Wochenausblick: Widersprüchliche Zeichen

By   /  February 6, 2017  /  Comments Off on Wochenausblick: Widersprüchliche Zeichen

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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6. Februar 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Knapp 1,4 Prozent verlor der deutsche Aktienindex in den vergangenen fünf Handelstagen und verabschiedete sich am Freitag bei einem Stand von 11.651 Zählern ins Wochenende. “Nach der Jahresendrally fehlen den Aktienmärkten nach wie vor die Impulse für weitere Kursanstiege”, meint Chris-Oliver Schicktentanz von der Commerzbank. Trotz verbesserter Konjunktur und anhaltender Unterstützung durch die offenen Geldschleusen der Europäischen Zentralbank hegten Anleger angesichts politischer Risiken Zweifel. Nach einem überzeugenden Start habe auch die Berichtssaison zuletzt schwächere Ergebnisse zutage gefördert. “Insgesamt dürfte es den Aktienmärkten aktuell schwer fallen, das zum Jahresauftakt erreichte Niveau zu halten.”
“Die Konsolidierungsphase an den Aktienmärkten ist noch nicht vorüber”, urteilt Claudia Windt. Während das wirtschaftliche Umfeld nach Meinung der Helaba Analystin derzeit kaum Anlass zur Besorgnis gibt, hinterlasse die Politik und das was kommen könnte allmählich ein mulmiges Gefühl. Sicher geglaubte Bündnisse, Partnerschaften, Allianzen sowie wirtschaftliche Ausrichtungen seien seit dem Brexit-Votum der Briten und der Wahl Trumps zum US-Präsidenten auf dem Prüfstand. “Der Ausgang dieser erst am Beginn stehenden Verschiebungen ist noch vollkommen offen.” Inwieweit der Euroraum den USA politisch die Stirn bieten kann, bleibe abzuwarten. Europa falle es zunehmend schwer, eine geschlossene Antwort zu finden. Vor diesem Hintergrund würden Investoren stärker zu Renten und Gold greifen.

Volatilität hält sich in Grenzen

Der neue US-Präsident rüttelt die Weltpolitik zwar tüchtig durcheinander, wie Robert Halver zustimmt. Auch sei die Kritik an Trump vielfach berechtigt. Allerdings gehe es an den Finanzmärkten und Börsen nicht um Moral, sondern um Anlageerfolg und Rendite. “Sollten es die Trumponomics schaffen, die Weltkonjunktur und damit auch Exportnationen wie Deutschland aktienseitig zu stützen, werden sich Anleger darüber natürlich freuen”, schätzt der Analyst der Baader Bank. Diese unterschiedlichen Perspektiven spiegelten sich in auseinanderdriftenden politischen und finanzwirtschaftlichen Abwägungen wider. Während der US Economic Policy Uncertainty Index – er misst die wirtschaftspolitische Unsicherheit in den USA anhand der Häufigkeit von entsprechenden Medienbeiträgen – klar die gestiegene weltpolitische Gefahr zum Ausdruck bringe, hielten sich die Kursschwankungen der US-Aktienmärkte als Risikoindikator sehr in Grenzen. Gleiches gelte für die auseinanderdriftende Entwicklung von globaler wirtschaftspolitischer Furcht und der Volatilität des DAX.

Aktien bleiben attraktiv

Ein unbeirrt starkes Argument für Aktien sieht Halver in den Notenbanken. Während die Federal Reserve keine wirkliche Finanzmarktbedrohung darstelle, bekräftige die Bank of Japan das Festhalten an ihrer Liquiditätsoffensive, bis die Inflation nachhaltig über zwei Prozent liege. “Das ist ein Marathonlauf.” Auch wenn sich die Inflationsrate im Euroraum mit großen Schritten diesem Zielwert nähere, bleibe die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ultralocker. Politische und soziale Stabilität habe in der Eurozone nun mal Vorrang vor Inflationsbekämpfung.

