Devisen: Euroschwäche nur vorübergehend

By   /  March 2, 2017  /  Comments Off on Devisen: Euroschwäche nur vorübergehend

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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1. März 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Politik der Zentralbanken, steigende Umfragewerte der französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen und die bevorstehenden Wahlen in den Niederlanden belasten den Euro. Gegenüber dem US-Dollar rutschte die Gemeinschaftswährung in den vergangenen Wochen auf 1,05. Anfang Februar kostete ein Euro noch 1,08 US-Dollar.
“Der Devisenmarkt fürchtet einen Sieg der EU- und Euro-kritischen Kandidatin, die ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft Frankreichs abhalten und den Euro durch einen Korb nationaler Währungen ersetzen will”, begründet Esther Reichelt von der Commerzbank. Der Anstieg der Inflationsrate im Euroraum im Februar auf voraussichtlich 2,0 Prozent werde die europäische Währung kaum stützen können.
Klarheit erst nach der Wahl
“Der Euro ist in die Klemme geraten”, urteilt Christian Apelt von der Helaba. Auf der einen Seite locke der US-Dollar mit höheren Zinsen, andererseits verunsicherten die anstehenden Wahlen in Europa. Für eine Währung in einer Existenzkrise halte sich der Euro dennoch recht stabil. Anleger seien nach Brexit und Donald Trump allerdings sehr vorsichtig. “Die dreimonatigen Risk Reversals, die auf Basis von Euro-Dollar-Optionen Absicherungsgeschäfte messen, deuteten auf eine stark erhöhte Nervosität.” Apelt vermutet im Ausmaß, mit dem sich Anleger gegen eine Euro-Abwertung absichern, im Sinne der Kontraindikation fast schon eine bevorstehende Kehrtwende. Denn aus heutiger Sicht werde Le Pen zwar die Stichwahl erreichen, sie aber verlieren. “Jedoch ist der zweite Wahlgang Anfang Mai, so dass sich erst dann die Unsicherheit zu Gunsten des Euro auflösen wird.”
EZB-Kurs schwächt Euro Unter anderem aufgrund der aktuellen Umfragewerte in Frankreich erwartet Martin Arnold von ETF Securities, dass sich der Euro in den kommenden Monaten bei rund 1,08 US-Dollar festigt. “Trotzdem wird die Volatilität anhalten.” Zusätzliche Wertpapierkäufe und die flexible Regelauslegung der EZB könnte die Gemeinschaftswährung Arnold zufolge im zweiten Halbjahr 2017 wieder auf das aktuelle Niveau drücken. Die Zusammenfassung der jüngsten geldpolitischen Sitzung des EZB-Rates stelle mögliche “begrenzte und temporäre Abweichungen” vom Kapitalschlüssel in Aussicht. “Es steht also die Möglichkeit im Raum, dass das am Bruttoinlandsprodukt orientierte breite Anleihen-Kaufprogramm in ein schuldengewichtetes System überführt wird” urteilt Arnold. Dieser Schritt würde höher verschuldete Länder wie Italien bevorteilen und den Euro belasten. Arnold US-Dollar zu teuer? Gegenüber dem US-Dollar sieht die Helaba mittelfristig eine Euro-Erholung bis auf 1,15 US-Dollar. “Indikatoren wie Kaufkraftparitäten oder reale Wechselkursindizes zeigen eine stark ausgeprägte Überbewertung des US-Dollar an”, begründet Apelt. Die zwei Zinserhöhungen für 2017 seien weitestgehend eingepreist, begrenzten aber gleichzeitig das Rückschlagpotenzial. Bleibe die überzogene Trump-Euphorie. “Selbst Finanzminister Mnuchin dämpfte die Wachstumserwartungen durch die Finanzpolitik.” Das werde der protektionistisch orientierten Trump-Regierung kaum gefallen, zumal sich das US-Handelsdefizit 2017 leicht ausweite. Aufgrund der noch offenen Aussichten hinsichtlich der Umsetzung finanzpolitischer ausgabeorientierter Pläne bleibe der Ausblick für den Greenback höchst risikobehaftet. Apelt 
Zinsschritt in Großbritannien in Frage gestellt
Die britische Währung hat sich im Verhältnis zum Euro auf Monatssicht kaum verändert, ein Euro ist aktuell für 0,85 Pfund zu haben. Vor dem Hintergrund eines mit 0,7 Prozent stärker als erwarteten Plus beim Bruttoinlandsprodukt wertete das Pfund nach Ansicht der HSH Nordbank in der vergangenen Woche indes spürbar auf. Die Analysten der Bank erkennen weiteres Abwärtspotenzial für die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Pfund und begründen dies unter anderem mit der widerstandsarmen heimischen Debatte zur Aktivierung des Artikels 50 in Brüssel.
Einer Zinsanhebung im Vereinigten Königreich bis Ende 2018 gestehen die Marktteilnehmer nur noch eine Wahrscheinlichkeit von unter 50 Prozent zu, wie Peter Dixon von der Commerzbank anmerkt. Zum Jahresanfang hätten Anleger noch gute Chancen für eine Anhebung bereits in diesem Jahr gesehen. Inzwischen hätten sich aber die Wachstumsaussichten eingetrübt. “Die Bank of England wird sich entscheiden müssen, ob sie 2017 das Wachstum stützen oder die Inflation bekämpfen will.” Anleger rechneten offenbar eher mit der ersten Option. Von Notenbankchef Carney fehlten entsprechende Hinweise. “Er wollte weder einen neutralen Kurs der Bank of England bestätigen, noch machte er Andeutungen über die Richtung des nächsten Zinsschrittes.”
Franken bleibt gesucht
Vor dem Hintergrund anhaltend politischer Risiken im Euroraum bleibt der Schweizer Franken für so manchen Anleger die erste Wahl. Nach Meinung der HSH Nordbank rückt dies die Interventionspolitik der Schweizerischen Nationalbank stärker in den Fokus. Die meisten Analysten rechnen mit weiterem Aufwertungsdruck gegenüber dem Euro. Ein starker US-Dollar verschaffe den Schweizer Währungshütern aber ein wenig Spielraum. Nach Auffassung von Alessandro Bee von der UBS erlaube eine Aufwertung des US-Dollars um 5 Rappen eine Abwertung des Euro um 2 Rappen, ohne dass der Franken dabei insgesamt teurer werde. Aktuell kostet ein Euro rund 1,06 Franken.
von: Iris Merker
1. März 2017, © Deutsche Börse AG

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