze. Das Geschäftsklima sei hierzulande zum Jahresende auf den höchsten Wert seit Mai 2014 geklettert, wobei sich diese Entwicklung nicht auf Deutschland beschränke. “Die industriellen Einkaufsmanager sind europaweit optimistischer.” Dies gelte vor allem für die vom Welthandel stark abhängige Niederlande. “Auch Frankreich sowie die mediterranen Länder melden lebhaftere Geschäftsaktivitäten.”
Allzeithoch noch außer ReichweiteAus technischer Perspektive greift der DAX nach Ansicht von Gregor Bauer die Marke von 11.600 Punkten an, die auch als Widerstand fungiere. “Seit Tagen verläuft das deutsche Aktienbarometer knapp darunter.” Überwinde der DAX diese Hürde, stehe das nächste Hindernis bei etwa 11.800 bis 11.880 Punkten, bevor das Allzeithoch vom 13. April 2015 bei 12.388 Punkten in Sichtweite rücke. Einen Durchbruch auf dieses Niveau sieht der unabhängige Charttechiker aktuell aber noch nicht.
“Bemerkenswert ist, dass seit dem Knacken der massiven Widerstandzone um 10.800 Punkte am 7. Dezember keine deutliche Kurskorrektur einsetzte.” Die kurze Seitswärtsbewegung zwischen etwa 11.400 und 11.500 DAX-Punkten vom 20. Dezember bis Jahresende stelle nun die nächste Unterstützungszone. “Das kurzfristige Rückschlagpotential ist damit zunächst auf etwa 11.400 Punkte begrenzt.” Falle der DAX unter diese Schwelle, könne dies die von vielen Analysten befürchtete Korrektur nach sich ziehen. “Vorsichtige Anleger werden dann erst einmal ihre Gewinne sichern.”
BauerMittelfristig Luft nach oben

“Nach der dynamischen, steilen Aufwärtsbewegung im Dezember scheint nun die Luft merklich dünner zu werden”, meint Karen Szola. Dies signalisierten zum einen die überkauften Indikatoren, zum anderen begrenze die Parallele des im Februar 2016 entspringenden Aufwärtstrends den weiteren Aufstieg. Die Trendlinie notiere derzeit um 11.800 Zähler. “Ein auf gleichem Level liegender horizontaler Widerstand verstärkt diese Barriere zusätzlich, sodass nicht unmittelbar mit einem Ausbruch darüber zu rechnen ist”, schätzt die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online.

Mittelfristig zeige sich der Aufwärtstrend intakt. Dieser gewähre dem Index Abwärtsspielraum bis auf etwa 10.100 Punkte. “Erst ein Bruch dieses Trends würde das grundsätzlich positive Szenario eintrüben.” Übergeordnet besitze die Marke von 12.000 DAX-Punkten auf der Oberseite Anziehungskraft. “Darüber findet sich als letzte Hürde nur noch das Allzeithoch bei 12.390 Punkten, bevor es in charttechnisches Neuland gehen kann.”

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Freitag, 13. Januar
1.00 Uhr. USA:Rede von Notenbankchefin Janet Yellen. Bei einem Treffen mit Lehrern und Pädagogen wird sich Yellen neben einer kurzen Rede laut HSBC zu den Aufgaben und Verantwortlichkeiten des geldpolitischen Systems in den USA auch einer Fragerunde stellen. Ob die oberste US-Währungshüterin in diesem Rahmen auch über die künftige Gestaltung der monetären Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit sowie den Umfang und die Geschwindigkeit weiterer Zinserhöhungen eingeht, bleibe abzuwarten. Grundsätzlich gestalte sich das konjunkturelle Umfeld konstruktiv, so dass die Analysten der britischen Großbank in diesem Jahr mit zwei Anhebungen der Fed Funds Rate um jeweils 25 Basispunkte im Juni und Dezember rechnen.
16.00 Uhr. USA: University of Michigan Verbrauchervertrauen, Januar.
Nach den US-Präsidentschaftswahlen war der Optmimismus der Konsumenten laut HSBC spürbar gestiegen und habe zuletzt gar den höchsten Stand seit Anfang 2004 erreicht. Dieses Niveau werde im aktuellen Berichtsmonat vermutlich mindestens verteidigt, was auf eine anhaltend hohe Ausgabenneigung der US-Verbraucher hinweisen würde. Das dokumentierten die Einzelhandelsumsätze, die nach drei Monatsanstiegen in Folge im November um 3,8 Prozent über dem Vorjahresniveau lägen. Auch für Dezember erwarteten die Analysten ein Monatsplus von 0,7 Prozent. Zu dem Anstieg trügen vor allem die Umsätze im Automobilsektor als auch die gestiegenen Benzinpreise an den Tankstellen bei. Ohne die beiden Komponenten sieht die HSBC einen Zuwachs von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat.
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Von: Iris Merker
9. Januar 2017, © Deutsche Börse AG




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