Halvers Woche: “USA unter Trump: Leider Zustände wie im alten Rom”

By   /  January 20, 2017  /  Comments Off on Halvers Woche: “USA unter Trump: Leider Zustände wie im alten Rom”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Halvers Woche: “USA unter Trump: Leider Zustände wie im alten Rom”

20. Januar 2017. MÜNCHEN (Baader Bank). Das partnerschaftliche Verhältnis der USA zu Europa läuft Gefahr, zu einer Abhängigkeitsbeziehung wie im Römischen Reich zu werden. Entweder man fügt sich Cäsar Trump oder er senkt den Daumen über seine Vasallen. Hinter seiner Aussage, die Nato sei hinfällig, steht insgeheim die klare Forderung an seine Schutzbefohlenen, deutlich höhere Beiträge in die Nato-Kasse zu zahlen. Als knallharter Geschäftsmann gilt bei ihm die Devise: Keine Leistung ohne Gegenleistung. Natürlich weiß Trump, dass ein politisch zerstrittener Hühnerhaufen in Europa ohne amerikanischen Beistand einem Fuchs – zum Beispiel einem mit russischem Fell – derzeit wenig entgegenzusetzen hat.
Seinem zentralen Wahlversprechen ordnet Trump alles unter
Trump weiß sehr genau, was er liefern muss: Jobs, Jobs, Jobs. Ansonsten wird seine republikanische Partei bei den Halbzeitwahlen 2018 ihr Waterloo erleben. Gewännen die Demokraten aus Wählerenttäuschung die Mehrheit im Kongress zurück, würde die politische Lichtgestalt Trump gedimmt. Dann kann er ohne demokratische Zustimmung u.a. nicht jene Staatsverschuldung durchführen, ohne die seine Steuersenkungs- und Infrastrukturoffensiven nur Illusionen blieben. Ohnehin haben die Demokraten noch Rechnungen offen. Sie haben nicht vergessen, dass die Republikaner bei Gesetzesvorhaben von Barack Obama mit beiden Füßen auf der Bremse standen.
Wenn nötig wird Trump für mehr Jobs in Amerika die Tür für Handelsprotektionismus sperrangelweit öffnen. Der angeblich unfaire deutsche Exportüberschuss gegenüber den USA liefert ihm hier eine Steilvorlage. Das bekommt die klassische deutsche Exportbranche Automobile zu spüren. Ihn stört es, dass vor Häusern in New York und sogar vor seinem Caesars Palace – auch Trump Tower genannt – viele deutsche und wenige amerikanische Autos stehen. Dass dies auch etwas mit deutscher Ingenieurskunst zu tun hat, verschweigt des neuen US-Präsidenten Ignoranz. New Yorker wissen offenbar, was gut ist. Dennoch, dem Arbeitsplatzaufbau in den USA nutzt es nichts, wenn diese Autos Made in Germany oder Hecho en México sind. Also malt er schon einmal drohend Importzölle auf deutsche Autos von üppigen 35 Prozent an die Wand, wenn sie nicht Made in USA sind.
“Made in USA ist Trumps neuer Evergreen” weiter
Donald Trump ist das Beste, was Theresa May passieren konnte
Mit Hard Brexit – Ausscheiden aus EU-Binnenmarkt und Zollunion – begeht Großbritannien eigentlich wirtschaftlichen Selbstmord. So hat der Wegfall des EU-Finanzpasses für den Londoner Finanzplatz eigentlich eine ähnliche Bedeutung wie die Kastration für Casanova. Aber ideologisch scheint Premierministerin May aus dieser Exit-Nummer nicht mehr herauszukommen. Doch sie hat ja einen Trump(f): Der neue US-Präsident hat aus seiner Freude für die “Befreiung” Großbritanniens aus der EU nie einen Hehl gemacht. Und er freut sich so sehr, dass sich ein neues britisch-amerikanisches Dreamteam abzeichnet, das sich wirtschaftlich gegen die EU ähnlich verbünden könnte wie damals Margaret Thatcher und Ronald Reagan militärisch gegen die Sowjetunion. Dazu zählt ein exklusives, attraktives Handelsabkommen zwischen beiden Ländern. Dies gibt London erst die Puste, diesen knallharten Brexit durchzuführen, also die rechtlichen Verpflichtungen der EU-Mitgliedschaft so umfangreich zu kappen, dass u.a. über zustimmungsfreie, autonome Steuersenkungen der britische Investitionsstandort kräftig aufpoliert wird. Unternehmenssteuern sind immer schon ein markantes Kriterium für die Güte eines Wirtschaftsstandorts gewesen, siehe Irland.”Trumps Handelsmedizin lindert die Schmerzen des Hard Brexit” weiter
Trumps einfaches Wertesystem: Bringst Du mir Rendite, bist Du mein Freund
Natürlich könnte jetzt die Rest-EU ihr Schicksal gemeinschaftlich in die Hand nehmen und ebenso Importzölle auf US-Dienstleistungen und Waren erheben und überhaupt gegen die neue angelsächsische Liebe vorgehen. Aufgrund der vielfältigen Disharmonien zwischen den EU-Staaten ist so viel Gemeinsinn jedoch nicht unbedingt zu erwarten. Übrigens, der deutsche Exportüberschuss ist nicht nur den Amerikanern, sondern auch unseren europäischen Handelspartnern ein Dorn im Auge. Er ist für viele der vermeintliche Beweis, dass nur Deutschland von Europa profitiert. Das schmälert das europäische Wir-Gefühl zusätzlich.
Und in diese Wunde hält Trump weiter seine Finger. Er glaubt, dass noch weitere Länder aus der EU austreten könnten. Scheiden aus der EU täte tatsächlich dann weniger weh, wenn Amerika ihnen jeweils mit bilateralen Handelsverträgen stützend entgegenkommt. Damit würde Trump massive Schneisen in die gemeinsamen handelspolitischen Verteidigungslinien der EU schneiden und ihr Gegengewicht zur Weltwirtschaftsmacht Amerika entscheidend schwächen.”Rotfuchs Trump greift die handelspolitischen Verteidigungslinien der EU an” weiter
Da vor allem Deutschland deutlich mehr in die USA exportiert als umgekehrt, schmerzt uns die Einschränkung des Freihandels auch deutlich mehr. Und wenn über ein Ping Pong des gegenseitigen Handelsprotektionismus schließlich auch noch die letzte deutsche Schraube mit amerikanischen Importzöllen belegt wird, schmelzen bei uns Arbeitsplätze so schnell dahin wie Schnee im Frühling.

