Wochenausblick: Ermüdungserscheinungen

By   /  March 6, 2017  /  Comments Off on Wochenausblick: Ermüdungserscheinungen

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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6. März 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Auch in der vergangenen Woche kannten die Aktienmärkte nur eine Richtung. Angetrieben von den US-Börsen gewann der DAX gut 1,8 Prozent hinzu und übersprang dabei mit Leichtigkeit die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten. Der Dow Jones Industrial kletterte erstmals über 21.000 Zähler, bevor er sich bei einem Stand von 20.940 Punkten ins Wochenende verabschiedete.
Dabei hängt dieser Kursaufschwung nach Meinung von Claudia Windt trotz zuweilen gegenteiligem Anschein nicht allein an der Person Trump. Neben den Hoffnungen auf Steuererleichterungen, Infrastrukturinvestitionen und weniger Regulierung spiegeln sich nach Auffassung der Helaba-Analystin im höheren Kursniveau exzellente Konjunkturdaten wider. “Das Wirtschaftswachstum verbessert sich in fast allen Regionen, die Unternehmer blicken so zuversichtlich nach vorn wie schon lange nicht mehr.” Gleichzeitig klingelten die Unternehmenskassen wieder.
Kleine Bewährungsprobe für Trump
Hinsichtlich der Durchsetzbarkeit von Donald Trumps ehrgeizigen Zielen stehe zum 15. März eine erste – wenngleich aus Sicht vieler Analysten überwindbare – Feuerprobe an. Bis dahin müsse der Kongress die 2015 ausgesetzte nominale Schuldenobergrenze von 20 Billionen US-Dollar entweder anheben oder sie erneut aussetzen. Verweigere sich das Gremium, würden die Ausgaben der Regierung nach dem Rasenmäher-Prinzip auf das Notwendigste gekürzt. Die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung schätzen Experten allerdings als gering ein. Unter einem republikanischen Präsidenten seien die im Kongress überzähligen Parteifreunde in der Vergangenheit immer bereit gewesen, die Schuldengrenze anzuheben.
US-Zinsschritt im März angemessen
Nachdem Anleger bislang erst im Juni mit einer Anhebung der US-Zinsen rechneten, sieht es nach Ansicht von Chris-Oliver Schickentanz so aus als erhöhe die Federal Reserve bereits in diesem Monat den Korridor für ihren Leitzins von 0,50 bis 0,75 Prozent auf 0,75 bis 1 Prozent. Einige Wortmeldungen aus den Reihen des Federal Open Market Committee, dem FOMC ließen einen deutlichen Meinungsumschwung innerhalb der gelpolitischen Entscheider erkennen. “Angesichts solider Arbeitsmarktzahlen, anziehender Inflation und gefüllten Auftragsbüchern käme die erneute Zinserhöhung auch nicht zu früh”, urteilte der Analyst der Commerzbank, der zum Ende des Jahres mit einem US-Zinssatz von 1,50 Prozent am oberen Rand rechnet. Für Ende 2019 prognostiziere der Offenmarktausschuss einen Satz von etwa 3 Prozent, während die Markterwartungen derzeit bei rund 2 Prozent lägen. “Letztlich hängt der weitere Zinspfad freilich von den US-Konjunkturdaten ab.”
EZB in der Zwickmühle
Dem gegenüber befinde sich die EZB mal wieder in einer schwierigen Lage. “Der Inflationsanstieg hat die Diskussion über einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik befeuert”, bemerkt Ulf Krauss von der Helaba. Im Vorfeld der französischen Präsidentschaftswahlen werde EZB-Chef Mario Draghi jedoch an seinem lockeren geldpolitischen Kurs festhalten. Beruhige sich die politische Lage, könnten die europäischen Währungshüter im Sommer zumindest verbal eine neutrale Haltung annehmen, um Druck aus dem Kessel zu nehmen. Denn mit steigender Inflation wachse die Gefahr, dass sich Draghi dem Vorwurf unerlaubter Staatsfinanzierung aussetze. “Dies könnte unter anderem im deutschen Wahlkampf populistische Tendenzen stärken, was nicht im Sinne der Währungshüter ist.”
Zudem müsse die EZB den absehbar beschleunigten US-Zinserhöhungskurs berücksichtigen. Ändere der EZB Präsident zur Jahresmitte nicht seine Wortwahl, drohe die Euro-Schwäche die ohnehin angespannten transatlantischen Beziehungen zusätzlich zu belasten. “Dass von einem vorsichtigen verbalen Umsteuern bis zu konkreten geldpolitischen Maßnahmen viel Zeit vergehen kann, zeigt gleichwohl die US-Geldpolitik der letzten Jahre.” Die Terminmärkte spiegelten dies wider. Die Geldmarktsätze auf Sicht von einem Jahr hätten sich seit vier Monaten kaum verändert. “Im zweiten Halbjahr dürften diese, wenn Draghi es zulässt, jedoch tendenziell nach oben ziehen.”
