Zeit zum Leben

By   /  March 2, 2017  /  Comments Off on Zeit zum Leben

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MIL OSI – Source: IG Metall –

Headline: Zeit zum Leben

Sophie und Jonas sind Anfang, Mitte dreißig, sie haben in ihrem Beruf Fuß gefasst. Die Arbeit macht viel Spaß, aber sie ist für Sophie und Jonas nicht alles im Leben. Überglücklich sind sie, als Sophie schwanger wird. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Plötzlich stellen sich ganz neue Fragen.Sophie und Jonas wissen, dass sie mit einem Kind in den ersten Jahren nicht beide weiter in Vollzeit werden arbeiten können. Das ist okay. Das wollen sie auch gar nicht. Sie wollen beide gute Eltern sein und Zeit für ihr Kind haben. Jonas kann sich nicht vorstellen, weiter nur für die Arbeit zu leben, wie es sein Vater getan hat. Im Väterreport hat er gerade gelesen, dass mehr als die Hälfte der Väter mit Kindern unter sechs Jahren gerne mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen würden; 76 Prozent der jungen Männer wünschten sich heute eine Partnerin, die selbst für den eigenen Lebensunterhalt sorgt. Das kann Jonas unterschreiben.Für Sophie ist klar: Sie will sich um ihr Kind kümmern. Aber das heißt nicht, dass sie mit der Geburt des Kindes ihre Arbeit aufgeben wird. Dafür mag sie ihren Beruf zu sehr. Dafür ist ihr Arbeit für ihr eigenes Selbstwertgefühl zu wichtig. Sophie will von niemandem finanziell abhängig sein und sie weiß auch, dass sie sich um ihre Rente kümmern muss. Sophie und Jonas sind sich einig, dass sie beide für das Kind da sein wollen, aber dafür nicht ihre Arbeit aufgeben werden. Sie beschließen, dass beide sieben Monate lang Elternzeit nehmen, erst Sophie, dann Jonas. Dann wollen sie Emma zu einer Tagesmutter bringen – und wieder in ihrem Beruf arbeiten. Ein bisschen weniger als jetzt: 30, 32 Stunden die Woche, eine “kurze Vollzeit”, das wäre toll.Dann kommt alles anders. Jonas Chef reagiert harsch auf die angekündigten sieben Monate Elternzeit. Die anfallende Arbeit sei so viel, die Personaldecke so dünn, Jonas solle doch bitte, auch im Hinblick auf seine Karriere, noch mal überlegen, ob es wirklich gut sei, sieben Monate Elternzeit zu nehmen. Jonas überlegt es sich – und nimmt, als Emma ihren ers­ten Geburtstag feiert, zwei Monate. Danach arbeitet er in Vollzeit weiter. Er würde gern seine Arbeitszeit vorübergehend senken, aber die Familie braucht das Geld. Und Sophie ist nicht richtig zurück in ihrem Job.Sophie hat geglaubt, nach sieben Monaten wieder in ihren alten Beruf einsteigen zu können. Aber so einfach ging es nicht. Das erste Jahr bleibt Sophie zu Hause, im zweiten Jahr haben sie für Emma eine Tagesmutter gefunden, wochentags von acht bis eins. Am Anfang ist Sophie froh, einen Teilzeitvertrag unterschrieben zu haben, zwanzig Stunden pro Woche, zwar nicht in ihrem alten Job, aber das ist vorübergehend okay. Die Tage sind anstrengend genug.Als Emma in den Kindergarten kommt und bis spätnachmittags weg ist, möchte Sophie gerne wieder länger arbeiten und zurück auf ihre alte Stelle – aber das, sagt ihr Arbeitgeber, ist nicht möglich. Ihre Stelle ist mittlerweile anderweitig besetzt und derzeit nichts anderes frei. Sophie ist wütend, verletzt. So hatte sie sich das nicht vorgestellt.So hatten sich das beide nicht vorgestellt. Ein verbrieftes Rückkehrrecht aus Teilzeit, da sind sie sich einig, würde Sophie helfen. Einig sind sie sich auch, dass es echte Wahlmöglichkeiten bei der Arbeitszeit geben sollte. Jonas würde dann jede Woche einen Tag weniger arbeiten. Das kann er aber nur machen, wenn es, wie es die IG Metall fordert, eine Entgeltaufsto­ckung gibt – entweder vom Unternehmen oder vom Staat. Sonst können sie sich das finanziell nicht leisten.

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