»Unser Land ist leider sehr gespalten«

By   /  January 25, 2017  /  Comments Off on »Unser Land ist leider sehr gespalten«

    Print       Email

MIL OSI – Source: Koerber Stiftung –

Headline: »Unser Land ist leider sehr gespalten«

Neuer Wind für den Transnistrien-Konflikt: Im November 2016 wurde in der Republik Moldau erstmals seit 20 Jahren ein Präsident per Direktwahl bestimmt. Seit der Wahl von Igor Dodon im November 2016 flammt unter den Diplomaten eine vorsichtige Hoffnung auf eine Beilegung des Territorialstreits auf. »Igor Dodon hat sich schon im Wahlkampf auf dieses Thema konzentriert«, sagt der ehemalige moldauische Botschafter Andrei Popov, der zurzeit in Chișinău das Institut für Strategische Initiative Moldau aufbaut. Im Gespräch mit der Körber-Stiftung ließ Popov keinen Zweifel daran, wie neue Verhandlungen über den Status von Transnistrien ausgehen müssen: »Wir sehen Transnistrien als Teil der Republik Moldau.«
Verhandlungen im sogenannten 5+2-Format (Republik Moldau, Transnistrien, OSZE, Russland, Ukraine sowie EU und USA) sollen Klarheit dazu bringen. Erst im Sommer 2016 waren die Beteiligten nach zweijähriger Pause wieder an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. 
30 Prozent der Gesamtbevölkerung haben das Land schon verlassen
Doch der Transnistrien-Konflikt ist nur eine von vielen Baustellen, mit denen Chișinău kämpft. Die Gesellschaft ist gespalten, viele Menschen haben sich enttäuscht von der Politik und einem Sumpf aus Korruption abgewandt. Hunderttausende haben das Land verlassen. Vor allem die Jungen und Gebildeten suchen im Ausland nach einer besseren Zukunft, in der Heimat fehlen sie dem Arbeitsmarkt. Eine Million Moldauer, also 30 Prozent der Gesamtbevölkerung, sollen im Moment außerhalb der Landesgrenzen leben. Viele von ihnen arbeiten in Russland, mit dem Moldau auch über 25 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion die Sprache und eine gemeinsame Geschichte verbindet. Zahlreiche Moldauer, darunter vor allem die ältere Generation, bedauern das Ende der Sowjetunion. Auch das ist ein Grund, weshalb der prorussische Igor Dodon die Präsidentschaftswahl gewonnen hat.
Eine Abkehr von Europa, sagt Andrei Popov, bedeutet das jedoch nicht. Schließlich sei Moldau noch immer eine parlamentarische Demokratie, der Präsident habe nur begrenzten Einfluss. Trotzdem dürfe man nicht verkennen, dass viele Moldauer mit der Entwicklung ihres Landes unzufrieden seien. Sollte sich daran nicht grundsätzlich etwas ändern, glaubt Popov nicht daran, dass die Auswanderer zurückkehren. Der frühere Diplomat hofft darauf, dass es Präsident Igor Dodon gelingen wird, die Grundlage für eine stärkere, integrative Zivilgesellschaft im Land zu schaffen. »Das ist machbar«, sagt Popov.
Video

    Print       Email

You might also like...

Zweiter Wettkampftag bringt die ersten Medaillen für Deutschland

Read More →