Korrektur mit Auffangnetz Aus technischer Perspektive ist der DAX ist nach dem erneuten “Trump-Jump” vom Mittwoch zum Schluss dieser Woche eher verhalten gelaufen, konnte sich aber immerhin über der 12.000 Punkte-Marke halten, wie Gregor Bauer anmerkt. Als bedenklich bezeichnet der unabhängige Charttechniker jedoch, dass sich der deutsche Bluechip-Index weit von seiner aktuell um 10.720 Zähler verlaufenden 20-Tage-Linie und damit von seinem langfristigen durchschnittlichen Bewertungsniveau entfernt hat. “Erfahrungsgemäß schreit das geradezu nach einer Korrektur, wobei diese nicht in eine Trendwende münden muss.” Denn die US-Konjunktur brumme und die mögliche Zinserhöhung in den USA bereits im März sei von den Märkten diesmal positiv aufgenommen worden. Gleichzeitig bleibe die EZB bei ihrer Niedrigzinspolitik. “Das sollte die europäischen Aktienmärkte eher stimulieren.” Daher sei das DAX-Abwärtspotential begrenzt. Bauer 
Massive charttechnische Unterstützung erhalte der deutsche Aktienindex allerdings erst wieder im Bereich um 11.400 Punkte, wobei sich bei 11.750 Punkte eine schwächere Kaufbereitschaft bilde.
Kurze Verschnaufpause Auf den ersten Blick erkennt auch Franz-Georg Wenner gute Gründe für die DAX-Bullen, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Bis zur Rekordmarke fehlten weniger als 400 Punkte oder etwa 3 Prozent. “Bereits eine gute Handelswoche würde somit für frische Bestmarken reichen.” Auch saisonal stehe die Börsenampel noch auf Grün. Auf Basis der vergangenen 20 Jahre habe der DAX im März mit einer Gewinnwahrscheinlichkeit von rund 55 Prozent zugelegt, im Durchschnitt seien die Kurse um 1,5 Prozent vorgerückt. Wenner 
Charttechnisch erweise sich allerdings mal wieder der seit Frühjahr 2016 bestehende Aufwärtstrendkanal als Spaßbremse. Bereits Ende Januar und Ende Februar sei der DAX von der Barriere abgeprallt, die aktuell bei rund 12.050 Punkten verlaufe. “Auch langfristig bleiben die Perspektiven eher limitiert: Aktuell handelt der DAX bereits rund 12 Prozent über seiner 200-Tage-Linie.” Ab einem Abstand von 14 Prozent wird es laut Wenner meist kritisch. “Somit dürfte der DAX wohl zunächst noch eine Verschnaufpause in Anspruch nehmen, bevor die Aufwärtswelle bis zur Bestmarke startet.”
Rücksetzer an den Monatsdurchschnitt hätten sich zuletzt als gute Nachkaufgelegenheit erwiesen, aktuell verlaufe die Linie bei 11.800 Punkten. “Darunter liegen gute Wendezonen bei 11.700 und 11.400 bzw.11.480 Punkten.”
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Mittwoch, 8. März
8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Januar. Nachdem der Dezember dem deutschen produzierenden Gewerbe den stärksten Rückgang seit der Finanzkrise bescherte, erwartet die DekaBank für den ersten Monat im diesem Jahr den positiven Rückprall. Der Nachfragerückgang zum Jahresende sei überwiegend dem Arbeitstageeffekt geschuldet: Um über Weihnachten bei der Familie zu sein, hätten Arbeitnehmer in großer Zahl Urlaub bis Neujahr genommen, obwohl sie dafür vier Tage überbrücken mussten. Einen Dämpfer liefere die schwache Bauproduktion, die angesichts eines sehr kalten Januars eingebrochen sei.
Freitag 10. März
14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenquote Februar. Für den letzten US-Arbeitsmarktbericht vor dem US-Zinsentscheid Mitte des Monats erwarten die Analysten der DekaBank einen Beschäftigungsaufbau von 200.000 Personen. Neben den Frühindikatoren deuteten die unüblich milden Temperaturen in weiten Teilen des Landes auf eine positive Arbeitsmarktentwicklung. Nicht zuletzt deshalb sei die Entscheidung für eine Zinserhöhung im März bereits gefallen. Nur ein extrem schwacher Arbeitsmarktbericht werde zu einem Umdenken der FOMC-Mitglieder führen.
Von: Iris Merker
6. März 2017, © Deutsche Börse AG

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