Der Kuchen und der Wolf

By   /  January 28, 2017  /  Comments Off on Der Kuchen und der Wolf

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

Headline: Der Kuchen und der Wolf

Filmaufnahme zeigt Wolf „Pumpak“ in der Lausitz

In Sachsen wurde ein Wolf zum Abschuss freigegeben. Nun zeigt ein Video, wie er in der Lausitz durch einen Garten läuft. Agressives Verhalten ist dabei nicht zu erkennen – vielleicht eher ein Interesse an Backwaren?

27. Januar 2017 – Am Morgen des 19. Januar stellt Sandra K. im sächsischen Quolsdorf ihren frisch gebackenen Kuchen zum Abkühlen vor die Tür. Die Katzen und Ziegen sind eingesperrt. Niemand soll sich an dem Backwerk vergehen. Kurz darauf entdeckt sie im Augenwinkel durch das Küchenfenster ein Tier im Garten vorbei huschen. Ob der Nachbarhund ausgebüxt ist und umherstreift? „Besser erst einmal den Kuchen sichern,“ denkt sich Sandra K.

Als Sandra K. die Haustür öffnet, macht sie eine überraschende Entdeckung: Ein Wolf steht mitten auf ihrem nicht eingezäunten Hofgelände. Das Tier ist erschrocken davon, dass sie plötzlich auftaucht und zieht sich umgehend zurück. Sandra K. folgt dem Wolf mit einigem Abstand, das Handy zum Filmen bereit. Hinter dem Schuppen sieht sie das Tier noch einmal, während es sich gerade hinter einem Busch verdrückt. In ihrem Handy-Video kann Sandra K. gerade noch einfangen, wie sich der Wolf in Richtung Feld davon trollt.

Wolf „Pumpak“ stammt aus Polen

Anhand des Videos kann NABU-Wolfsexperten Markus Bathen den sogenannten Problemwolf identifizieren, der vor Kurzem in Sachsen zum Abschuss freigegeben wurde und der in den Medien unter dem Namen „Pumpak“ (polnisch: der Fette) bekannt ist. Für Markus Bathen fügt sich die Geschichte, die Sandra K. erzählt, haargenau zu dem, was wir über den Wolf aus dem polnischen Wolfsmonitoring wissen.

Dieses Wildkamera-Bild von einem Wolf gelang Markus Bathen im Oktober 2016 in Quolsdorf. Ob es Wolf „Pumpak“ ist, ist zwar nicht sicher, aber auffällig ist, dass seit fünf Jahren kein Wolf in diese Fotofalle gegangen ist. Seit Pumpak dort lebt, aber schon zweimal.

Territorium von Wolf „Pumpak“ (siehe roter Kreis): Der Wolf hat keinen Familienanschluss und nutzt eine Fläche zwischen vier anderen Rudeln, da er dort weitestgehend unbehelligt von den anderen Wölfen leben kann. – Grafik: Lupus Institut

Als Welpe wurde das Tier in Polen von Menschen gefüttert. Er sieht auffällig füllig aus und hat eine Vorliebe für Backwaren und Früchte. Es gibt viele Berichte von Menschen, die das Tier aus einem Fahrzeug oder aus dem Haus heraus beobachtet haben. Zeigen sie sich dann dem Wolf, zieht er sich unmittelbar zurück. Dabei sind die Menschen oft erstaunt, dass sich der Wolf auf so kurze Distanz annähert. Das erklärt sich dadurch, dass Wölfe einen Menschen in einem Fahrzeug oder Haus nicht als solche wahrnehmen. Aber fest steht: In keiner der beschriebenen Situationen hat sich der Wolf offensiv oder aggressiv gegenüber den Menschen gezeigt.

Auf dem Speiseplan: Äpfel und Rehe

Wolfskot von Wolf „Pumpak“ – Foto: NABU/Markus Bathen

Dieser Wolf beschränkt seine Nahrung natürlich nicht nur auf Kuchen und Früchte, sondern er geht durchaus auch auf Jagd. Die Kotfunde vom Wolf, die Markus Bathen ausgewertet hat, zeigen neben einem Apfel auch die Reste eines Rehs. „Nicht verwunderlich: Bei nächtlichen Temperaturen um -10° ist es unwahrscheinlich, dass der Wolf vegetarisch überleben kann,“ erklärt der Wolfsexperte.Der Wolf „Pumpak“ lebt alleine, ohne eine Wolfsfamilie, und hat sich eine Nische zwischen den Territorien von vier anderen Rudeln gesucht, um mit den wölfischen Hausherrn möglichst nicht in Konflikt zu kommen. Sein Revier konzentriert sich damit um die Orte Teicha und Quolsdorf, was der Grund für die Häufung der dortigen Sichtungen ist.

Wolf und Wolfsexperte in direkter Nachbarschaft

Wie es der Zufall will, lebt NABU-Wolfsexperte Markus Bathen mit seiner Familie in genau dem Ort Quolsdorf, in dem Sandra K. ihr Video aufgenommen hat. Doch er sieht weder die Gesundheit seiner Familie noch seiner Haustiere gefährdet. „Auf unserem Hof geht alles seinen gewohnten Gang“, kommentiert er die aktuellen Geschehnisse in seiner Umgebung. Auch Sandra K. freut sich über ihre Wolfsbegegnung: „Endlich habe ich mal einen Wolf gesehen! Zwar habe ich nicht damit gerechnet, dass es bei mir im Garten ist, aber abschießen muss man den Wolf meinetwegen nicht!“Für den NABU ist klar: Der Wolf „Pumpak“ zeigt kein sicherheitsrelevantes Verhalten, aus dem sich begründen lässt, dass er getötet werden soll. Allerdings sollte er genau beobachtet und vergrämt werden. Das Gebot der Stunde wäre also eine Besenderung.

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