Devisen: US-Dollar leidet unter Trump

By   /  February 2, 2017  /  Comments Off on Devisen: US-Dollar leidet unter Trump

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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1. Februar 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Während sich am US-Aktienmarkt erst jetzt erste Kratzer zeigen, hat der US-Dollar schon seit Anfang dieses Jahres wieder nachgegeben. “Der Höhenflug des US-Dollar ist gegenüber vielen Währungen an Grenzen gestoßen”, fasst Christian Apelt von der Helaba zusammen. Esther Reichelt von der Commerzbank spricht von einer “Katerstimmung” für die US-Währung.
Am Mittwochmorgen wird der Euro zu 1,08 US-Dollar gehandelt, vor einem Monat waren es noch 1,04 US-Dollar. Auch der Yen hat gegenüber dem Greenback wieder aufgeholt: Aktuell müssen wieder nur 113 Yen für einen US-Dollar gezahlt werden nach 118 vor einem Monat.
“Trumps Antrittsrede ließ die Sorge aufkommen, dass der im Wahlkampf angekündigte protektionistische Kurs tatsächlich umgesetzt wird”, erklärt die HSH Nordbank. Der Austritt aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen TPP habe einen ersten Eindruck hinterlassen. Diese Woche bezeichnete Trumps Berater für handelspolitische Fragen Peter Navarro den Euro zudem als “grob unterbewertet” und beschuldigte Deutschland, sich dadurch unfaire Handelsvorteile zu verschaffen. Auch Trump selbst hatte den seiner Meinung nach zu starken US-Dollar thematisiert.
Kein weiterer Druck auf den US-Dollar
Reichelt hält das Erholungspotenzial des US-Dollar für begrenzt – zumindest kurzfristig. Immerhin preise der Markt bereits zwei Fed-Zinserhöhungen für dieses Jahr ein. “Solange sich der Stimmungswechsel nicht in deutlich besseren harten Daten niederschlägt oder die Fed früher als erwartet das nächste Mal die Zinsen erhöht, werden die Marktteilnehmer wohl weiter skeptisch bleiben.” Eine positive Grundstimmung in dem heute für 20 Uhr erwarteten Fed-Kommuniqué sollte der US-Dollar-Abwertung aber ein Ende setzen. “Eine erhebliche Korrektur der US-Dollar-Stärke ist angesichts des anhaltenden Optimismus mit Blick auf ein anziehendes Zinserhöhungstempo der Fed in diesem Jahr nicht gerechtfertigt.”
Yen zu stark abgestraft? Optimistisch zeigt sich die Helaba für den Yen, der nach der US-Wahl zu den klaren Verlierern gehört hatte. Mittlerweile sei er aber wieder sehr günstig bewertet, heißt es, Japans Leistungsbilanzüberschuss nähere sich alten Rekorden. “Von dem zu erwartenden Nachlassen der Trump-Euphorie dürfte vorrangig der Yen profitieren, sogar gegenüber dem Euro”, erläutert Apelt. Zum Euro liegt die Notierung am Mittwochmorgen bei 122 Yen, das entspricht dem Niveau vor einem Monat. Apelt Pfund hängt an Brexit-Entwicklung
Wenig Veränderung gibt es beim Währungspaar Euro/Pfund: Am Mittwochmittag kostet ein Euro knapp 0,86 Pfund, Anfang Januar waren es 0,85 Pfund. Für die am morgigen Donnerstag anstehende Sitzung der Bank of England werden keine neuen geldpolitischen Schritte erwartet. “Mehr Aufmerksamkeit wird der Inflationsbericht auf sich ziehen”, bemerkt Reichelt. Die Pfund-Abwertung seit dem Brexit-Entscheid treibe nämlich die Verbraucherpreise in die Höhe.
Viel Spielraum für eine straffere Geldpolitik und damit eine Pfund-Erholung sieht die Analystin der Commerzbank aber nicht. “Die Unsicherheit darüber, wie die zukünftige Beziehung zwischen Großbritannien und der EU ausgestaltet sein wird, spricht weiterhin für eine nicht unerhebliche Risikoprämie in den Pfund-Wechselkursen.”
Franken als sicherer Hafen
Wieder etwas fester präsentiert sich der Schweizer Franken: Aktuell müssen 1,06 Franken für den Euro gezahlt werden, vor einem Monat waren es 1,07 Franken. “Aufgrund politischer Unsicherheiten in den USA sowie der anstehenden Wahlen in Europa dürfte der Schweizer Franken weiterhin hoch bewertet werden”, urteilt die HSH Nordbank.
Lira fällt und fällt
Fortgesetzt hat sich im Januar der Niedergang der türkische Lira, immer neue historische Tiefs werden erreicht: Für einen Euro müssen mittlerweile 4,07 Lira hingelegt werden, vergangene Woche waren es in der Spitze sogar fast 4,18 Lira. Zum Vergleich: Anfang Januar lag der Kurs bei 3,74 Lira zum Euro, im Sommer 2016 sogar nur bei 3,20 Lira.
Gegenüber dem US-Dollar sieht es ähnlich aus. Ende vergangener Woche stufte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ramschniveau zurück, auch von Standard & Poor’s droht eine Herabstufung. Fitch verwies auf die Unsicherheit mit Blick auf die politische Stabilität und Sicherheit des Landes. Zudem belasteten die Terroranschläge das Verbrauchervertrauen und den Tourismussektor.
Euro/US-Dollar gespielt
In den Orderbüchern Ivo Orlemanns von der ICF Bank ist im Handel mit Devisen-ETNs derzeit eher wenig los. Etwas Umsatz beobachtet der Spezialist in gehebelten Produkten auf Euro/US-Dollar, etwa im ETFS 5x Short USD Long Euro (WKN A12Z32). Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen vier Wochen stehen abermals der ETFS Short USD Long Euro (WKN A1EK0W), der ETFS 5x Short USD Long Euro (WKN A12Z32), der ETFS 5x Long USD Short Euro (WKN A12Z31) und der ETFS Long USD Short Euro (WKN A1EK0V) ganz oben. Hoch ist aber auch das Handelsaufkommen bei ETNs auf die Währungspaare Euro/Schwedische Krone (WKN A1DFSJ) und Euro/Yen (WKN A1DFSE, A12730).
von: Anna-Maria Borse
1. Februar 2017, © Deutsche Börse AG

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