Ein Ritt durch die Zeitgeschichte: Butz Peters stellte sein Buch „1977 – RAF gegen die Bundesrepublik“ vor

By   /  January 27, 2017  /  Comments Off on Ein Ritt durch die Zeitgeschichte: Butz Peters stellte sein Buch „1977 – RAF gegen die Bundesrepublik“ vor

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MIL OSI – Source: Konrad Adenauer Stiftung –

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40 Jahre ist es nun her, als die Rote Armee Fraktion (RAF) versuchte, die Bundesrepublik Deutschland zum Umsturz zu zwingen und dabei scheiterte. Dieses „Schlüsseljahr“ wurde nun von Butz Peters, der bereits drei Werke zum Thema der RAF verfasste, in seinem neuen Buch analysiert. Zwei Jahre lang recherchierte der Autor, selbst Jurist und einstiger Moderator von „Aktenzeichen XY … ungelöst“, für das Buch. Dabei wertete er neu-zugängliches Material aus und sprach mit vielen Zeitzeugen.
1977 – prägend für die deutsche Geschichte

1977 – ein Jahr, das sich in das „kollektive Gedächtnis der Deutschen“ eingebrannt habe. Es sei „vergleichbar mit den Jahren 1961 und 1989“, so Christian Schleicher, der stellvertretende Leiter der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Es war das Jahr, indem die RAF die Geschichte der Bundesrepublik prägte, erinnert sich auch der Generalbundesanwalt Dr. Peter Frank, der die Laudatio hielt. Das „Gefühl der Bedrohung“ war allgegenwärtig, die Fahndungsplakate hingen überall.

Das Buch schildert die Ereignisse des Jahres, beginnend mit der Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback und endend mit dem „Deutschen Herbst“. Dr. Peter Frank lobte Peters Buch als „spannend und facettenreich“ und seinen „sachlich, präzisen und ideologiefreien Erzählstil“. Auch der Umstand, dass er allen beteiligten Personen, den Tätern, Opfern, Opferfamilien und der Polizei, „ein Gesicht gibt“ sei bemerkenswert. Es sei ein „äußerst lebenswertes Buch“ und „nicht nur für Zeitzeugen“ interessant.

Der Autor führte eindrücklich und detailliert, mit viel Bildmaterial durch das Jahr 1977, „ein Ritt durch die Zeitgeschichte“ also. Er schilderte die Umstände und Gründe, die die RAF-Mitglieder zu ihren Taten trieben, wie und warum sie diese planten. Die RAF wollte der Bundesrepublik die „Machtfrage stellen“ und mittels mehrerer Aktionen diese „weichklopfen, um verhaftete RAF-Mitglieder, wie Andreas Baader, frei zu bekommen”. Dieses Vorhaben scheiterte im sogenannten „Deutschen Herbst“, nach der missglückten Entführung des „Landshut“-Flugzeuges. Der entführte Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wurde ermordet und führende RAF-Mitglieder begangen in Haft Selbstmord. Die Politik der Bundesrepublik, damals unter der Regierung Helmut Schmidts, entschied sich in dieser Krisenzeit aus diesem Notstand kein „politisches Kapital“ zu schlagen, sodass auch die Opposition im „Krisenstab“ saß. Dieses „gemeinsame Zusammenstehen“ und die „Einheit der Demokraten damals“ wertet Butz Peters als sehr wichtiges Instrument gegen den Terror der RAF.

Ein Blick in die Gegenwart

Die Vorträge schlugen auch einen Bogen zu den Herausforderungen, die die heutigen extremistischen Terrororganisationen an den Staat stellen. Vergleiche der RAF mit Gruppen wie dem Islamischen Staat oder al-Qaida zeigen dabei einige Unterschiede. Während die RAF eine straff organisierte, hierarchische Gruppe mit genau festgelegten Plänen war, sei der IS dezentral, mobil und flexibel mit modernen technischen Möglichkeiten aufgebaut. Der IS sei durch seine Ideologie, die den eigenen Tod bei ihren Taten nicht ausschließe gefährlicher als die RAF, deren Ziel es war, nie festgenommen zu werden. Daher sprach sich der Generalbundesanwalt Dr. Peter Frank für mehr Personal und an die Umstände angepasste rechtlichen Möglichkeiten aus, die den Kampf gegen den Terror verbessern könnten.

Entgegen ihrem Ziel wurden fast alle 22 RAF-Akteure des Jahres 1977 gefasst. Butz Peters bezeichnet die Geschichte dennoch als „Mosaik“, denn einige kleinere Stücke seien noch unklar. Auch das letzte Verfahren gegen ein RAF-Mitglied konnte keine Klarheit bringen. 2010 wurde ein Verfahren gegen Verena Becker angesichts der Buback-Ermordung eröffnet, da es Hinweise gab, dass sie direkt beteiligt gewesen sein könnte. Zum Prozess wurden auch ehemalige RAF-Mitglieder vorgeladen, wie u.a. Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar. Diese „verbitterte Rentner-Gruppe, die von Hartz IV leben“, so Butz Peters, machte keinerlei Aussagen, aus dem Grund dass es „ihre“ Geschichte sei, die die Öffentlichkeit nichts angehe.

Es werden noch einige Dinge des Jahres 1977 ungeklärt bleiben müssen. Dieser Umstand macht dieses Kapitel der deutschen Geschichte vielleicht gerade so faszinierend und weiterhin beachtenswert.

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