Berlin muss die Achillesferse der deutschen Wirtschaft schützen.
Amerikanisches Erpressungspotenzial für Deutschland ist klar vorhanden. Trumpsche Schreckensnachrichten über Tweets mit maximal 140 Zeichen – wenn er sich z.B. beim Rasieren geschnitten oder schlecht geschlafen hat – werden deutschen Exportmanagern regelmäßig Angstschweiß auf die Stirn treiben. Die Redewendung “Das hat mir ein Vögelchen gezwitschert” bekommt da schnell eine sehr makabre Bedeutung.”Die Redewendung “Das hat mir ein Vögelchen gezwitschert” bekommt eine ganz neue Bedeutung” weiter
Die Alternative einer stärkeren handelspolitischen Verzahnung Europas mit Asien hat gewaltige Haken. Peking würde sich für die Rolle der handelspolitischen Auffangstation Europas mehr als fürstlich entlohnen lassen, z.B. mit der Genehmigung, den deutschen Mittelstand und damit sein Industrie-Know How bedingungslos aufzukaufen.
Insgesamt kann Europa und schon gar nicht die klassische Exportnation Deutschland eine handelspolitische Auseinandersetzung oder sogar einen Handelskrieg mit den USA gewinnen. Mit kaltem Realismus wird Berlin daher eine wirtschaftliche Friedensmission starten müssen. Böse formuliert: Man gibt Trump das, was er verlangt, zumindest kommt man ihm massiv entgegen. Alles andere wäre Majestätsbeleidigung und würde von Cäsar geahndet.”Majestätsbeleidigung wird von Cäsar Trump geahndet” weiter
Da Amerika für “Feuer frei” beim Wirtschaftswachstum steht und von deutscher Stabilitätspolitik so viel hält wie Cowboys von Soja-Steaks, wird man uns “nett” auffordern, Griechenland und anderen Schuldnerländern in der Eurozone großzügige Schuldenerlasse zu gewähren. Hierfür plädiert bereits der IWF. Trump wird versuchen, auch noch die letzten Stabilitätskriterien der deutschen Machart zu beseitigen. Jeder weiß, dass das in Europa mehrheitlich Anklang findet.
Um dem deutschen Exportüberschuss entgegenzuwirken, wären staatliche Infrastrukturinvestitionen in die volkswirtschaftliche Substanz, in Straßen, Brücken, Energiewende, Netzausbau und Bildung geeignete Maßnahmen, von denen übrigens auch europäische Unternehmen profitierten. Das kommt der deutschen Binnenkonjunktur und dem europäischen Wirtschaftsfrieden zugute.
Auch wenn es zu keiner Liebesbeziehung kommt, wird Frau Merkel aufgrund der deutschen Abhängigkeit vom Außenhandel eine Vernunftehe mit Trump eingehen müssen.”Merkel und Trump – Liebesbeziehung nein, Vernunftehe ja!” weiter
Deutsche Exportunternehmen erkaufen sich die handelspolitische Absolution
Die Drohung Trumps, amerikanische Importzölle von 35 Prozent auf deutsche Autos einzuführen, hat in den Vorstandsetagen hinter vorgehaltener Hand durchaus für Schnappatmung gesorgt. Bei derart verteuerten Importautos würden sich viele Amerikaner tatsächlich für “Buy America” entscheiden. Um diesem Exportalptraum zu entgehen, wird auch die deutsche Unternehmerschaft versuchen, die Gunst Cäsars zu erlangen. Die Autokonzerne werden mehr in den USA produzieren und damit Trumps Herzenswunsch entsprechen, mehr Jobs zu schaffen.
Im Rahmen der Trumpschen Politik von “America First” werden Opportunismus und vorauseilender Gehorsam wie im Römischen Reich leider wieder hoffähig.
Weder Makro- noch Mikro-Deutschland werden gegenüber Cäsar Trump den Brutus spielen können.”Weder Makro- noch Mikro-Deutschland werden gegenüber Cäsar Trump den Brutus spielen können.” weiter

von: Robert Halver
20. Januar 2017, © Baader Bank

Über den Autor
Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und Halvers Woche Bestandteil des wöchentlichen Kapitalmarktmonitors.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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