Anleihen: Fallende Kurse, höhere Renditen

By   /  January 21, 2017  /  Comments Off on Anleihen: Fallende Kurse, höhere Renditen

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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20. Januar 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Trend steigender Zinsen und fallender Anleihekurse hat sich auch in der dritten Woche des neuen Jahres fortgesetzt: Der Euro-Bund-Future notiert am Freitagmittag bei 162,60 Punkten, vor einer Woche waren es 163,83 Punkte. Zehnjährige Bundesanleihen werfen 0,36 Prozent ab nach 0,31 Prozent vergangenen Freitag. Auch die Renditen für zehnjährige US-Anleihen klettern wieder nach oben.
“Verantwortlich dafür dürfte sein, dass die Inflation in den USA im Dezember auf über 2 Prozent gestiegen ist”, bemerkt Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. Außerdem habe Fed-Chefin Janet Yellen am Mittwoch erneut auf die sich nähernde Vollauslastung der US-Wirtschaft verwiesen, wodurch ein zu langes Zögern der Fed die Gefahr eines Überschießens der Inflation oder der Instabilität der Finanzmärkte mit sich bringe.
Kein Tapering in Sicht
Von der EZB-Sitzung am gestrigen Donnerstag gab es, wie erwartet, nichts Neues. Der Zins bleibt bei 0 Prozent, die Anleiheankäufe werden fortgesetzt, eine Verringerung des Volumens – kurz Tapering – ist derzeit kein Thema. Mit Spannung erwartet wird die heutige Antrittsrede des neuen US-Präsidenten Trump. “Es besteht die vage Hoffnung auf einige unternehmerfreundliche und vor allem detaillierte Ankündigungen in Form von Steuersenkungen, Deregulierung und dem Infrastrukturprogramm”, erklärt de la Rubia. Gleichzeitig setzten einige Anleger darauf, dass die Handelspolitik weniger protektionistisch ausfalle als zuletzt von Trump kommuniziert. “Wir sind skeptisch und erwarten eine gewisse Ernüchterung an den Finanzmärkten, die sich auch in leicht fallenden Staatsanleiherenditen niederschlagen wird.”
Die Sorgen um Portugal haben sich etwas gelegt. “Der Ausverkauf ist vorbei”, stellt Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Die Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen, die vor gut zwei Wochen mit über 4 Prozent ein Elfmonatshoch erreicht hatte, liegt jetzt wieder bei 3,8 Prozent.
Türkische Anleihen verlierenAbermals unter Druck gerieten türkische Anleihen, ausgelöst durch die politischen Entwicklungen im Land und den rasanten Verfall der Währung, die gegenüber US-Dollar und Euro auf neue Rekordtiefs fiel. Etwa kostet ein Euro jetzt 4,08 Lira, vor zwei Jahren waren es nur 2,60 Lira. “In der Folge versuchten internationale Kapitalanleger ihre Verluste zu begrenzen, was eine regelrechte Kapitalflucht ausgelöst hat”, berichtet Klaus Stopp von der Baader Bank. Investoren trennten sich im großen Stil von ihren in türkischer Lira begebenen Anleihen, aber auch auf andere Währungen lautende Staatsanleihen wurden abgestoßen (WKN A1GWJH, A1ZGRG). StoppSpekulieren auf Peso-Erholung
Risikofreudige Anleger setzen derzeit auf Bonds in mexikanischen Pesos, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank beobachtet hat. “Es wird darauf gehofft, dass Trump doch eine gemäßigtere Politik fahren wird und der unter die Räder gekommene Peso sich wieder erholt.” Zugegriffen werde etwa in einer bis 2027 laufenden Anleihe der EIB (European Investment Bank) in der mexikanischen Währung mit Kupon von 8 Prozent (WKN A19BGN).
Travel24com weiter fester
Im Bereich der Unternehmensanleihen hat sich der Travel24.com-Bond (WKN A1PGRG) weiter erholen können, zum Teil wurden Kurse über 80 Prozent erreicht, jetzt sind es 70 Prozent. “Die Käufer gehen davon aus, dass Travel24.com von der Unister-Insolvenz nicht betroffen ist und die Anleihe zurückgekauft wird oder es einen Vergleich gibt”, stellt Brunner fest. “Außerdem ist auch der Aktienkurs gestiegen.” 2016 war die Anleihe zwischenzeitlich auf 3 Prozent gefallen.
Etwas unter Abgabedruck gerieten Brunner zufolge nach den Kursgewinnen in der Vorwoche VW-Hybridanleihen (WKN A1ZE21). “Das hängt wohl auch mit den Trump-Äußerungen zusammen.” Anfang der Woche hatte Trump mit Strafen droht, sollten BMW, Daimler und VW ihre für den US-Markt vorgesehenen Fahrzeuge günstig in Mexiko produzieren. Gesucht bleibe bei Privatanlegern eine Metro-Anleihe (WKN A14J83), die bis 2025 läuft und 1,5 Prozent bietet. Eine gute Nachfrage sieht der Händler auch in Mittelstandsanleihen wie dem Papier von Ferratum (WKN A2AAR2).
Neues von Fresenius
Die Emissionstätigkeit fiel im Vergleich zum Jahresstart verhaltener aus, wie Stopp feststellt. Neues in privatanlegerfreundlicher Stückelung von 1.000 Euro gab es vom Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius, und zwar in vier Tranchen: Die erste läuft bis Januar 2022 und bietet einen Kupon von 0,875 Prozent (WKN A19B3F), die zweite bis Januar 2024 mit 1,5 Prozent (WKN A19B3G), die dritte bis 2027 mit 2,125 Prozent (WKN A19B3H) und die vierte bis 2032 mit 3 Prozent (WKN A19B3J). “Wir sehen eine gute Nachfrage, besonders nach der siebenjährigen Anleihe”, erklärt Brunner.
Linde kam unterdessen mit einer neuen fünfjährigen Anleihe mit Kupon von 0,25 Prozent (WKN A19BT2) auf den Markt. Gut aufgenommen wurde laut Rainer Petz von Oddo Seydler auch eine Neuemission der Reederei Hapag Lloyd mit Kupon von 6,75 Prozent und Laufzeit bis 2022. “Die Anleihe wird jetzt schon zu 103,3 Prozent gehandelt.” Ursprünglich angepeilt war ein Emissionsvolumen von 150 Millionen Euro, dank guter Nachfrage wurden es 250 Millionen. Allerdings liegt das Mindestanlagevolumen hier bei 100.000 Euro.
von: Anna-Maria Borse
20. Januar 2017, © Deutsche Börse AG

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