Börse Frankfurt Magazin: “Sir John Marks Templeton – Wohltäter und Börsenguru”

By   /  February 6, 2017  /  Comments Off on Börse Frankfurt Magazin: “Sir John Marks Templeton – Wohltäter und Börsenguru”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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6. Februar 2017. MÜNCHEN (menthamedia). Sir John Marks Templeton wurde 1912 in der US-Kleinstadt Winchester geboren. Schon früh verfolgte er konsequent seine eigenen Ziele. Als erster Bewohner seines Ortes begann er ein Studium, schaffte die Aufnahme an der Eliteuniversität Yale, wo er 1934 als einer der besten seiner Abschlussklasse graduierte und sich eines der begehrten Rhodes-Stipendien an der britischen Oxford-Universität sicherte. Einen großen Teil seines Studiums finanzierte Templeton mit Pokerspielen, 1936 schloss er in Jura den Masterstudiengang ab.
Knapp zwei Jahre nach seinem Studienabschluss verließ Templeton Großbritannien wieder, um sein Glück an der Wall Street zu suchen – zu einem Zeitpunkt, als die Stimmung an den Märkten schlechter hätte kaum sein können. Amerika litt noch immer unter den Auswirkungen der 1929 durch den großen Börsencrash ausgelösten Weltwirtschaftskrise, in Europa war gerade der Zweite Weltkrieg ausgebrochen.
Inmitten dieser wirtschaftlichen Depression entschied sich der damals 26-Jährige, die am Boden liegenden Aktienkurse zum Aufbau eines Portfolios zu nutzen. Mit einem geliehenen Investitionskapital von 10.000 US-Dollar kaufte sich Templeton jeweils 100 Aktien von insgesamt 104 Unternehmen, deren Aktienkurse bei weniger als einem US-Dollar notierten. Rund ein Drittel der Gesellschaften sollen gar kurz vor der Pleite gestanden haben. Die Markterholung in den Folgejahren bescherte Templeton spektakuläre Kursgewinne. Von den 104 unterschiedlichen Titeln musste Templeton nur vier Aktien wertlos abschreiben, die übrigen Werte legten derart kräftig zu, dass sich das Startkapital verdreifachte.
Gegen den Strom schwimmen
Als einer der Pioniere der Investmentbranche setzte Templeton seine Prinzipien schließlich auch in der 1940 erworbenen Investmentgesellschaft Templeton, Dobbrow & Vance, erst recht aber in seiner 1954 aus der Taufe gehobenen Fondsgesellschaft Templeton Funds um. Die Fonds gehörten stets zu den ersten überhaupt, die in großem Stil in japanische, russische oder asiatische Unternehmen investierten und durch diesen First-Mover-Vorteil meist überdurchschnittliche Kursgewinne einfahren konnten.
Ein ähnlich gutes Gespür stellte Templeton auch im Jahr 2000 unter Beweis, als er kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase alle Technologie- und Internetaktien verkaufte. Während der MSCI World Index zwischen 2000 und 2003 um fast 40 Prozent einbrach, musste der Templeton Growth Fund in diesem Zeitraum lediglich ein Minus von 2 Prozent verbuchen.
Das Geheimnis dieser Erfolge lag in der eisernen Disziplin, zum Zeitpunkt des größten Pessimismus zu kaufen und sich umgekehrt dann von seinen Positionen zu trennen, wenn sich am Aktienmarkt eine Euphorie breitgemacht hat. Templeton verstand sich deshalb als einer, der gegen den Strom schwimmt, als Value-Investor und nicht als Spekulant. Wenig glamouröse, aber verlässliche Standardwerte im Dow Jones waren ihm lieb, ebenso Anlagen in Anleihen von Staaten, die kein Staatsdefizit, dafür aber eine vergleichsweise hohe Sparquote vorweisen konnten. Einen großen Stellenwert hatte stets eine gute Diversifikation seines Portfolios.
Bereits im Jahr 1992 hatte Templeton seine Investmentfirma für 440 Millionen US-Dollar an die Franklin Group, der er als Fondsmanager
weiterhin erhalten blieb, veräußert. Zu diesem Zeitpunkt lag die durchschnittliche Rendite des Flaggschiff-Fonds Templeton Growth Fund seit 1954 bei sagenhaften 14,5 Prozent pro Jahr – aus einem Investment von 10.000 US-Dollar waren in diesem Zeitraum 2,2 Millionen US-Dollar geworden.
Zum Ritter geschlagen
Die über Jahrzehnte hinweg erreichten Erfolge bescherten Templeton ein großes Ansehen und zahlreiche Auszeichnungen. Das US-Anlegermagazin Money bezeichnete ihn 1999 als den wohl größten globalen Stockpicker des Jahrhunderts, für das Nachrichtenmagazin Times zählte er 2007 zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt. 1987 wurde Templeton durch Königin Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben.
Trotz seiner enormen Erfolge und der großen ihm entgegengebrachten Wertschätzung blieb der gläubige Christ, der die Hauptversammlungen seiner Fondsgesellschaft traditionell mit einem Gebet eröffnete, Zeit seines Lebens vergleichsweise bescheiden. Er verzichtete im Gegensatz zu anderen Vertretern seiner Zunft auf einen Chauffeur und auf teure First-Class-Tickets, kaufte sich einen gebrauchten Rolls-Royce. In den Sechzigerjahren wanderte er aus steuerlichen Gründen auf die damals noch zu Großbritannien gehörenden Bahamas aus und nahm die britische Staatsbürgerschaft an – auch um ausreichend Distanz zur Massenmentalität der Wall Street zu erhalten.
Im Dienste der Wissenschaft Einen Teil seines Vermögens stellte Templeton
für wohltätige Zwecke zur Verfügung und gründete hierfür 1987 die John Templeton Foundation. Auf der Suche nach Antworten auf die großen Fragen der Wissenschaft, des Glaubens und der Bestimmung der Menschheit, schrieb er seit 1973 jährlich den mit 1,6 Millionen US-Dollar dotierten Templeton-Preis aus, der die Fortschritte in der Religion und im menschlichen Geist würdigt. Templeton stand der Ignoranz und der Spiritualität der Nobelpreisvergabe kritisch gegenüber. Im stolzen Alter von 95 Jahren starb Sir John Marks Templeton im Doctors Hospital in Nassau auf den Bahamas an den Folgen einer Lungenentzündung.
25. Januar 2017. © MenthamediaDas Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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