Das Geschäft mit dem Einwegpfand

By   /  February 8, 2017  /  Comments Off on Das Geschäft mit dem Einwegpfand

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

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Wie Abfüller und Handel am Pfand verdienen

Durch jede nicht zurückgegebene Pfandflasche profitieren Getränkeabfüller und Händler. Der sogenannte Pfandschlupf beschert der Einwegindustrie ein Milliardengeschäft – und führt zu einem Rückgang von Mehrwegflaschen. Höchste Zeit, die Einnahmen umzuverteilen!

Einweg so weit das Auge reicht. Ein Milliardengeschäft für Abfüller und Handel. – Foto: NABU/Guido Rottmann

Seit 2003 sind die meisten Einweggetränkeverpackungen in Deutschland pfandpflichtig. Dennoch nimmt der Anteil an Einweg-Plastikflaschen und Dosen seit Jahren zu. Wiederverwendbare umweltfreundliche Glas- und PET-Mehrwegverpackungen haben innerhalb von zehn Jahren über 20 Prozent Marktanteil verloren. Auch ökologisch vorteilhafte Einwegverpackungen wie der Getränkekarton haben wesentliche Marktanteile eingebüßt. Gewinner sind PET-Einwegflaschen und Aluminiumdosen, die im selben Zeitraum 25 Prozent zugelegt haben und heute einen Anteil von knapp 52 Prozent haben. Und dass, obwohl das Zwangspfand für die meisten Einweggebinde genau das Gegenteil bewirken sollte.

Wiederverwendbare umweltfreundliche Glas- und PET-Verpackungen haben innerhalb von zehn Jahren über 20 Prozent Marktanteil verloren. Auch ökologisch vorteilhafte Einwegverpackungen wie der Getränkekarton haben wesentliche Marktanteile eingebüßt. Gewinner sind PET-Einwegflaschen und Aluminiumdosen, die im selben Zeitraum 25 Prozent zugelegt haben und heute einen Anteil von knapp 52 Prozent haben. Und dass, obwohl das Zwangspfand für die meisten Einweggebinde genau das Gegenteil bewirken sollte.

Exkurs: Das deutsche Pfandsystem

Den organisatorischen und rechtlichen Rahmen für die Rücknahme von bepfandeten Einwegflaschen und Dosen übernimmt seit Mai 2006 die von Handel und Lebensmittelindustrie paritätisch geführte DPG Deutsche Pfandsystem GmbH. Alle Verkäufer von pfandpflichtigen Einweggebinden müssen sich im System registrieren lassen und ihre Gebinde mit dem DPG-Logo versehen.

Das Märchen von der Kreislaufflasche

Immer mehr Plastik bedeutet auch einen großen Verbrauch fossiler Rohstoffe. Flaschen aus PET werden aus Erdöl oder Erdgas gewonnen, nach einmaliger Nutzung zerstört und dann dem Recycling zugeführt. Dabei kann man aber nicht, wie es der Discounter Lidl gerne tut, von einer „Kreislaufflasche“ sprechen, denn der allergrößte Teil der zurückgenommenen Flaschen wird für die Produktion von Fasern, Folienprodukten oder Flaschen im Non-Food-Bereich (z.B. für Spülmittel) verwendet. Für gewöhnlich stehen diese Anwendungen dem weiteren Recycling nicht mehr zur Verfügung. Nur ungefähr etwas mehr als ein Viertel der rückgenommenen Flaschen wird Ausgangsmaterial für neue Getränkeflaschen.

Kein geschlossener Kreislauf: Der Weg der PET-Einwegflasche (Klick zum Vergrößern)

Das Geschäft rund um das Dosenpfand

Das deutsche Pfandsystem bedeutet für Getränkeabfüller und –händler nicht nur Kosten in Form von Investitionen in Rücknahmeautomaten und Aufwendungen für das Pfandclearing. Sprudelnde Einnahmen versprechen unter anderem der sogenannte „Pfandschlupf“ und der Verkauf von PET-Flaschen und Dosen an Recyclingbetriebe.

Exkurs: Pfandschlupf

Der Pfandschlupf bezeichnet die Summen der Einwegflaschen und Dosen , für die Pfand bezahlt wurde, die aber nach dem Verzehr nicht zurückgegeben wurden. Durch den Pfandschlupf haben Einwegabfüller und Einzelhandel in 2015 ca. 180 Millionen Euro eingenommen. Seit Einführung des Pfandsystems bis ins Jahr 2015 summierten sich die Einnahmen aus dem Pfandschlupf auf mindestens 3,5 Milliarden Euro.