Anleger in Wartestellung Aus technischer Perspektive herrscht für Gregor Bauer derzeit bei Anlegern noch gespannte Ruhe. “Trader dominieren nach wie vor das Geschehen am deutschen Aktienmarkt”, meint der unabhängige Charttechniker. Der DAX werde im engen Korridor zwischen etwa 11.440 und 11.730 Punkten hin und hergeschoben, wobei der Fehlausbruch nach oben am 26. Januar die Stabilität der Seitwärtsspanne zementiere. “Auch die positiven Zahlen zum Arbeitsmarkt in den USA konnten Investoren nicht zu nachhaltigen Engagements bewegen, am Freitag rührte sich der DAX kaum von der Stelle.” Charttechnisch von Bedeutung ist nach Ansicht von Bauer derzeit der Widerstandsbereich von etwa 11.730 bis 11.900 Punkte und der Unterstützungszone zwischen 11.500 und 11.400 Punkten. “Ein Bruch dieser Marke würde Anschlussverkäufe provozieren, der nächste Halt läge dann erst wieder um 10.800 Punkte.” Bauer Bullen bleiben am Ball

Karen Szola sieht den deutschen Bluechip Index trotz des jüngsten Kursrückgangs in einer passablen Ausgangslage, die eine neue Aufwärtsbewegung in Richtung des Allzeithochs und sogar darüber hinaus erwarten lasse. “Voraussetzung dafür ist, dass die Unterstützung um 11.400 Zähler nicht mehr nachhaltig unterschritten wird”, meint die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online. Würde diese durchbrochen, rücke nach den Unterstützungen um 11.200 und 11.000 Zähler die noch offene Lücke zwischen 10.786 und 10.873 DAX-Punkten in den Fokus. “Die bullishen Aussichten wären klar anzuzweifeln, sofern der DAX unter die 200-Tage-Linie bei derzeit 10.560 Zähler abrutscht.”

Kurzfristig könne es dem deutschen Aktienbarometer schwer fallen, über die um 11.800 Punkte liegende Barriere auszubrechen. Denn dort befinde sich neben einem horizontalen Widerstand die obere Begrenzung des im Februar 2016 entspringenden Aufwärtstrends, die den Weg gen Norden zusätzliche blockiere.

Kurzfristige Abwärtsrisiken Nach Auffassung von Christian Schmidt von der Helaba könnte sich das Chartbild des DAX auf kurze Sicht eintrüben. Der hiesige Bluechip Index habe an vier Handelstagen in Folge unterhalb einer wichtigen Gann-Strukturlinie geschlossen. “Zudem könnte der für den tertiären Trend relevante 21-Tagedurchschnitt unterschritten werden, denn bei mehr als 50 Prozent der DAX-Werte ist dies bereits der Fall.” Entsprechend könnten auf der Unterseite das Retracement bei 11.591 Punkten, die “Instantaneous Trendline” bei 11.551 Zählern sowie die Regressionslinie bei 11.510 Punktgen verstärkt in den Fokus geraten. Ein weiteres, markantes Kurslevel finde sich zudem bei 11.420 DAX-Zählern. Schmidt 

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Dienstag 7. Februar
8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Dezember. Nach schwachen Novemberdaten erwartet die DekaBank für das Jahresende bessere Nachrichten aus der Industrie. Das zuletzt stark schwankende Pendel der Auftragseingänge schlage wieder ins Positive aus. Auch die Industrieproduktion lege vor diesem Hintergrund wieder ordentlich zu. Da die Bauproduktion sich von ihrer schwächeren Seite zeige, verbleibe für das produzierende Gewerbe insgesamt ein Produktionsplus von 0,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Damit deute alles auf ein starkes Schlussquartal 2016.
Mittwoch, 8. Februar
12.00 Uhr. OECD: OECD Composite Leading Indicator Dezember. Ungeachtet zunehmender protektionistischer Gefahren befindet sich die Weltwirtschaft nach Beobachtung der DekaBank derzeit im Aufwind. Sowohl realwirtschaftliche Indikatoren wie die globale Industrieproduktion als auch die Einzelhandelsumsätze wiesen eine zunehmende Dynamik auf. Der Composite Leading Indicator der OECD deute im Voraus anhand von Daten über Rohstoff- und Industrieproduktion, Bautätigkeit, Handel, Arbeitsmarkt, Preise, Zinsen, Wechselkurse und anderen relevanten Daten auf eine Veränderungsdynamik des realen Bruttoinlandsprodukts. Dieser zusammengefasste Wert werde im Dezember voraussichtlich weiter ansteigen.
von: Iris Merker
2. Februar 2017, © Deutsche Börse AG

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