Bis zu 2,8 Mio. tote Vögel pro Jahr an Stromleitungen

By   /  March 7, 2017  /  Comments Off on Bis zu 2,8 Mio. tote Vögel pro Jahr an Stromleitungen

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

Headline: Bis zu 2,8 Mio. tote Vögel pro Jahr an Stromleitungen

NABU appelliert an Netzbetreiber Leitungen zu sichern

Mehr als 60.000 Kilometer Hochspannungsleitungen durchziehen Deutschland. Nur ein Bruchteil davon liegt als Erdkabel unter der Erde. Freileitungen können zu tödlichen Kollisionen von Vögeln führen. Der NABU hat ermittelt, wie viele Tiere dadurch umkommen.

Toter Höckerschwan unter Freileitung – Foto: Manfred Delpho

06. März 2017 – Im Hoch- und Höchstspannungsnetz sind Kollisionen für Vögel die fast ausschließliche Todesursache an oberirdischen Stromleitungen, während im Mittelspannungsbereich der Stromschlag auf ungesicherten Strommasten die größte Gefahr darstellt. Seit den 1960er Jahren wurde das Wissen zur Kollisionsproblematik verbessert, so dass Einflussfaktoren und auch Verminderungsmöglichkeiten heute gut untersucht sind. An aktuellen Schätzungen zum tatsächlichen Umfang von Leitungskollisionen in Deutschland fehlte es aber bislang.

Groß- und Wasservögel gefährdet

Der NABU hat nun ein Gutachten „Vogel-Kollisionsopfer an Hoch- und Höchstspannungsfreileitungen in Deutschland – eine Abschätzung“ in Auftrag gegeben. Demnach sterben in Deutschland jedes Jahr 1 bis 1,8 Millionen Brutvögel und 500.000 bis 1 Million Rastvögel durch Kollisionen an Stromübertragungsleitungen. Diese Zahl ist vermutlich höher als bei Stromschlagopfern oder Kollisionen mit Windkraftanlagen, dabei sind Leitungen kleinerer Spannungsebenen noch gar nicht mitgerechnet.Die Kollisionszahl wurde aus der Verschneidung mehrerer Quellen ermittelt: Studien zu Leitungsanflügen vor allem aus dem europäischen Raum, das artspezifische Kollisionsrisiko, umfangreiche aktuelle Rast- und Brutvogeldaten sowie Verteilung und Umfang des deutschen Übertragungsnetzes. Deutlich wurde, dass das Kollisionsrisiko im Raum unterschiedlich verteilt ist.Vor allem Großvögel wie Trappen, Kraniche und Störche sowie Schwäne und fast alle anderen Wasservögel sind betroffen. Es sind vor allem die schlecht manövrierfähigen Arten, deren Sehvermögen eher der Rundumblick als das nach vorn gerichtete Fokussieren charakterisiert. Auch die schnell fliegenden Watvögel sind daher gefährdet. Zwar verunglücken auch vereinzelt Seeadler oder Uhus durch Leitungskollisionen, doch in der Regel sind Greifvögel und Eulen viel weniger betroffen, als z.B. vom Stromtod auf Masten, da sie die Leitungen meist rechtzeitig erkennen. Das Risiko erhöht sich für nachtaktive oder nachts ziehende Vögel. Einen großen Einfluss können auch das Wetter, die Landschaft der Umgebung und die Bauweise der Freileitung haben. Bei dichtem Nebel kam es im Dezember 2015 zum Beispiel zu einer Massenkollision von etwa 100 Kranichen im Westen Brandenburgs.

Abhilfe lässt sich schaffen

Im Zuge des für die Energiewende erforderlichen Übertragungsnetzausbaus muss der Vogelschutz bei jeder einzelnen Vorhabenplanung eine viel höhere Aufmerksamkeit erfahren. Vögel sind nämlich direkt von neuen Leitungen betroffen, nicht nur durch Kollisionen sondern vor allem im Offenland auch durch den veränderten Lebensraum. Beim Neubau von Trassen können Vögel vor allem geschützt werden, wenn zumindest Gewässer und Rastgebiete, in denen kollisionsgefährdete Arten vorkommen, großräumig gemieden werden. Zugvögel und Rastvögel sind eben deutlich mobiler als andere Tiergruppen. Die Erdverkabelung würde Vogelkollisionen komplett vermeiden.Viel einfacher als bei Verkehr oder Windenergie ließen sich die übrigen Verluste technisch verringern: Vogelschutzmarkierungen an den besonders schlecht zu sehenden Erdseilen über den Leitungen könnten vor allem in bereits bestehenden Trassen nachgerüstet werden. Mit 60 bis 90 Prozent konnte die größte Wirksamkeit bei einem Markertyp ermittelt werden, der aus beweglichen und schwarz-weiß kontrastierenden Stäben besteht. Anders als bei Nachsicherungsverpflichtungen bei Mittelspannungsmasten und trotz internationaler Abkommen bestehen für deren Anbringung jedoch keine gesetzlichen Verpflichtungen. Daher haben die zuständigen Netzbetreiber bisher nur wenige Freileitungen vogelsicher gemacht. Verbesserte rechtliche Vorgaben müssen zur vollständigen Nachrüstung in Vogelschutz- und Rastgebieten mit kollisionsgefährdeten Arten führen. Der NABU schätzt, dass dies 10-15 Prozent der bestehenden Leitungen betreffen würde. Der Gesetzgeber sollte auch den pauschalen Ausschluss von Erdkabeln bei den meisten der neu geplanten Wechselstromtrassen auch aus Vogelschutzgründen korrigieren.Mit dem Gutachten wurde das Büro TNL Umweltplanung beauftragt. Das gesamte Gutachten finden Sie hier:

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