Der Pfandschlupf oder wie die Kunden unbewusst die Einwegindustrie subventionieren

Geben die Kunden ihre Flaschen nicht zurück, verbleiben die ursprünglich bezahlten 0,25 Euro Einwegpfand bei den Abfüllern oder Händlern. Das ist der sogenannte Pfandschlupf.Das Umweltbundesamt geht von einer Rücknahmequote von 96,0 Prozent für die Einweggebinde aus dem DPG-System aus. Werden von den 18 Mrd. Flaschen und Dosen 4 Prozent oder 720 Millionen Gebinde nicht zurückgegeben, so beträgt die Höhe des Pfandschlupfs allein für 2015 180 Millionen Euro, mit denen die Verbraucher unfreiwillig das Einwegsystem subventioniert haben.Vor allem wegen der organisatorischen Schwierigkeiten bei Einführung des Pfands schätzt das Umweltbundesamt, dass zwischen 2003 und 2006 rund ein Viertel der Einweggebinde nicht zurückgegeben wurde. Nach Berechnungen des NABU ergibt sich für die Jahre 2003 bis 2015 ein aggregierter Pfandschlupfbetrag von mehr als 3,5 Milliarden Euro.

Wer verdient am Einwegpfand? (Klick zum Vergrößern)

Es ist ökologischer Unsinn, dass Abfüller und Händler über die Jahre mit Milliardeneinnahmen aus dem Pfandschlupf subventioniert wurden, obwohl das Pfand ja eigentlich die Verbraucher eher zum Kauf von Mehrwegalternativen verleiten sollte. Noch schlimmer: Die Erträge aus dem Pfandschlupf tragen dazu bei, dass Mineralwassers in Einweg-PET deutlich billiger angeboten werden kann als in Mehrwegflaschen. Nur ein Jahr nach der Pfandeinführung fand ein regelrechter Unterbietungswettbewerb im Getränkesegment statt. Aldi startete mit 19 Cent für 1,5 Liter Mineralwasser. Da in Deutschland die Sortimentspolitik der Discounter Sogwirkung auf das Marktagieren der anderen Einzelhändler entfaltet, bieten heute auch konventionelle Supermärkte Mineralwasser zu 0,19 € an.

Das Geschäft aus der Verwertung von PET-Ballen und Aluminium

Die Händler verdienen auch am Verkauf der zurückgebrachten Flaschen und Dosen an Recyclingunternehmen. Oder sie steigen – wie im Fall Lidl – gleich selbst ins Recyclinggeschäft ein und betreiben eigene Verwertungsfirmen. Wegen schwankender Rohstoffpreise variieren die Einnahmen aus dem Recyclinggeschäft. Nach NABU-Berechnungen liegen die Einnahmen der Händler aus dem Verkauf von PET-Ballen und zurückgenommenen Getränkedosen für das Recycling bei geschätzt 68 Millionen Euro jährlich. In Spitzenzeiten mit einer hohen Nachfrage nach Sekundär-PET liegen diese Einnahmen wesentlich höher.

Hersteller von Einweg-PET und Getränkedosen sparen sich Entsorgungskosten beim Grünen Punk

Circa 720 Millionen Flaschen und Dosen werden jährlich nicht in den Supermärkten oder Kiosken zurückgegeben. Sie landen in der Gelben Tonne, im Restmüll oder in der Natur. Die Kosten tragen Verbraucher und Steuerzahler. Die Hersteller von bepfandeten Einweg-PET-Flaschen und Getränkedosen müssen sich nämlich nicht am Dualen System und dessen Lizenzentgelten beteiligen. Eine Teilnahme würde allein bei der aktuellen PET-Marktmenge von 410 Kilotonnen circa 225 Millionen Euro betragen. Würden sich die Hersteller zumindest an den Entsorgungskosten der Dualen Systeme beteiligen, die durch den Pfandschlupf entstehen, würden Kosten in Höhe von circa neun Millionen Euro entstehen.

Das fordert der NABU

Auch wenn sich das Pfandsystem für Handel und die abfüllende Industrie zu einem einträglichen Geschäft entwickelt hat, sollte am Einwegpfand festgehalten werden: Die Vermüllung von Landschaft und Gewässern durch Plastikflaschen und Dosen hat mit Einführung des Zwangspfands deutlich abgenommen. Allerdings: Das von den Verbrauchern bezahlte und nicht wieder eingelöste Pfand sollte nicht der Wirtschaft, sondern der Umwelt- und Ressourcenschutz zugutekommen. Dafür braucht es einen zweckgebundenen Pfandschlupf. Dieser muss für Abfallvermeidungsmaßnahmen wie die Förderung von Mehrwegprodukten eingesetzt werden. Länder wie Dänemark haben von Anfang an Einnahmen aus dem Pfandschlupf in einer zentralen Stelle verwaltet und für Ressourcenschutzprojekte ausgegeben.Da das Einwegpfand nicht zu einer Erhöhung der Mehrwegquote geführt hat, bedarf es hierzu eines anderen Anreizmodells. Der NABU schlägt dafür eine Getränkeverpackungssteuer vor. Die Steuer könnte dazu beitragen 400.000 Tonnen Plastikmüll und 1,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich einzusparen. Der Steuervorschlag sieht vor, dass der Steuersatz abhängig von der Umweltschädlichkeit der Menge und Art des eingesetzten Materials ist.

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